Protestaktion

Gegen die Perspektivlosigkeit

Die Scheiben der Geschäfte sind mit Zeitungen zugeklebt. Mit dieser Aktion wollen Inhaber auf ihre Lage aufmerksam machen.

Biederitz l „Wenn Ihr weiter nur die Großen rettet, könnte es hier bald so aussehen“, steht auf den Plakaten, die in den mit Zeitung abgeklebten Schaufenstern der Geschäfte hängen. Zu der Aktion, an der sich auch Geschäfte aus Biederitz beteiligen, hatte die Handwerkskammer Magdeburg aufgerufen. Die Aktion soll auf die aktuelle Situation vieler Handwerksbetriebe aufmerksam machen, insbesondere Friseure, Kosmetikstudios und Fußpflegeunternehmen. Die wichtigste Botschaft lautet: „Wir brauchen eine Perspektive.“ Die abgeklebten Fenster sollen symbolisch ein für immer geschlossenes Geschäft darstellen und verdeutlichen, welche Folgen es haben könnte, wenn die Geschäfte weiterhin geschlossen bleiben müssen.

Manuel Ballerstedt ist Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Elbe-Börde, die auch für das Jerichower Land zuständig ist. Sie würden von der Landesregierung fordern, eine Perspektive für die betroffenen Unternehmen zu schaffen, sagt er. „Wann darf wieder gearbeitet werden?“, laute die zentrale Frage. „Keiner weiß, wie es weitergeht. Die Perspektivlosigkeit ist schlimm, die finanziellen Ressourcen sind aufgebraucht“, sagt Ballerstedt. Zwar sei die so genannte Insolvenzantragspflicht bis Ende April ausgesetzt – an eine Verlängerung dieser Frist glaubt der Vorsitzende der Kreishandwerkerschaft aber nicht.

Auch die Art und Weise der Vergabe von finanziellen Hilfen ist Ballerstedt ein Dorn im Auge. Friseure hätten beispielsweise „nichts von den Dezemberhilfen“. „Das ist doch unglaublich. Das können wir nicht nachvollziehen“, kritisiert er.

Anträge für die Dezemberhilfe seien in Sachsen-Anhalt erst sehr spät möglich gewesen, sagt Corinna Heine, Inhaberin des Friseursalons Dynamik in Biederitz. „Da haben viele mächtig zu kämpfen“, weiß sie. Ihr Team und sie würden gern wieder arbeiten. Von sich aus stockt die Friseurmeisterin zurzeit das Kurzarbeitergeld ihrer Mitarbeiter auf. „Die Familien brauchen das“, sagt sie.

Auch Nancy Lingner, Inhaberin des Kosmetiksalons Studio86 in Biederitz, hat sich dem Protest angeschlossen. Sie sagt: „Es sind Hilfen angekündigt, aber es kommt nichts an.“

Erika Elsholz-Sachs, Obermeisterin der Friseurinnung Magdeburg-Jerichower Land, beklagt darüber hinaus die hohen Hürden bei der Beantragung der Hilfen. Ohne Steuerberater gebe es gar keine Hilfen. Hilfe gebe es vorrangig für Unternehmen mit Angestellten. Soloselbständige und Kleinstunternehmer erhielten keine Zuschüsse. Den Friseuren sei das Weihnachtsgeschäft weggebrochen, sie fielen aber bei den Dezemberhilfen raus, so Elsholz-Sachs. Die Obermeisterin verweist auch auf die Investitionen in Desinfektion, die Einhaltung von Abstandsflächen und Plexiglasscheiben, die Unternehmer getätigt hätten.

Dass sie viel Geld in die Hygienekonzepte gesteckt hätten, sagt auch Sandra Stiemert, Inhaberin des Friseursalons DejaVu in Biederitz. Kein Mitarbeiter und kein Kunde habe sich bisher angesteckt, versteht sie die erneute Schließung nicht.

Warum sie bei Einhaltung von Hygienevorschriften nicht öffnen darf, versteht auch Melanie Krannich von FeMix Design, einem kleinen Nähladen in Biederitz, nicht.