Spitze-Wahl 2017

Des eigenen Glückes Schmied

Musiker, Kabarettist, Konzertmacher - für den 17-jährigen Burger ging es im vergangenen Jahr karrieretechnisch steil bergauf.

Von Juliane Just

Burg l „Vom Schüler zum Konzertmacher“ titelte die Volksstimme im Mai vergangenen Jahres. Gemeint war Alexander Kiel, der ein Benefizkonzert für Flüchtlinge organisierte. Doch das war erst der Anfang, denn auch vom Musiker zum Local Hero und vom Hobbysänger zum Produzent eines Debütalbums entwickelte sich der gebürtige Burger. Vielleicht auch deswegen nominierten ihn Volksstimme-Leser für die diesjährige Aktion „Du bist spitze“.

Unermüdlich klettert der 17-Jährige die Karriereleiter nach oben. Ziel: immer weiter. Den ersten Paukenschlag schaffte er mit dem bereits genannten Benefizkonzert „Hegel & Friends“. Im Magdeburger Moritzhof akquierierte er mit viel Unterstützung mehrere Bands, die auf ihre Gage verzichteten und diese stattdesssen für Flüchtlinge spendeten.

„Konzert mit Tränen in den Augen“ war nach dem Erfolg in der Volksstimme zu lesen. „An dieses Konzert denke ich gern zurück“, sagt Alexander Kiel. Zwar hätte er sich die Mammutaufgabe der Organisation einfacher vorgestellt, doch es hätte sich gelohnt. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als ich zum Ende des Konzerts mit dem Scheck von knapp 1500 Euro auf der Bühne stand und das Publikum ausrastete“, erinnert der 17-Jährige sich zurück.

Doch sein Traum lag noch eine Stufe höher. Gemeinsam mit Hannes Kuschik aus Markkleeberg musiziert er im Duo Zwischenspiel. Nachdem sie sich im Dezember 2015 gründeten, tourten sie mit handgemachter Akkustikmusik und Coversongs von A bis Z von Musikabenden über Geburtstagsfeiern bis hin zu Hochzeiten. Auch beim Benefizkonzert zeigten sie ihr Können.

„Local Heroes“ wollten sie sein und bewarben sich bei dem Bandcontest. Überraschend gewannen sie den Handcraft Music Award – eine Kategorie des Wettbewerbs, bei dem es um handgemachte Musik ging. „Mit dem Preis konnten wir einen Song professionell im Studio aufnehmen“, erzählt Alexander Kiel. Erfahrungen hatten die beiden im Studio bereits gesammelt, denn an einem Debütalbum tüftelten sie bereits.

Passend zur ersten eigenen Produktion nannte Zwischenspiel das Album „Anfang“. Mit leisen Tönen singen die Musiker dort von Liebe und zwischenmenschlichen Beziehungen, die nicht immer einfach sind. Nach nur zehn Monaten das erste Album zu produzieren, zeugt vor allem von Duschhaltevermögen. „Nach nicht mal einem Jahr sein eigenes Gesicht auf einem Cover zu sehen, ist einfach irre“, erzählt Alexander Kiel.

Seitdem touren die beiden durch das Jerichower Land und darüber hinaus und begeistern das Publikum mit ihren Songs. Für die Werbung sind sie selbst zuständig – das bedeutet für Alexander Kiel, dass er sich bei einem bevorstehenden Konzert seinen Rucksack schnappt und in der Innenstadt seine Poster an den Mann bringt. Selbst ist der Musiker. Wenn die Konzerte ausverkauft sind, weiß er, dass sich die Mühe gelohnt hat: „Manche Konzerte sind ausverkauft, ohne dass wir dafür überhaupt Werbung machen. Das ist einfach toll.“ Das eingespielte Team versteht sich auf der Bühne blind - trotz zwölf Jahren Altersunterschied.

Eine gewisse Zurückhaltung und Schüchternheit umgibt den jungen Musiker. Gerade deshalb ist es umso erstaunlicher, dass er sich auch im Burger Kabarettensemble „Cat-stairs“ mit einbringt. Doch von wem aus der Familie kommt eigentlich diese Kreativität? „Ich habe keine Ahnung“, sagt er lachend. Auch seine Schwestern seien kreativ – vielleicht eine Fügung des Schicksals.

In ruhigen Momenten, wenn Alexander Kiel kein Musiker, Kabarettist oder Konzertmacher ist, dann strebt er danach, anderen etwas von seinen Erfahrungen mitzugeben. „Ich würde gern anderen Menschen etwas beibringen, aber dafür bin ich einfach zu ungeduldig“, erzählt er schmunzelnd.

Die Burger Stadtbibliothek Brigitte Reimann gibt Alexander Kiel neben seinen zahlreichen Projekten eine berufliche Aufgabe. Dort absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Engagement ist auch hier Ehrensache. Als Landessprecher für das FSJ Kultur, Schule und Politik setzt er sich für bundesweite Verbesserungen für FSJ-Teilnehmer ein. „Die Bedingungen für die jungen Menschen müssen besser werden“, sagt er.

Eine Herzensangelegenheit ist auch das Engagement gegen Rechtsradikalismus. Im Verein „Toleranz Leben und Lernen“ und am „Runden Tisch gegen Rechts“ beteiligt er sich. Die Spenden für die kommenden Benefizkonzerte im März und April sollen ersterem zugute kommen. Scheinbar nebenbei setzt sich der Burger für all diese Träume, Vereine und Initiativen ein. Getreu dem Motto: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Und wer das nicht sein kann, hat Hilfe verdient.

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