Burg l Brigitte Reimann (1933 bis 1973), die bekannteste Schriftstellerin der Stadt, schaut schon seit Ende Oktober auf Burg, nachdem die Mitarbeiter der Potsdamer Firma "Art-efx" die letzten Sprühdosen an Farbe für die Giebelwand an der Bahnhofstraße 4 verbraucht hatten. Am Sonnabend nun war es an der Zeit, das übergroße Porträt festlich einzuweihen. Vielleicht so, wie es sich die Reimann gewünscht hätte? Unter den Klängen von Jazz-Musik? Ganz bestimmt, denn Warnfried Altmann beherrschte trotz der ersten Minusgrade alle Tonlagen, und viele der Gäste waren sich einig: Das wäre ganz in ihrem Sinne gewesen. Wohl auch, weil die eine oder andere Passage aus ihren bekannten Werken "Die Geschwister" oder "Franziska Linkerhand" noch einmal vorgetragen und auf diese Weise Bezüge zum Wandbild hergestellt wurden. Das alles verlieh der Einweihung einen würdigen Anstrich. Auch wenn es letztlich nicht gelungen ist, das Geburtshaus der Reimann an der Nebenfläche des Giebels zu erhalten, ist mit dem Kunstwerk etwas Besonderes entstanden. Und die Art der Gestaltung stehe der Stadt gut zu Gesicht, betonte Dr. Margrit Birken von der Brigitte-Reimann-Gesellschaft. "Es ist etwas Nachhaltiges geschaffen worden."

Das unterstrich auch der Bruder der vor 45 Jahren verstorbenen Schriftstellerin, der aus Oranienbaum angereist und ein gern gesehener Gesprächspartner war. "Es freut mich, dass sich die Stadt so dem Erbe von Brigitte verpflichtet fühlt und mit diesem Wandbild auf sie aufmerksam macht", sagte der 76-Jährige der Volksstimme. "Das ist auch für mich ein besonderer Moment." Ulrich Reimann fotografierte das Motiv von vielen Seiten und hielt oft allein inne. "Wenn ich das Bild genau betrachte, fehlt eigentlich nur das Buch ,Franziska Linkerhand', ihr wichtigstes Werk ..." Aber das, schränkte er schnell ein, solle nicht als Kritik verstanden werden. Und auch die Tatsache, dass das Geburtshaus nicht mehr existiert, sei keineswegs entscheidend. Im Leben der Schrifstellerin spiele es nur eine geringe Bedeutung, sagte Ulrich Reimann.

Open-Air-Fläche geplant

Dennoch strebe die Stadt gemeinsam mit dem Landkreis danach, die Freifläche, die in zwei Grundstücke aufgeteilt ist, künftig als Parkplatz mit Grünfläche gestalten zu können. Die erste Zwangsversteigerung habe zu keinem Ergebnis geführt. "Jetzt hoffen wir auf den nächsten Termin", sagte Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD), der sich gemeinsam mit vielen engagierten Reimann-Freunden vorstellen kann, daraus eine Art Open-Air-Fläche zu gestalten. "Unter den Augen von Brigitte Reimann könnten hier Lesungen oder andere Veranstaltungen stattfinden", meinte die Niegripper Schrifstellerin Dorothea Iser.

Das würde auch Jörg Buchwitz, Eigentümer des nun markanten Gebäudes in Burg, freuen. Auf jeden Fall sei der Giebel schon mal ein einzigartiger Hingucker, dem man sich nicht entziehen könne. "Die Arbeit hat sich gelohnt."