Möckern/Loburg l „Wenn da Panzer transportiert werden, dann müssen da auch Schulkinder fahren dürfen!“ So lautet das Argument, mit dem sich der Kreisverband der SPD für eine Neuauflage des schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs ausspricht.

Nur so könne man in diesen Zeiten den ländlichen Raum stärken, sagt der SPD-Kreisverbandsvorsitzende Kay Gericke: „Wenn wir eine akzeptable Verbindung zur Landeshauptstadt hätten, dann würden ökologisch denkende Menschen gerne raus aufs Land ziehen.“

Ländlichen Raum stärken

Nach Ansicht der SPD im Jerichower Land ist es nicht vermittelbar, warum derzeit die Bahnlinie zwischen Biederitz und Altengrabow deutlich erkennbar komplett modernisiert worden ist, aber nur die Bunderwehr die Strecke nutzt: „Die Bahnstrecke und die Bahnsteige sind gerade erst ertüchtigt worden und durch die Nachfrage der Bundeswehr ist die Bahnstrecke auf dem neuesten Stand.“ Auch die Anwohner an der Bahnstrecke sollten von dieser modernen Bahnstrecke wieder profitieren, um näher an den Raum Magdeburg heranzurücken.

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Die landeseigene Nahverkehrsservicegesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) hatte im Jahr 2011 eine Entscheidung des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr umgesetzt und die Strecke abbestellt. Stattdessen wurde ein Busverkehr eingerichtet, weil nach Ansicht der Entscheider zu wenige Fahrgäste den Zug genutzt hatten.

Nachdem die Strecke einige Zeit nicht genutzt wurde, pachtete sie im Jahr 2014 das private, jedoch nicht bundeseigene Eisenbahninfrastrukturunternehmen „Regio Infra“. Die DB Netz ist weiterhin Eigentümerin der Bahnstrecke.

Ein späterer Kauf sei nicht auszuschließen, erklärt Tino Hahn, Geschäftsführer der Regio Infra Nord Ost.

Regio Infra steht zu einer Ausschreibung

Einer Wiederaufnahme des öffentlichen Personennahverkehres auf der Strecke Loburg – Magdeburg steht das Unternehmen positiv gegenüber: „Wir würden uns freuen, wenn das Land Sachsen-Anhalt als Aufgabenträger uns dazu anspricht und der Landkreis den Wunsch einer Personenbeförderung wünschen würde“, so Tino Hahn. Sein Unternehmen agiert auf besagter Strecke als reines Infrastrukturunternehmen, betreibt in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg aber auch Bahnverkehr. „Wenn öffentliche Mittel zur Verfügung stehen und es eine Ausschreibung gibt, würden wir uns bewerben.“ Erfahrungsgemäß ist ein nicht subventionierter, eigenwirtschaftlich, ganzjährig geführter Verkehr nach Fahrplan unrealistisch.

Im Zuge der verstärkten Nutzung des militärischen Truppenübungsplatzes Altengrabow erfolgte die Ertüchtigung der Bahnlinie. Das Gesamtinvestitionsvolumen inklusive der Maßnahmen an den Bahnhöfen liegt nach Aussagen von Regio-Infra bei 20 Millionen Euro. Auftraggeber der Arbeiten ist die Bundeswehr, die aktuell als nahezu einziger Kunde die Bahnstrecke von Biederitz bis zum Truppenübungsplatz für Transporte nutzt. Der Bund übernimmt auch die Kosten für die aktuellen Modernisierungen. Nach Aussagen von Tino Hahn ändere auch eine anschließende zivile Nutzung der Strecke nichts daran.

Noch keine Reaktion von SPD-Landesfraktion

SPD-Mann Kay Gericke ist es egal, wer die Bahnlinie betreibt und den öffentlichen Personenverkehr anbietet: „Jetzt kostet es das Land doch auch Geld, wenn es den Bus finanzieren muss.“ Er macht sich Sorgen, dass die Menschen aus den Dörfern in die Städte ziehen, weil die Landeshauptstadt so schwer zu erreichen ist: „Bei mir war ein älteres Ehepaar aus Woltersdorf, das deswegen nach Magdeburg ziehen will.“

Gericke glaubt: „Die Taktung des damaligen Bahnangebotes war früher zu groß. Auch könnten kleinere Züge wirtschaftlicher auf der Strecke fahren.“ Interessierte Bahnkunden wähnt der SPD-Kreisvorsitzende genügend in der Region: „Es gibt viele Schüler, die die Gymnasien und Sportschulen in der Landeshauptstadt besuchen und die Bahn nutzen würden. Aktuelle Schülerzahlen liegen ihm allerdings nicht vor.

Zu den kleineren Zügen hatte der damals von der Bürgerinitiative „Pro Bahn“ angerufende Petitionsausschuss des Landtages bereits im Jahr 2012 erklärt: „Den Einsatz kleinerer Triebwagen auf der Strecke hält man auf Landesseite für keine geeignete Lösung.“

Eine Reaktion seitens der SPD-Fraktion im Landtag auf den parteieigenen Antrag aus dem Jerichower Land steht bislang noch aus.