Burg/Genthin l „Auf jeden Fall sollten Betroffene wissen, dass sie sich an das kostenfreie Opfer-Telefon, das unter 116006 erreichbar ist, wenden können“, erklärt Rhena Hieke-Rössler, Sprecherin des Weißen Rings Magdeburg, welche Möglichkeiten Frauen haben, die Gewalt erlebt haben und Hilfe suchen. Beim Opfer-Telefon könnte in einer Notsituation eine Beratung erfolgen. Dies sei aber noch nicht alles.

„Am 22. März ist der Tag der Kriminalitäts-Opfer, und in diesem Jahr widmen wir uns den Themen sexuelle Gewalt.“ Dazu zählen drei Aspekte, die die Sprecherin als hoch sensibel einstuft: „Zu dem Thema gehört natürlich Vergewaltigung, aber wir wollten auch Übergriffe in der Partnerschaft beleuchten und auch Übergriffe am Arbeitsplatz gehören dazu.“ Falls Frauen im Jerichower Land unter einer dieser Taten zu leiden haben, zeigt Hieke-Rössler auf, wie sie dann vorgehen können, um sich selbst wieder sicher zu fühlen und mit dem Täter umzugehen.

Begleitung zur Polizei und Erstberatung

„Eine Vergewaltigung ist nahezu immer ein traumatisches Erlebnis. Und es geht bei der Tat eigentlich nie um den Sex an sich, sondern um Macht, die über eine andere Person ausgeübt wird“, so die Sprecherin des Weißen Rings. Oft sind Drohungen, Schläge oder auch Betäubungsmittel involviert. Gerade im letzten Fall ist es schwierig für das Opfer, die Situation einzuschätzen, falls sie sich nicht erinnern können, weil sie bewusstlos waren. „Wenn man sich nicht sicher ist, aber ahnt, dass etwas nicht stimmt, weil es Spuren auf der Kleidung gibt oder diese zerrissen ist, sollten sich Opfer an die Polizei oder an einen Frauenarzt wenden, damit DNA-Spuren des Täters gesichert werden können“, erklärt die Sprecherin. Sie sei sich allerdings bewusst, dass es für die traumatisierten Opfer oft schwer sei, diese Schritte zu tun, da sie sich hilflos und benutzt fühlen. „Die Opfer schämen sich, haben Angst, fühlen sich erniedrigt und ekeln sich manchmal sogar vor sich selbst.“ Auch Symptome wie Schlafstörungen, Probleme beim Essen und das Zurückziehen aus dem sozialen Leben können Folgen sein. „Falls Opfer mit dem Erlebten nicht zurechtkommen, empfehlen wir auf jeden Fall, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

Was kann der Weiße Ring für Frauen nach eine Vergewaltigung konkret im Jerichower Land anbieten? „Wir können eine Begleitung zur Polizei anbieten und auch eine Erstberatung, falls anwaltliche Hilfe oder eine Psychotherapie erwünscht ist“, erläutert die Sprecherin.

Eigenes Zuhause ist gefährlichster Ort

Doch nicht nur von fremden Tätern droht Frauen Gefahr. „Das eigene Zuhause ist für Frauen oft der gefährlichste Ort“, gibt die Sprecherin des Weißen Rings zu bedenken. Täter seien oft die Partner, und hier zeige sich – wie auch schon von Susann Schuster aus dem Burger Frauenhaus angegeben – ein großes Problem: Die Opfer bewahren oft Stillschweigen über die Vorkommnisse. Falls einer Frau so etwas passiert, rät der Weiße Ring ebenfalls, sich Hilfe zu suchen. „Örtliche Frauenhäuser wie das in Burg sind eine gute Anlaufstelle“, bestätigt Hieke-Rössler. Falls dies nicht möglich ist, rät sie, eine Vertrauensperson wie eine Freundin zu Rate zu ziehen. „Wenn man niemanden hat, an den man sich wenden kann, dann steht auf jeden Fall das Opfer-Telefon zur Verfügung. Dort können die betroffenen Frauen anrufen, wenn sie nur über das Geschehene reden wollen oder eben auch, wenn sie konkrete Hilfsangebote wie Kontakt zu Frauenhäusern oder anderen Anlaufstellen brauchen.“

Aber auch wenn zuhause und in der Beziehung alles in Ordnung ist, gibt es immer noch den Arbeitsplatz, wo Übergriffe auf Frauen geschehen. Dort ist dieses Thema häufig problematisch, wenn die Frauen von dem Geld, das sie dort verdienen, abhängig sind. „Wenn der Chef sagt, dass man die Stelle verliert, falls man nicht nett zu ihm ist oder Vorkommnisse zur Sprache bringt, schweigen viele betroffene Frauen“, macht die Sprecherin deutlich, wie hoch die Dunkelziffer solcher Vorkommnisse ist. Doch gefallen lassen müssen sich Frauen so etwas trotzdem nicht. „Neben dem Opfer-Telefon haben wir auch noch die anonyme Online-Beratung auf unserer Website. Dort können die Frauen zunächst ihre Lage schildern und Informationen bekommen, wie sie vorgehen können.“ Die Hilfe sei dann individuell. „Bei manchen Opfern gibt es die Möglichkeit, dass sie sich an einen Betriebsrat oder eine Berufsgenossenschaft wenden können. Wenn das nicht geht, können wir sehen, welche Anwälte man zu einer Beratung hinzuziehen kann.“

Weitere Informationen zur Arbeit des Weißen Ringes gibt es im Internet unter www.weisser-ring.de.