Burg l Auf der Suche nach Futter ist für Wildschweine auch ein Maschendrahtzaun nicht unbedingt ein Hindernis. Und so finden die schlauen Tiere auch schnell den Weg auf den Burger Ostfriedhof. Wolfgang Metzel staunte nicht schlecht, als er in der Nähe des Komposthaufens die so genannten Brechstellen direkt am Hauptweg sah. „Erst eine und dann ganz viele Flächen“, sagt er. „Wie kann das passieren“?, fragt der Rentner.

Dass ab und zu einmal Wildtiere, darunter Rehe oder Füchse, auf dem Friedhof beobachtet werden können, ist keine Seltenheit und hat bereits in den zurückliegenden Jahren gelegentlich für Aufsehen gesorgt. Mehrere Wildschweine sind indessen schon ungewöhnlich. Eine Familie will sogar morgens eine aus 20 Tieren bestehende Rotte gesehen haben, wurde der Volksstimme am Mittwoch mitgeteilt.

Zaun undicht

Die zum Teil langgezogenen Wühlspuren ganz in der Nähe des großen Komposthaufens sind ein klares Zeichen, dass es sich um Wildschweine handelt. „Daran gibt es keinen Zweifel“, bestätigt Wieland Günther von der Stadtverwaltung auf Nachfrage der Redaktion. Die zuständigen Mitarbeiter des Friedhofes hätten umgehend den Grenzzaun zum Stadtwald kontrolliert und diesen an sechs Stellen wieder abgedichtet. Allerdings: Wildschweine, allen voran die erfahrenen weiblichen Leittiere, sind einfallsreich und geben nicht so schnell auf. Mit ihrem kraftvollen Körper biegen sie den Zaun wieder nach oben. Dagegen helfen nur ausreichend feste Verankerungen im Boden.

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Auch in den kommenden Tagen soll der Zaunverlauf kontrolliert werden, sagt Günther. Zeitgleich habe die Stadt mittlerweile den zuständigen Jagdpächter des Bürgerholzes über den Vorfall informiert. Er habe zugesagt, den an den Friedhof grenzenden Bereich intensiver und mit mehreren Weidmännern zu bejagen. Ob bislang schon Tiere gestreckt werden konnten, darüber liegen der Stadt noch keine Angaben vor.

Keine Schäden an Gräbern

Glücklicherweise haben die Sauen keine Schäden an den Gräbern angerichtet, bestätigt Friedhofsgärtner André Burmester. „Die Grabstellen sind unversehrt. Das wäre auch wenige Wochen vor Totensonntag für viele Angehörige ein harter Schlag.“

Ganz offensichtlich finden die Wildschweine am Rande ausreichend Engerlinge und Würmer, die für sie eine Delikatesse sind. Und das vor allem am ehemals geplanten Tierfriedhof zum Erkenthier hin oder am Komposthaufen.

Angst aber müssen Besucher des Friedhofes nicht haben. Zum einen sind Wildschweine dämmerungs- und nachtaktiv und werden nicht tagsüber versuchen, auf den Friedhof zu gelangen, zum anderen sind sie ausgesprochen menschenscheu und würden beim Anblick oder Geruch von Friedhofsbesuchern umgehend das Weite suchen. So schnell wie sie kommen, flüchten sie auch wieder.