Biederitz l Es ist die Nacht vom 5. zum 6. Oktober. Um 0.49 Uhr werden die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Biederitz alarmiert, zu einem Einsatz gerufen. Als die ersten von ihnen zwei Minuten später am Gerätehaus in der Schulstraße eintreffen, sind ihre Parkplätze von den Gästen einer Feier im Ortsgemeinschaftshaus belegt. Der Bereich des Parkplatzes und die Zuwegung der Feuerwehr sind mit Bierflaschen, Scherben und weiterem Müll übersät. Auf die Bitte der Feuerwehrleute, die Parkplätze für die weiteren eintreffenden Kameraden freizumachen, reagieren die Gäste eines 18. Geburtstages gereizt. Sie parken weder ihre Autos um, noch räumen sie die Zufahrt von ihrem Müll frei. Im Gegenteil: Lautstark pöbelnd behindern sie die Feuerwehrkameraden sogar dabei, ins Gerätehaus zu kommen.

„Nur ganz wenigen Gästen war die Situation unangenehm und sie parkten ihre Autos um“, sagt Florian Sandmann, der in dieser Nacht Einsatzleiter ist. Andere Gäste der Feiergesellschaft erklären den Feuerwehrleuten, dass „hier heute Privatgelände“ sei. Schließlich hätten sie das Ortsgemeinschaftshaus gemietet, sprich dafür bezahlt. Sie wollen die Kameraden des Geländes verweisen. Einige von ihnen legten Bierflaschen vor den Reifen der Privatfahrzeuge der Feuerwehrkameraden.

Nah dran an Prügelei

Florian Sandmann schüttelt bei der Erinnerung an die Ereignisse dieser Nacht den Kopf. „Wir sind froh, dass es zu keinem Handgemenge kam, aber es war nah dran“, sagt er. Die herbeigerufene Polizei ist 20 Minuten später vor Ort. Anzeige erstatten die Feuerwehrkameraden nicht. „Das verläuft doch ohnehin im Sande“, sagt Kay Lütten, stellvertretender Gemeindewehrleiter resigniert.

Glück im Unglück: Der Einsatzort ist nur wenige Meter vom Gerätehaus entfernt. Eine Frau hat sich beim Ausparken die Ölwanne aufgerissen, benötigt aus diesem Grund die Hilfe der Feuerwehr. Weitere Kameraden können deshalb direkt vor dem Gerätehaus parken, da eine Anfahrt mit den Feuerwehrfahrzeugen zum Einsatz nicht notwendig ist.

Schlimme Folgen möglich gewesen

„Das hätte auch anders kommen können“, sagt der Florian Sandmann. „Die Anfahrt zu einem weiter entfernten Einsatz wäre durch die Behinderung der Partygäste enorm verzögert worden.“ Im Falle eines Brandes oder Unfalls hätte dies ernste Konsequenzen nach sich ziehen, schlimmstenfalls Leben kosten können.

Auch Gemeindebürgermeister Kay Gericke ist entsetzt. „Hier sind Rettungskräfte freiwillig unterwegs, um anderen Menschen zu helfen“, sagt er. Ein solches Verhalten könne er in keiner Weise akzeptieren. Die Gemeindeverwaltung will künftig bei der Vermietung des Ortsgemeinschaftshauses noch stärker prüfen, wer genau hier feiern will. „Als Bürger habe ich nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Das eine geht ohne das andere nicht“, sagt Gericke.

Ehrenamt nicht gewürdigt

Kay Lütten beobachtet schon länger eine schwindende Akzeptanz der Arbeit von Rettungskräften in der Gesellschaft. „Wir stehen sieben Tage die Woche 24 Stunden lang und neben unserem Vollzeitjob freiwillig zur Verfügung und müssen uns dafür noch anpöbeln lassen“, sagt der Feuerwehrmann ungläubig.