Abitur in Gommern

Die Welt liegt ihnen zu Füßen

Die Gommeraner Gymnasiasten feiern einen rauschenden Abschlussball und blicken auf eine spannende Zukunft voller ungeahnter Möglichkeiten.

Von Thomas Schäfer
Die Tutoren Axel Sambleben (l.) und Nils Matheja führten ihre Schützlige beim Einmarsch zur Übergabe der Abiturzeugnisse am Sonnabend an. Die beiden Klassenlehrer erwiesen sich als 6er im Lotto für die Jahrgangsstufe, ließen Janice Henschke und Lilly Bluhm in ihrer Abschlussrede dankbar wissen.
Die Tutoren Axel Sambleben (l.) und Nils Matheja führten ihre Schützlige beim Einmarsch zur Übergabe der Abiturzeugnisse am Sonnabend an. Die beiden Klassenlehrer erwiesen sich als 6er im Lotto für die Jahrgangsstufe, ließen Janice Henschke und Lilly Bluhm in ihrer Abschlussrede dankbar wissen. Foto: Thomas Schäfer

Gommern - „Es war nicht nur eine Zeit des Lernens, sondern vor allem des Wachsens - wachsen an unseren Aufgaben, Vorstellungen und Zielen, aber besonders auch an uns selbst. Wir haben über andere und über uns selbst gelernt. Gelernt, was es bedeutet, groß zu werden“, blickten die Abiturientinnen Janice Henschke und Lilly Bluhm während ihrer Abschlussrede beim Abiball der Europaschule Gymnasium Gommern am Sonnabend auf bewegte Jahre zurück. Jahre des Lernens, des Strebens nach Erkenntnis.

„Eine Zeit voller Emotionen der Wut, Trauer und Verzweiflung, aber auch der Freude liegt hinter uns und damit auch eine Zeit, die wir nie vergessen werden“, gaben sie in ihrer Rede Einblicke in das Gefühlsleben der Gommeraner Abiturienten der letzten Jahre, Monate und Wochen.

Die letzten anderthalb Jahre waren bestimmt durch das Coronavirus und seine Auswirkungen auf das Schulleben, das Lernen, die Vorbereitungen und Ablegen der Reifeprüfung. Janice Henschke und Lilly Bluhm vergaßen in ihrer Rede nicht, jenen zu danken, die sie durch diese schwere Zeit begleitet haben. Ihr besonderer Dank ging insbesondere an Eltern, Firmen und Privatpersonen, die mit ihren Spenden den Abiball erst ermöglicht haben.

Nur durch die Spenden war es möglich, den Abend überhaupt zu stemmen. Ein Abend voller Emotionen, der Erinnerungen und Abschiedstränen - aber auch des Neuanfangs und des Beginns eines neuen Lebensabschnitts voller aufregender Möglichkeiten. Dies griffen auch Schulleiterin Dagmar Riwaldt, Landrat Steffen Burchhardt (SPD) und Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) in ihren Reden und Grußworten auf.

„Ehre haben diese jungen Menschen verdient“, so Dagmar Riwaldt an die Abiturienten gerichtet. Denn es kostet viel Mühe, sich eine solche Fülle an Wissen anzueignen, um den höchstmöglichen allgemeinbildenden Schulabschluss der Bundesrepublik zu erlangen.

Und mit einem Augenzwinkern fügte sie hinzu: „Sie haben die nötige Bereitschaft und Disziplin aufgebracht, die pädagogischen Kenntnisse für den Umgang mit so komplizierten Mitbürgern wie Lehrern zu erlernen und den Frieden zwischen Elternhaus und Schule stets zu sichern. Zwei Parteien, von denen jede glaubt, dass Fehlentwicklungen ihrer Schutzbefohlenen ausschließlich durch die andere Seite verursacht worden sind.“ Leichtes Raunen und Kichern im Saal.

Alle 40 Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr zum Abitur angetreten waren, erreichten es auch. Einige mit besonders herausragenden Leistungen. Schulleiterin Dagmar Riwaldt warb um Applaus für Lilly Bluhm (Notenschnitt 1,4), Sophie Thiele (1,3), Paula Grüning (1,1), Pauline Schmidt (1,1) und Jari Zeibig (1,0). Tosender Beifall.

Sprachliches Talent bewies Landrat Steffen Burchhardt bei seinem Grußwort.

Auf Englisch, Latein, Russisch und Französisch verkündete er: „Die Welt liegt euch zu Füßen“. Burchhardt weiter: „Ihr könnt alles erreichen, wenn ihr euch etwas zutraut und bereit seid, für eure Ziel zu kämpfen.“

Steffen Burchhardt verwies darauf, dass viele behaupten würden, dass man das meiste, was man in der Schule lernt, nie wieder brauchen würde. Amüsant beweis er an acht Beispielen das Gegenteil.

„Die Welt liegt euch zu Füßen - geht raus, erkundet sie, stoßt euch die Hörner ab“, schloss Burchhardt seine Rede. Und er bat eindringlich: „Aber hört am Ende auf euer Herz. Ist hier eure Heimat? Dann kommt zurück, gründet hier eure Familie und werdet glücklich.“

Gommern Bürgermeister Jens Hünerbein wünschte den Abiturienten die Weisheit, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen und auch rechtzeitig zu erkennen, wann der eingeschlagene Weg nicht in die richtige Richtung führt. „Ich wünsche Ihnen auf ihrem zukünftigen Wege Menschen, die sie ehrlich, aufrichtig, zuverlässig und liebevoll begleiten.“

Natürlich stieß auch Jens Hünerbein in das gleiche Horn wie Steffen Burchhardt: „Zum Abschluss noch eine persönliche Bitte, die ich jedes Jahr unseren Abiturienten mitgebe: Sollte es euch in die Ferne ziehen, vergesst bitte eure Heimat nicht. Kommt bitte irgendwann - möglichst mit Familie und vielen Kindern - zurück.“