Stresow/Berlin l Der Saal in der Berliner Friedrichstraße hatte sich bereits merklich geleert, als am späten Sonnabendnachmittag der ehemalige Stresower Gutshof aufgerufen wurde. Nur noch einige der rund 100 Stühle waren besetzt, kaum jemand stand am Rand. Und während schräg gegenüber die Menschen ins Luxus-Kaufhaus Galeries Lafayette strömten, kam als Nummer 41 (von 54) eines der letzten Immobilien-Schnäppchen beim Auktionshaus Karhausen unter den Hammer.

Knapp 3,4 Hektar groß ist das traditionsreiche Areal, neben dem Gutshof stehen auf dem Gelände auch ein Verwaltungsgebäude, das ehemalige Inspektorenhaus, Ställe, Speicher und eine nicht mehr betriebene Brennerei leer. Alle Häuser stehen unter Denkmalschutz. Zusätzlich gehören ein großer Park mit Teich und einer kleinen Insel zum „Hausstand“.

Betretungsverbot

Die Mängel aber sind offensichtlich. Im Expose sind sie auch ausführlich beschrieben. Die Fenster sind nur teilweise erhalten, teilweise durch Spanplatten ersetzt. Feuchtigkeit, Witterung, Brandstiftung und Vandalismus haben den verschiedenen Gebäuden zugesetzt, teilweise sind auch Dächer eingestürzt. In das ehemalige Herrenhaus kann man derzeit nicht mehr durch den Haupteingang – es existiert ein Betretungsverbot. Nur über das angebaute Lehrlingswohnheim gelange man aktuell ins Hauptgebäude, heißt es im Expose. Alle Gebäude seien sanierungs- und modernisierungsbedürftig.

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Großes Interesse der Bieter zieht das Gelände am Sonnabend nicht auf sich. Zwar liegen die bestehenden Gebäude alle im Innenbereich und könnten für viele Zwecke genutzt werden. Dennoch finden sich nur zwei Interessenten, die auch mitbieten. Einer hatte vorher ein schriftliches Gebot abgegeben und wird durch einen Mitarbeiter des Auktionshauses vertreten. Im Saal hält ein anderer Interessent dagegen – aber nicht lange. Bei 35.000 Euro hebt er seine Bieterkarte, aber das schriftliche Gebot liegt höher. Wie wären 37.000 Euro? Auch für diesen Preis bekommt es der Interessent im Saal nicht, auch 38 000 Euro sind vom schriftlichen Gebot noch abgedeckt. Dann gibt der Bieter im Saal auf.

Bessere Wertanlage

Aber was hat ihn interessiert am Gut in Stresow? Bei der Grundstücksgröße und dem Preis sei das eigentlich keine Frage, sagt der Mann, der seinen Namen nicht verraten will, der Volksstimme. Immobilien seien die weitaus bessere Wertanlage verglichen mit Geld, das beliebig gedruckt werden könne. Grund und Boden, Häuser, das alles könne man anfassen. Warum er nicht mehr vom vermeintlich wertlosen Geld für das Gut Stresow ausgeben wollte, darauf gibt er keine klare Antwort. Mit seinem Gebot wäre er mit Nebenkosten – auch Maklercourtage, Grunderwerbssteuer und Notarkosten tragen die Käufer – auf rund 40.000 Euro gekommen, das wäre okay gewesen, sagt er.

Mit seiner Einstellung, Geld in Grundbesitz umzuwandeln, wenn es sich um Schnäppchen handelt, ist er an diesem Tag nicht allein. Einige Interessenten bieten regelmäßig für billige Objekte mit großen Flächen und solide gebauten Gebäuden mit, kaufen aber nicht um jeden Preis. Welche Absichten der künftige Eigentümer hat, ob er es entwickeln will oder eher liegenlassen will bis zur nächsten Auktion, das dürfte sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.