Burg l Es war der 62. Einsatz seit Jahresbeginn und der dritte Einsatz an gleicher Stelle binnen weniger Tage. Am Mittwochabend wurde die Freiwillige Feuerwehr Burg zu einem Brand im Waldgebiet zwischen Burg und Parchau gerufen. Diesmal brannten zehn Quadratmeter ausgetrockneter Waldboden, was schnell in den Griff bekommen wurde.

Schon am Osterwochen- ende waren die Feuerwehrleute mehrmals im Einsatz gewesen. Am Ostersonntag hatten 500 Quadratmeter Wald gebrannt, am Ostermontag brannte ein Lkw-Reifen im Wald. „Gerade in der belastenden Corona-Situation haben die Kameraden mal etwas mehr Zeit für die Familie und dann müssen sie zum Einsatz“, sah Stadtwehrleiter Maik Friedrich am Freitag im Gespräch mit der Volksstimme auch die menschliche Seite. Im Einsatz waren auch Feuerwehrleute aus den Ortswehren, teilweise fast 50 Brandbekämpfer. An den entlegenen Stellen im Wald gibt es keinen direkten Zugang zu Löschwasser, so muss das dann beispielsweise mit einem Pendelverkehr an den Einsatzort geschaffen werden.

Jugendliche an der Einsatzstelle

Auffällig findet Friedrich, dass jedes Mal Jugendliche in der Nähe der Einsatzstelle waren. „Möglicherweise haben sie auch nur den Brand gemeldet, aber kurios ist das schon“, meinte er im Gespräch mit der Volksstimme. Natürlich könne es auch aus anderen Gründen zu Bränden kommen, etwa wenn Funken von der Bahnstrecke sprühen oder es durch den Brennglaseffekt bei weggeworfenen Flaschen zu einer hohen Temperatur kommt. „Das ist hier aber nicht der Fall, und derzeit liegt auch kein Unrat im Wald, es gibt ja so gut wie keine Spaziergänger, weil alle zu Hause bleiben sollen“, erklärte Friedrich.

Schon Anfang des Monats war die Feuerwehr an drei aufeinander folgenden Tagen zu Bränden im Wald gerufen worden. Am 2. April brannten 20 Quadratmeter, am 3. April standen vier Hektar in Flammen. Bei jenem Feuer waren 62 Feuerwehrleute aus den sieben Wehren Burg, Parchau, Ihleburg, Reesen, Niegripp, Schartau und Detershagen insgesamt fünf Stunden im Einsatz. Rund 54 400 Liter Löschwasser wurden benötigt. Am 4. April gab es mehrere kleine Brandstellen. Und bereits am 18. März brannten an der Waldstraße zwölf Quadratmeter. Zusammengenommen wirken die Ereignisse alles andere als zufällig.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei jedenfalls glaubt auch nicht an Selbstentzündung. „Zu den Bränden wurden Anzeigen wegen vorsätzlicher Brandstiftung gefertigt und Brandermittlungen aufgenommen“, erklärte Polizeisprecher Christian Sewina am Freitag gegenüber der Volksstimme. Zur Höhe des entstandenen Schadens konnte er sich noch nicht äußern, teilweise ständen die Schadensmeldungen noch aus. Falls es Zeugen gibt, die Beobachtungen in den Bereichen der Brandorte gemacht haben, werden sie gebeten, sich unter der Telefonnummer 03921/92 00 zu melden.

Mögen die jüngsten Feuer auch auf Brandstiftung zurückzuführen sein, eine erhöhte Waldbrandgefahr besteht bei der trockenen Witterung außerdem. „Wir haben fast die höchste Warnstufe erreicht“, erklärte Friedrich. Da seien bestimmte Verhaltensregeln angesagt, um nicht durch Fahrlässigkeit für den nächsten Brand zu sorgen: keine Zigarettenkippen aus dem Fenster werfen, im Wald nicht rauchen, die Waldwege nicht verlassen, keinen Abfall achtlos in die Gegend werfen und auch kein Feuer anzünden.

Hohe Waldbrandgefahrenstufe

Wie sensibel in dieser trockenen Zeit mit offenem Feuer umgegangen werden muss, zeigt auch der Abschluss des Feuerwehreinsatzes vom vergangenen Mittwoch. Auf dem Rückweg zur Wache vermuteten die Feuerwehrleute nämlich einen Brand in einer Gartensparte. Die Wehr fuhr die vermeintliche Brandstelle an und traf dort auf einen Gartenbesitzer, der eine Feuertonne in Betrieb genommen hatte. Er löschte die Feuertonne eigenständig ab und danach wurde noch einmal die Handhabung von Feuertonnen in dieser brandgefährlichen Zeit besprochen.

Derzeit gilt im Jerichower Land mit der Waldbrandgefahrenstufe 4 die zweithöchste, die „hohe Waldbrandgefahr“ bedeutet. Höher ist sie nur in der Börde nördlich der A 2 und in der Region Wittenberg. Bestimmt wird die Waldbrandgefahrenstufe vom Deutschen Wetterdienst. Der stellt eine Berechnung an, die unter anderem auf den Niederschlägen, der Bodenfeuchte und der Luftfeuchtigkeit basiert. Festgelegt wird sie von den Forstämtern, nachdem die Förster in ihrem Bereich de Niederschläge gemessen haben.