Burg/Magdeburg l Paukenschlag in der regionalen Bankenwelt: Voraussichtlich zum 1. März sollen die Sparkassen Jerichower Land und Magdeburg fusionieren. Der Kreistag in Burg und der Stadtrat in der Landeshauptstadt wollen in den kommenden Tagen die politischen Weichen für den Zusammenschluss stellen. Die Gespräche laufen bereits seit Monaten hinter verschlossenen Türen, jetzt sind nach Informationen der Volksstimme auch die wichtigsten Details unter Dach und Fach, so dass die Sparkasse Jerichower Land und die Stadtsparkasse Magdeburg zu einem kommunalen Kreditinstitut verschmelzen können. Auch das Bundeskartellamt hat unter dem Aktenzeichen B9-30/21 den Zusammenschluss beider Institute nunmehr öffentlich bekanntgeben. Mitte des Monats sollen der Kreistag in Burg und der Stadtrat in Magdeburg endgültig darüber befinden. Eine Zustimmung gilt als sicher.

In Burg hat es dazu nach Informationen der Volksstimme intensive Gespräche gegeben. Ein entscheidender Befürworter ist Landrat Steffen Burchhardt (SPD), zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse Jerichower Land. „Wir haben gute Gespräche geführt, auf Augenhöhe verhandelt und schlagen mit dem Zusammenschluss einen Weg ein, der für beide Seiten zukunftsträchtig ist.“ Die neue Sparkasse sei in dieser Größenordnung wirtschaftlich stark und könne für private wie auch gewerbliche Kunden neue Möglichkeiten eröffnen – beispielsweise im Kreditgeschäft. Zudem sei durch die Fusion gewährleistet, dass alle zwölf Filialen und vier SB-Center zwischen Jerichow und Loburg weiterhin erhalten bleiben. „Wir werden auch künftig die meisten Anlaufstellen in der Fläche des Landkreises vorhalten“, so Burchhardt. Auch personell seien keine Einschnitte geplant, versicherte der Landrat. Das sieht auch der Vize-Vorsitzende des Verwaltungsrates und Chef der größten Kreistagsfraktion, Markus Kurze (CDU), so. „Wir machen uns unter einem starken Dach stark für die Zukunft. Ein bürgerfreundliches Filialnetz und Sicherheit für die Mitarbeiter stehen für uns mit an erster Stelle.“

Aus Sparkasse Jerichower Land wird MagdeBurg

Auch die beiden Sparkassen-Vorstände Norbert Dierkes und Markus Volke versicherten am Freitag gegenüber der Volksstimme, dass jeder Kunde auch künftig auf seine vertrauten Ansprechpartner und Geschäftsstellen setzen könne. Volke: „Bleibt das Dorf in der Filiale, bleibt die Filiale im Dorf.“ Eine größere Sparkasse setze auch neue wirtschaftliche Potenziale frei. Zwar sei die Sparkasse im Jerichower Land aktuell gut positioniert, so die Vorstände – Dierkes: „Die Bilanzsumme hat erstmals die Milliarden-Grenze überschritten“, Volke: „Die Erträge im operativen Ergebnis wurden im vergangenen Jahr um zwölf Prozent gesteigert, die Steuerzahlungen seit 2018 auf über zwei Millionen mehr als verdoppelt.“ Letztlich sei sie aber eine der kleinsten in Deutschland. Aus diesem Grund sei die Partnersuche „ohne Eile“ nur folgerichtig gewesen. Während ein Zusammenschluss mit der Sparkasse Stendal vor zwei Jahren wegen unterschiedlicher Ausrichtungen nicht zustande kam, seien die Gespräche mit den Magdeburgern sehr ziel- orientiert gewesen. „Wirtschaftlich haben wir damit auf die anhaltende Niedrigzins-phase reagiert“, so Dierkes.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD), in dieser Eigenschaft auch automatisch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Magdeburger Sparkasse, erklärte: „Ich sehe nichts Negatives in diesem Zusammenschluss. Es muss niemand Angst haben um Gebühren, Arbeitsplätze oder Filialen.“

Allerdings: Ein bisschen Wehmut kommt bei einigen Mitgliedern des Verwaltungsrates im Jerichower Land doch auf: Denn der Zusatz Jerichower Land zum Namen Sparkasse soll gestrichen werden. Der neue Name soll dann Sparkasse MagdeBurg heißen. Während die Einwohner der Region Burg ohnehin starke Bindungen zur Landeshauptstadt haben und viele auch dort arbeiten, „dürfte diese Änderung für manch einen Genthiner nicht so einfach zu erklären sein“, sagte ein Mitglied des Gremiums. „Das ist auch eine emotionale Sache.“

Mit der Fusion beider Sparkassen entsteht ein Kreditinstitut mit einer Gesamtbilanzsumme von etwa vier Milliarden Euro. Die Größenanteile liegen dabei dem Vernehmen nach bei rund 72 Prozent auf Magdeburger Seite. 28 Prozent steuert das Jerichower Land bei. Mehr als 500 Mitarbeiter werden dann zusammen beschäftigt.

Vorbehaltlich der Ratsbeschlüsse sollen in den nächsten Monaten die Gremien für die neue Sparkasse MagdeBurg gebildet werden. Dazu gehört auch die Bildung eines Zweckverbandes, weil hier zwei Gebietskörperschaften eine Aufgabe gemeinsam lösen. Der Zweckverband, bestehend aus Vertretern Magdeburgs und des Jerichower Landes, entsendet dann Vertreter in den neuen Verwaltungsrat, der die Grundsatzentscheidungen des neuen Kreditinstitutes bestimmt. Besetzt wird er vermutlich anteilig nach der eingebrachten Bilanzsumme. Die Gefahr, dass dabei Magdeburg den kleineren Partner unterbuttert, bestehe aber nicht, so Trümper, weil die Entscheidungen mit allen Beteiligten einvernehmlich und stets im Gesamtinteresse der neuen Sparkasse getroffen werden müssten. Aussagen über den künftigen Sparkassenvorstand wurden nicht getroffen.