Klusspatzen lassen sich nicht locken

Die Regionalbereichsbeamtin Nadin Hesse sensibilisiert Wahlitzer Kita-Kinder im Umgang mit Fremden

Ganz laut „Nein!“ zu sagen, übten die 14 großen Jungen und Mädchen der Wahlitzer Kindertagesstätte „Klusspatzen“ mit Nadin Hesse, Regionalbereichsbeamtin der Polizei in Gommern. Sie sprach mit den Kindern über das Thema „Fremde“ und stellte sie auf die Probe.

Von Manuela Langner 23.07.2021, 10:51
Aufmerksame Zuhörer und im Notfall auf Zack, so agierten in dieser Woche die großen Kinder der Wahlitzer Kindertagesstätte ?Klusspatzen?. RBB Nadin Hesse sprach mit ihnen über das Thema ?Fremde?, während Luca Sander in die Rolle des Fremden schlüpfte und versuchte, die Kinder anzusprechen.
Aufmerksame Zuhörer und im Notfall auf Zack, so agierten in dieser Woche die großen Kinder der Wahlitzer Kindertagesstätte ?Klusspatzen?. RBB Nadin Hesse sprach mit ihnen über das Thema ?Fremde?, während Luca Sander in die Rolle des Fremden schlüpfte und versuchte, die Kinder anzusprechen. Foto: M. Langner

Wahlitz - Ein Fremder sei jemand, den man nicht kennt, erklärten die großen Kinder der Kita „Klusspatzen“. Sie wussten auch, dass man mit Fremden nicht mitgeht. Aber: Ist Frau Hesse für sie eine Fremde? Da mussten die Kinder wirklich überlegen. Sie war erst vor einigen Tagen in ihrer Kita zu Besuch gewesen und hatte mit ihnen Verkehrszeichen geübt, damit sie sicher im Straßenverkehr unterwegs sind. Die Polizistin hatte auf die Kinder so viel Eindruck gemacht, dass sie von ihnen freudig am Eingang begrüßt wurde und gleich ein paar für sie gemalte Bilder in die Hand gedrückt bekam.

Sie haben bei ihr auf jeden Fall ein gutes Bauchgefühl. Darauf konnten sich die Kinder im Gespräch mit Nadin Hesse einigen. Aber wissen sie, wo sie wohnt oder wie alt sie ist? Das wüssten sie nicht. Deshalb sei sie eine Fremde, erklärte die Regionalbereichsbeamtin der Polizei in Gommern (RBB) und erntete schließlich die Zustimmung ihrer aufgeweckten kleinen Zuhörer.

Mit wem sie mitgehen dürfen, entschieden die Eltern, betonte Nadin Hesse. Sie stellte anhand von Fotos diverse Szenarien vor. Wie sollten sich die Kinder verhalten, wenn ein Autofahrer sie nach dem Weg fragt oder Schokolade anbietet oder sogar das Foto eines niedlichen Tierbabys? Nicht an das Auto herantreten, auf keinen Fall einsteigen!

Niemals mitgehen, egal, worum es geht

Und wenn ein Arbeitskollege des Papas zum Spielplatz komme oder eine Frau sagt, dass Mama länger arbeiten müsse, und sie deshalb zum Abholen komme? Nicht mitgehen, wiederholten die Kinder. Und wenn ihnen für eine Hilfe Geld angeboten werde? „Nur Erwachsene können Erwachsenen in solchen Fällen helfen“, erklärte Nadin Hesse. Sie sprach mit den Kindern durch, was Rettungsinseln sein könnten. Beispielsweise ein Geschäft. In Wahlitz fiel allen gleich der Reiterhof Dame ein. Damit ihnen schnell geholfen werden könne, müssten sie den Erwachsenen dort erklären, was vorgefallen sei.

Die Jungen und Mädchen folgten dem Beispiel der RBB und stellten sich gerade auf, steckten die Hände in die Hüften - was nicht zufällig an Superman erinnern sollte - und übten ein freundliches, aber unmissverständliches „Nein!“. Soll dieses Nein Berührungen und ähnlichen Dingen, wie beispielsweise einem Kuss der Großeltern, gelten, die sie nicht möchten, ist das laut gerufene „Nein!“ für Situationen mit Fremden gedacht.

Während drinnen die großen Kita-Kinder der Geschichte um Hanna und Charlotte und dem Mann, der sie mit einem Hundewelpen locken wollte, folgten, versuchte Nadin Hesses Kollege, ein Anwärter in seinem letzten Praktikum, draußen sein Unwesen zu treiben.

Auch Eltern sollten einbezogen werden

Ausgerüstet mit zwei Lutschern wollte er Kinder am Zaun der Kita anlocken, um sie in ein Gespräch zu verwickeln. Daraus wurde aber nichts. Erzieherin Simona Gebuhr, die nicht eingeweiht gewesen war, stellte den jungen Mann sofort zur Rede. Er gab sich als Polizeibeamter zu erkennen, und versuchte es erneut, als die großen Kinder auf den Spielplatz kamen. Es klappte wieder nicht. Zwei Mädchen rannten sofort zur nächsten Erzieherin und meldeten den Fremden. Dafür erhielten die beiden Mädchen ein großes Lob. In so einer Situation ruhig auch laut zu rufen, ermunterte Nadin Hesse noch einmal die Kinder.

Schon beim Üben des lauten „Nein!“ hatte sie festgestellt, dass die Jungen gerne so laut riefen, wie sie nur konnten, aber die Mädchen eher leise blieben.

Aus Sicht der Polizei sei die Hecke am Zaun der Kita nicht ideal, weil sie Räume biete, die die Erzieherinnen nicht einsehen könnten. Den Hinweis gab Nadin Hesse ebenfalls.

Über einen Informationsbrief zum Thema „Fremde“ mit vielen wichtigen Hinweisen wurden auch die Eltern einbezogen. Wichtig sei, auf das Thema immer wieder einzugehen, betonte die Polizistin. Sie will im nächsten Jahr gerne wiederkommen, um die Kinder zu sensibilisieren. In der Zwischenzeit wollen auch die Erzieherinnen das Thema nicht aus den Augen verlieren.