Lostau l Die Zeile „Schlaf ist die beste Medizin“ prangt auf einem Flugblatt der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zum heutigen Tag des Schlafes. Umgekehrt könnte man sagen: „Ohne Schlaf wird man krank“. Dr. Maja Hennigs, Oberärztin in der Lungenklinik Lostau, formuliert es drastischer: „Ohne Schlaf stirbt man.“ Sie ist Leiterin des Schlaflabors in der Klinik.

Lange Warten auf Termine

Wenn Chefarzt Dr. Jost Achenbach über das Schlaflabor spricht, macht er zunächst einen Schlenker in die Gesundheitspolitik. Denn auch bei der seit 2002 bestehenden Einrichtung würden Versorgungsprobleme deutlich. „Die Patienten warten monatelang auf einen Platz im Schlaflabor“, sagt er. Ein Viertel- bis zu einem halben Jahr dauere es bis zu einem Termin. Damit liegt Lostau aber noch wesentlich besser als Halle, wo Patienten bis zu 20 Monate warten müssen.

Wenn auch die Diagnose, die hinter Schlafstörungen steckt, nur sehr selten lebensbedrohlich ist, so ist in manchen Fällen doch Eile geboten. „Ein Busfahrer, der unter Sekundenschlaf leidet, ist bis zur Aufklärung arbeitsunfähig, da kann es schon um die Existenz gehen“, nennt Achenbach ein Beispiel. Dafür gebe es eine mancherorts so genannte „Busfahrerliste“, die er lieber „Notfallliste“ nennt.

Überwachung in Bild und Ton

Die Schlafmedizin habe in den vergangenen 20, 30 Jahren eine enorme Entwicklung durchgemacht. Auf diesem Gebiet gehe es um viel mehr als das Schlaflabor. Das sei die letzte Stufe zur Abklärung schlafbezogener Atemstörungen und anderer Beschwerden, neben dem erwähnten Sekundenschlaf auch Tagesmüdigkeit trotz ausreichendem Schlaf oder auch Schlaflosigkeit.

Bei weitem nicht jeder, der ein Problem mit dem Schlaf hat, landet allerdings im Schlaflabor. „Dann würde die Terminvergabe Jahre dauern“, schätzt Achenbach. Immerhin leiden laut DGSM knapp fünf Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Ein- und Durchschlafstörung. Statistisch gesehen ist jeder 17. Deutsche betroffen. Auf den Landkreis Jerichower Land übertragen, bedeutet das rund 5300 Betroffene. Das Einzugsgebiet der Lostauer Klinik reicht noch weiter, im Süden bilden Dessau und Bernburg die Grenze, im Norden reicht das Gebiet bis Wittenberge/Havelberg/Lüchow-Dannenberg, im Westen bis zur Region Helmstedt/Wolfsburg/Braunschweig.

Überwachung auf vielen Kanälen

Wer ernsthafte Probleme mit dem Schlaf hat, wird zunächst einmal bei einem niedergelassenen Lungenfacharzt oder HNO-Arzt eine sogenannte Polygraphie bekommen. „Damit wird der Schlaf zu Hause beim Patienten aufgezeichnet und, so kann schon herausgefiltert werden, wer bei uns weiteruntersucht werden muss“, sagt Achenbach. Wenn der Patient dann nach der Wartezeit einen der sechs in Lostau zur Verfügung stehenden Plätze ergattert hat, legt er sich gegen 20.30 Uhr schlafen. Vorher werden allerdings einige Kabel angeschlossen. Auf insgesamt 16 bis 18 Kanälen wird der Schlafende überwacht. Zu den Parametern gehören Hirnströme, Herzschläge, Atemzüge.

Nicht zuletzt Atemstörungen im Schlaf können ins Labor führen. Wachsam bleiben allerdings nicht nur die Maschinen, der Patient wird auch auf einem Monitor im Überwachungsraum beobachtet – mit Bild und Ton. Etwa um 6 Uhr morgens ist die Nacht schließlich vorbei, dann folgt die Auswertung.

Folgen nicht zu unterschätzen

„Die Folgeerkrankungen durch Schlafstörungen sind nicht zu unterschätzen“, warnt der Chefarzt. Die könnten tatsächlich Lebensjahre kosten. So würde das Aufwachen durch Atemaussetzer während des Schlafes – das Gehirn strahlt dann einen Weckreiz aus – Stress verursachen. Und der könne wiederum zu hohem Blutdruck führen, einem der Hauptrisikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Nach der ersten Untersuchung übernachten die Patienten zumeist noch zwei weitere Male im Schlaflabor. Dann geht es um die therapeutische Einstellung. Eine Lösung kann eine Maske sein, durch die ein Gerät mit leichtem Überdruck Raumluft in Nase und zum Teil auch Mund bläst. Das verhindert, dass die Atemwege zusammenfallen und die Luftzufuhr unterbrochen wird.

Auswertung am Folgetag

Mit diesem recht einfachen Prinzip können die Probleme und damit auch die Risiken der Vergangenheit angehören. Kopfschmerzen, Unkonzentriertheiten, Leistungsstörungen – die Belastungen sind dann passé. Die Untersuchungen finden sonntags bis donnerstags statt, am Folgetag ist jeweils die Auswertung. „Das Wochenende ist ausgeklammert, sonst würden zu viele Protokolle auflaufen“, meint Achenbach.

Insgesamt gibt es jährlich 1500 Untersuchungen im Schlaflabor, sie stehen für 650 bis 700 Patienten, denen geholfen wird. Und wie groß die Bedeutung des Schlafes ist, das betont Dr. Jost Achenbach zum Ende des Gespräches noch einmal.

Kinder lernen im Schlaf

„Auch wenn es den Anschein hat, aber es ist nicht so, dass im Schlaf nichts passiert“, erklärt er. Bei Kindern wird unbewusst Aufgenommenes zu Wissen, auch Erwachsene verarbeiten Erlebtes. Lernen im Schlaf – so einfach geht es für die Großen nicht mehr. Doch wichtig bleibt der Schlaf auch für sie. „Essen, trinken und schlafen sind lebensnotwendig“, fasst Chefarzt Achenbach zusammen.