Biederitz l Eigentlich sollte es eine lustige, entspannte Freistunde für Joe Drescher und seine Freunde werden. Die Jungen aus Biederitz, die das Ökumenische Domgymnasium besuchen, wollten an der Hubbrücke in Magdeburg ein wenig Zeit verbringen und sich an der dortigen Schaukel amüsieren. Doch dann kam alles anders. Statt mit den Freunden Spaß zu haben, endete der Tag für den 16-Jährigen im Krankenhaus.

Doch was war passiert? Die Jugendlichen hatten es sich auf der Schaukel an der Hubbrücke bequem gemacht und Joe wollte auf diese aufspringen, als diese allerdings in Bewegung war. „Schon im Sprung dachte ich: Ob das gut geht?“ erinnert sich der Junge. Es ging nicht gut. Er stürzte, schlug mit dem Kopf auf. Dass ihm weiter nichts passierte, ist laut seiner Mutter Andrea Drescher vor allem seinen Freunden zu verdanken, die sofort eingriffen: „Es ist einfach toll, wie die Jungs reagiert haben.“ Innerhalb weniger Augenblicke riefen die Jugendlichen den Rettungsdienst, erinnert sich Paul Reppin, einer der Helfer. „Joe ist schon nach wenigen Momenten wieder zu sich gekommen, aber wir wussten ja nicht, ob er sich vielleicht verletzt hatte, also rieten wir ihm, liegen zu bleiben. Obwohl er nicht richtig ansprechbar war, wir haben mit ihm geredet, aber er hat nicht geantwortet, das war schon ziemlich beängstigend“, erklärt Paul.

Joe lenkt ein, dass er diese Situation nach dem Vorfall gar nicht wirklich einordnen konnte: „Ich dachte, ich würde träumen. Und da ich meine Freunde, die auf mich einredeten, für Figuren aus einem Traum hielt, dachte ich nicht, dass ich ihnen antworten müsste, weil sie ja nicht real waren.“ Sein Zustand normalisierte sich schnell wieder, aber der Schüler hatte Angst, dass er vielleicht einen Gedächtnisverlust erlitten hätte.

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Sanitäter schnell vor Ort

„Das wäre schlimm, denn ich hatte kurz vorher erst für einen Test gelernt und dann hätte ich das ja alles noch mal machen müssen“, kann er inzwischen über den Unfall lachen. Zudem stand sein 16. Geburtstag vor der Tür, den er auch nicht im Krankenhaus verbringen wollte. Innerhalb kurzer Zeit waren die Rettungssanitäter da und auch ein Rettungshubschrauber. „Er wurde dann mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren. Leider nicht mit dem Hubschrauber, das wäre ja eine schöne Gelegenheit für einen Rundflug gewesen“, berichtet Andrea Drescher, die nach dem Schrecken inzwischen mit einem Schmunzeln auf den Tag zurückblicken kann. „Wir möchten uns auf jeden Fall bei Robin Kramer, Paul Reppin, Drhv Kumar, Linus Böhlke und den Magdeburger Rettungskräften bedanken, denn ohne sie wäre der Unfall mit Sicherheit nicht so glimpflich abgelaufen“, sind sich Mutter und Sohn einig. Im Krankenhaus wurde ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma festgestellt, nach 24 Stunden Beobachtung konnte der Jugendliche dann wieder nach Hause.

„Als ich den Anruf bekam, dass mein Sohn einen Unfall hatte und ins Krankenhaus muss, da ist mir vor Schreck fast das Herz stehen geblieben“, erinnert sich die Mutter. Zudem kamen widrige Umstände, befand sie sich zu der Zeit doch in angeordneter Quarantäne und konnte nicht einfach sofort ins Auto springen. „Die Nachbarn haben geholfen und auch meine Tochter, allerdings hatten wir dann auch noch die falsche Information, in welchem Krankenhaus er ist, sodass er dann erstmal in der anderen Klinik gefunden werden musste“, fasst sie zusammen.

Instinktiv richtig gehandelt

Joe hatte nur noch mit leichten Kopfschmerzen zu kämpfen und ist inzwischen wieder fit. Einen ähnlichen Vorfall hatten die Jugendlichen noch nie erlebt. „Wir haben da einfach instinktiv gehandelt, den Rettungsdienst informiert und auch Leute, die schauen wollten, was dort passiert ist, von Joe ferngehalten“, erklärt Paul.

Der Junge ist mit dem Schrecken und leichten Blessuren davon gekommen. Und mit dem Wissen, dass er sich im Ernstfall auf seine Freunde verlassen kann.

In Zukunft will er etwas vorsichtiger sein. „Ich glaube, ich werde nur noch mit Helm schaukeln“, lacht er.