Burg l Die Corona-Pandemie hat sich negativ auf das kulturelle Leben ausgewirkt. Das ist auch im Jerichower Land nicht anders. Betroffen davon ist auch das Kloster Jerichow. Alle Standbeine der Stiftung, Museum, Gastronomiebereich, private Veranstaltungen und überregional wirksame Kulturveranstaltungen mussten für Monate ausfallen. In der Hauptsaison konnte die Stiftung daher so gut wie keine Einnahmen erzielen. Mit einer zusätzlichen Ausgabe von 40.000 Euro will der Landkreis der Stiftung unter die Arme greifen. Diese Initiative wurde den Mitgliedern des Kreis-Finanzausschusses vorgestellt.

Land legt Fördermittel auf Eis

„Das Kloster Jerichow ist ein, wenn nicht sogar der Leuchtturm im Jerichower Land“, sagte Beigeordneter Thomas Barz. Es sei ein Highlight, nicht nur weil es dem Landkreis den Namen gegeben habe, sondern vor allem, weil dort sehr viel geschaffen worden sei. Jüngst meldete es sich mit dem Jazzfestival, bei dem unter anderem Startrompeter Till Brönner auftrat, zurück. „Natürlich ist das Festival nicht eine so große Veranstaltung wie Rock am Ring, aber Staatsminister Rainer Robra hat ausdrücklich gelobt, dass wir das möglich gemacht haben“, meinte Barz. Und dennoch läuft der Betrieb erst wieder langsam an, die Stiftung plagen finanzielle Sorgen.

Zwar wurde versucht, die finanziellen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten - so wurde Kurzarbeit eingeführt, Projekte wurden verschoben, Kosten weiter gesenkt und Kulturbeihilfe beantragt. Die Stiftung rechnet allerdings mit einem Defizit für den März kommenden Jahres von rund 26.500 Euro. Das Land als wichtigster Förderer hat inzwischen Fördermittel auf Eis gelegt, da die Kofinanzierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gewährleistet ist.

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Nun gilt es, die durch Corona noch verstärkte Gefahr einer Insolvenz abzuwenden und das kommende Jahr – bei allen gebotenen Sparmaßnahmen und Coronahilfen des Landes Sachsen-Anhalt – wirtschaftlich zu überstehen“, heißt es in der Beschlussvorlage. Der Landkreis hat die Stiftung in den Jahren 2017 mit 37.500 Euro, 2018 mit 45.000 Euro, im vergangenen Jahr mit 30.000 Euro und in diesem Jahr bislang mit 15.000 Euro finanziell unterstützt. „In der jetzigen Situation müssen alle Stifter gemeinsam helfen“, fordert Landrat Steffen Burchhardt in der Vorlage.

Kreistag hat das letzte Wort

Otto Voigt (SPD) war das erste Ausschussmitglied, das die Förderung befürwortete. „Vor einem Jahr waren wir mit dem Kulturausschuss im Kloster, schon damals haben wir uns dazu bekannt, das Kloster zu unterstützen“, sagte er. Peter Senftenberg (CDU) pflichtete ihm bei, auch wegen seiner jüngsten Begegnung mit der Anlage. „Ich war beim Festival, das hat mir sehr gut gefallen, überhaupt ist das Kloster förderungswürdig“, sagte er.

Auch sein Parteifreund Volker Bauer betonte, „voll hinter dem Kloster“ zu stehen. Es sei vor allem auch positiv für die Entwicklung des Tourismus in der Region. Er finde es aber unbefriedigend, dass sich das Land an der Förderung nicht beteiligt. Das Land hat die Fördermittel auf Eis gelegt, da die Stiftung ihren Eigenanteil derzeit nicht beitragen kann. „Es wäre wichtiger das Kloster zu fördern als einen Fußballverband“, sagte Helmut Unger (Die Linke).

Brennerabend und Jerichower Sommermusik

Nach den Worten ließen die Mitglieder des Ausschusses Taten folgen. Sie hoben ihre Hand, um der Beschlussvorlage zuzustimmen. Nachdem die überplanmäßige Ausgabe am morgigen Mittwoch Thema im Kreisausschuss ist, wird der Kreistag am 30. September die endgültige Entscheidung treffen.

Die nächsten Veranstaltungen im Kloster Jerichow finden im kommenden Monat statt. Zwar musste das für den 2. Oktober geplante Konzert der Maxim Kowalew Don Kosaken abgesagt werden, aber am 3. und 24. Oktober gibt es jeweils einen Brennerabend, bei dem Wissenswertes zur Brennergeschichte im Kloster erzählt wird, eine rustikale Brotzeit und Verkostung gehören dazu. Der 10. Oktober startet ab 10 Uhr ganz im Zeichen der Romanik und anlässlich der Eröffnung der Storchenscheune gibt es am 18. Oktober ab 16 Uhr die Jerichower Sommermusik.