Burg l Maximal 25 Personen durften an der Geburtstagsfeier einer 16-Jährigen in der Sporthalle Lostau feiern. So hatte es die Einheitsgemeinde Möser angelehnt an die Eindämmungsverordnung des Landes in ihrer Genehmigung vorgesehen. Doch das geriet scheinbar in Vergessenheit. Immerhin wurde eine Teilnehmerliste geführt, allerdings stehen in der 54 Namen, mehr als doppelt soviel wie genehmigt. Teilweise sind die Angaben lückenhaft, möglicherweise hat sich auch nicht jeder Partygast eingetragen. Während der Feier wurde nicht kontrolliert, ob die Teilnehmerzahl eingehalten wurde. Einheitsgemeindebürgermeister Bernd Köppen (parteilos) verweist in seiner schriftlichen Antwort auf eine Volksstimme-Anfrage darauf, dass die aktuellen Regelungen der Eindämmungsverordnung Bestandteil der Nutzungsvereinbarung gewesen seien. Als Reaktion auf die Missachtung eben dieser Regelungen habe die Einheitsgemeinde nun dem Gesundheitsamt des Landkreises angezeigt, ein Bußgeldverfahren einzuleiten.

Bußgeld von 250 Euro droht

Lostaus Ortsbürgermeister Thomas Voigt sagte, die Räumlichkeiten seien unter bestimmten Voraussetzungen vermietet worden. Diese Voraussetzungen hätten auch eingehalten werden müssen. Da die Jugendlichen noch keine 18 Jahre alt waren, habe den Vertrag ein Erwachsener unterschreiben müssen. Der hätte als Erziehungsberechtigter aus Voigts Sicht auch auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Regelungen achten müssen. Er selbst habe erst später von der Feier erfahren, sagte Voigt. Für ihn ist das Ganze nicht nachvollziehbar: „Alles andere wird runtergefahren und dann sowas.“

Für das Bußgeld ist der Landkreis zuständig, nicht aber für die Genehmigung. Die Veranstaltung war dem Landkreis somit im Vorfeld auch nicht bekannt. „Es kann nicht geklärt werden, wie viele Personen tatsächlich anwesend waren“, erklärte Kreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann auf Anfrage der Volksstimme. Bis auf das drohende Bußgeld von 250 Euro scheinen die Feiernden aber glimpflich davongekommen zu sein.

Unter den Personen, die an der Veranstaltung teilgenommen haben und dem Gesundheitsamt bekannt sind, befand sich keine Person, die positiv auf das Coronavirus getestet war oder ist. „In die Ermittlungen ist auch eine Abfrage beim Gesundheitsamt in Magdeburg eingeflossen. Eine Verbindung zu einem Hotspot in Gerwisch konnte nicht nachgewiesen werden. Einige Personen, die inzwischen unter häusliche Quarantäne gestellt wurden, standen zum Zeitpunkt der Feier noch nicht unter Quarantäne. Ihre Anwesenheit dort war also nicht illegal“, erläuterte die Kreissprecherin.

Dennoch gab es Kritik von Amtsarzt Dr. Henning Preisler. Das bei der Veranstaltung gezeigte Verhalten beinhalte ein hohes Risiko für die Entstehung weiterer Hotspots im Landkreis.

Zwei Hotspots hatten Anfang vergangener Woche dafür gesorgt, dass die Corona-Ampel im Jerichower Land auf Rot sprang. Eine Gruppe der Theologischen Hochschule Friedensau war mit mehreren Infizierten von einer Studienfahrt nach Göttingen zurückgekehrt, zahlreiche Corona-Fälle gab es außerdem bei einem Klassentreffen in Gerwisch. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Anzahl der neuen Fälle innerhalb einer Woche, überschritt den Grenzwert von 30, lag bei 35.

Seit einer Woche Risikogebiet

Mitte vergangener Woche spitzte sich die Situation noch weiter zu. Der Inzidenzwert überschritt 50, damit wurde das Jerichower Land nach Definition des Robert-Koch-Instituts zum Risikogebiet. Und die Lage wird nicht besser. Allein über das Wochenende sind 30 weitere Fälle hinzuge- kommen.

Aktuell gibt es 186 nachgewiesene Corona-Fälle im Landkreis (Stand 27. Oktober, 15.14 Uhr). Es befinden sich 617 Personen in häuslicher Quarantäne, stationär müssen derzeit zwei Personen behandelt werden. Zum Szenario der gestiegenen Corona-Zahlen passt, dass am kommenden Freitag die Fieberambulanz auf dem Komplex des Burger Helios-Klinikums wiedereröffnet wird. Die Anmeldung erfolgt übers Gesundheitsamt.