Gommern l Kein Schüler weit und breit, dafür sind die Handwerker am Arbeiten. In der Sekundarschule „Fritz Heicke“ sieht es im Moment sehr nach Ferien aus, aber davon sind Schüler und Lehrer weit entfernt. Sie haben sich auf die Schulschließung und das Arbeiten von Zuhause aus eingestellt. Auf der Internetseite der Schule hat jede Klasse ihren eigenen Link, auf dem die Aufgaben hinterlegt sind, die für die einzelnen Fächer zu erledigen sind.

Die Aufgaben gibt es jeweils als Word- und PDF-Dokument, damit alle Schüler damit arbeiten können.

Weil die Schule einen Server des Bildungsministeriums nutzt, passiert es zeitweise, dass das System überlastet wird - wenn zu viele Schüler auf einmal auf die Aufgaben zugreifen wollen.

Bei Nachfragen können die Schüler eine allgemeine E-Mail-Adresse nutzen, viele Lehrer haben aber auch ihre eigene angegeben, um gleich direkt antworten zu können, sagte Annett Koczak, stellvertretende Schulleiterin. Außerdem haben natürlich auch die Schüler Wege gefunden, sich gegenseitig zu helfen.

Einerseits wolle man die Schüler mit genügend Aufgaben versorgen, andererseits aber auch nicht überfordern, setzte Schulleiterin Bärbel Kaiser hinzu.

Den Unterrichtsstoff erneuern und vertiefen

Für die jüngeren Schüler, denen die Einteilung ihrer Zeit vielleicht noch etwas schwerer falle, könne es helfen, wenn sie nach ihrem Stundenplan vorgehen, gab sie einen Tipp.

Keinesfalls sei es so, dass die Schule an der Abarbeitung der Aufgaben die Leistung der Eltern messe, zerstreute Annett Koczak Sorgen von Müttern und Vätern.

Je nach Fach und Klassenstufe sind ganz unterschiedliche Aufgaben gestellt. Von der täglichen Übung beispielsweise in Mathematik, damit Wissen erneuert und vertieft wird und möglichst wenig verloren geht, bis der reguläre Unterricht fortgesetzt werden kann, bis zu kreativen Herausforderungen wie der Fertigung eines Plakats.

Ihre erledigten Aufgaben können die Schüler beispielsweise abfotografieren und per E-Mail einsenden. Für manche Schüler war es die erste E-Mail ihres Lebens.

Auf der Internetseite der Sekundarschule werden die Schüler und Eltern kontinuierlich auf dem Laufenden gehalten. So musste der Elternsprechtag abgesagt werden, aber die Lehrer versuchen jetzt nach und nach die Eltern, die um ein Gespräch gebeten haben, telefonisch zu erreichen.

Von Aufregung unter den Zehntklässlern kommt in der Schulleitung wenig an. „Vielleicht weil die Prüfungen frühzeitig verschoben worden sind“, sagte Annett Koczak. Statt am 20. April beginnt die Prüfungszeit nun am 11. Mai.

Bei Schreibprogrammen gibt es Defizite

Eine Konsequenz aus der digitalen Beschulung steht für die Sekundarschule jetzt schon fest: Die Schüler werden künftig noch intensiver im Umgang mit Schreibprogrammen am Computer geschult. Zwar lernen sie den Umgang mit Word oder das Erstellen einer Power-Point-Präsentation in der 6. Klasse, aber davon scheint zu wenig hängen zu bleiben. Der Wechsel zwischen Groß- und Kleinschreibung, das Formatieren von Überschriften, die Nutzung von Tabulatoren oder das Anwenden des Rechtschreibprogrammes fällt vielen schwer. Deshalb werden nach der Coronakrise die Computer, die in jedem Klassenraum stehen, eingesammelt und ein zusätzlicher Computerraum eingerichtet, um den Jugendlichen die Grundlagen von Schreibprogrammen zu vermitteln. Denn spätestens beim Schreiben von Bewerbungen brauchen sie diese Fähigkeit.

Die Achtklässler bekommen über das Ganztagsangebot ihrer Schule die Möglichkeit, Maschineschreiben zu erlernen. Bärbel Kaiser wünschte sich, dass die Jugendlichen dieses Angebot noch mehr zu schätzen lernen. Schließlich gebe es doch kaum noch einen Beruf, der ohne Computerfähigkeiten auskomme. Das Zertifikat, das die Schüler erwerben, können sie ihren Bewerbungen hinzufügen.

Bestärkt wird die Sekundarschule in der Entscheidung durch die Erfahrungen bei der Englisch-Vergleichsarbeit, die dieses Jahr erstmals am Computer geschrieben wurde. Nach 90 Minuten Wechsel zwischen Lesen auf dem Bildschirm und Tippen auf der Tastatur seien die Schüler so „fix und fertig wie noch nie“ gewesen.

Keinerlei Probleme haben die Sekundarschüler dagegen beim Rercherchieren im Internet. Das funktioniere gut.

Malerfirma nutzt leere Schule

Die leere Schule wird derzeit von einer Malerfirma dazu genutzt, die Treppengeländer zu streichen. Das wurde notwendig, weil das Reinigungsmittel die alte Farbe angegriffen hatte. Die Reinigungskräfte unterziehen die Klassenräume unterdessen einer intensiveren Reinigung, als das an Schultagen möglich ist. Und einige Lehrer bereiteten nicht nur die Aufgaben ihrer Schüler vor, sondern machten auch in ihren Klassenräumen eine Inventur und räumten auf. Außerdem sind alle Lehrer aufgefordert, ihre Ideen für eine Art Krisenplan einzubringen. Das ist eine weitere Anregung, die die Coronakrise bewirkt hat.

Der Hausmeister nutzt die Zeit ebenfalls für Arbeiten, die bei regulären Schulbetrieb schwer möglich wären.

Bärbel Kaiser und Annett Koczak haben unterdessen die Planungen für das neue Schuljahr begonnen. Zwei Lehrerstellen für die Ganztagssekundarschule werden neu ausgeschrieben. Zu den Kollegen, die in Ruhestand gehen, gehört auch die Schulleiterin selbst.