Burg l Bisher lief der Film in fast 60 Städten, das Leben auf Tour strengt an. Aber die Filmschaffenden haben keine Wahl. „Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie“ dokumentiert Haas‘ Ahnenforschung und darf nur in Anwesenheit der beiden aufgeführt werden: Keine DVDs, keine Fernsehausstrahlung, das hat Peter Haas den Protagonisten versprechen müssen. Denn die Handlung des Films nähert sich den Darstellern hautnah, lässt sie unkommentiert erzählen, denken, weinen. Und sie alle sind Teil von Haas‘ Familie.

Intensive Ahnenforschung

„Die Idee zum Film entstand im Nachklang eines Familientreffens. Meine Cousine hatte uns alle eingeladen, da wurde auch über meinen Großvater Eduard gesprochen, der im KZ Buchenwald ermordet worden war“, erklärt der Filmemacher. Aber nur lückenhaft, zu viele Halbsätzen, zu viele Fragezeichen, „ein schwarzes Loch innerhalb der Familiengeschichte“, fand Peter Haas.

Es lässt ihn nicht mehr los. Und die Ahnenforschung beginnt. Von Paris bis nach Český Těšín in Tschechien verfolgen Haas und Holzinger die schemenhafte Spur des Großvaters.

Bilder

Das 66-minütige Ergebnis lässt den teils sehr gegensätzlichen Aussagen von Haas‘ Verwandten viel Raum, ein Film, wie gemacht für das IKW-Thema „Vielfalt verbindet“. Und ein Film, der bewegt, findet auch Thomas Keilig. „Das hat mich wirklich berührt.“ Für Holger Gosch von der Kreisvolkshochschule, die den Film in Kooperation mit dem Kino-Verein Weitblick organisiert hat, ist er vor allem Mittel gegen das Vergessen. „Für viele Leute ist der Holocaust nicht mehr greifbar.“ Im Angesicht des aktuellen Rechtsrucks der Gesellschaft seien solche Projekte umso wichtiger. Haas und Holzinger selbst arbeiten aus der Perspektive der Betroffenen heraus, „ohne erhobenen Zeigefinger“, wie ein Zuschauer feststellt, „das finde ich gut.“

Trauma verarbeiten

Vielleicht ist es dieses umsichtige Auftreten der Filmemacher, das die Diskussion nach anfänglicher Zurückhaltung ins Rollen bringt. Ob es Anfeindungen gegeben habe, fragt eine Zuschauerin. „Zwei Familienmitglieder haben den Film bis heute nicht gesehen“, erzählt Peter Haas.

Verdrängung, Vergessen, Trauma − Themen die den Zuschauern, die fast alle weit über 60 sind, nah gehen. Nach der Gesprächsrunde erzählt eine Zuschauerin von der Familie ihres Mannes, bei der bis heute zwei Kartons stünden, die nicht geöffnet werden. Peter Haas hat sein „verschlossenes Kästchen“ geöffnet − ein Glück.