Möser l „Es war ein Zufall, dass ich zum Fossiliensammeln gekommen bin. In einem Urlaub in Bad Staffelstein habe ich in einem Geschäft sehr viele Fossilien gesehen. Kaufen wollte ich diese allerdings nicht, also bin ich selbst auf die Suche gegangen und fündig geworden“, erzählt Susanne Borchert (55) von dem Moment, als die Fossilien in ihr Leben traten.

Mit vielen anderen in den Steinbruch

Ganz so einfach, wie sie es beschrieb, ist das Fossiliensammeln aber nicht. Liegen doch die versteinerten Seeigel, Muscheln und Schnecken nur selten auf der Erde herum und sind deshalb auch nicht unbedingt beim Spazierengehen zu entdecken, anders als Tonscherben und Pfeilspitzen. Für Fossilien geht es am Besten in einen Steinbruch oder auf dessen Abraumhalden

„Das geht natürlich nur mit Genehmigung. In Deutschland gibt es Anbieter, die Fossiliensammler in solche Steinbrüche bringen und auch gleich für die entsprechenden Sammlerlaubnisse sorgen. Als Anfänger ist es grandios, das zu erleben. Das Herausarbeiten der Fossilien aus dem Stein, das Blättern in den Fossilienkatalogen der Anbieter, in denen die zu findenden Fossilien bereits abgebildet und beschrieben sind“, schwärmt Borchert. Bis zu 20 Fossiliensammler schließen sich dann solchen Sammeltouren an und fachsimpeln dann untereinander, verrät Borchert.

Bilder

Auf Sammeltour

Zwei bis drei Mal im Jahr ist sie selbst unterwegs zu solchen Sammeltouren, bringt von diesen immer eine Menge an Material aus den Ton-, Schiefer- und Kaltsteinbrüchen dieser Republik mit.

Wer aber denkt, die Ammoniten, Seeigel und Trilobiten wie die versteinerten Tiere heißen, liegen in großer Anzahl und offen in den Steinbrüchen und Halden, der täuscht sich. „Es braucht schon ein gutes Auge, um zu erkennen, wenn sich in einem Stein ein Fossil befindet. Das heißt es diese aus dem Stein zu hauen“, berichtet die 55-jährige Fossilienjägerin.

Überreste aus Erdperioden

Seit acht Jahren ist sie nun schon auf der Jagd und hat dabei schon so manches Stück gefunden, das selbst für den Laien faszinierend wirkt. Immerhin, bis zu 500 Millionen Jahre können die Überreste aus den Erdperioden des Kambriums, des Devon oder der Kreidezeit sein. Da ist es nur verständlich, dass sich die besten Stücke auch im Haus von Susanne Borchert die exponiertesten Stellen sichern konnten. „Alles auslegen und ausstellen ist einfach nicht möglich, da muss ich schon abwägen“, erklärt sie.

Wenn es ihre Zeit erlaubt, dann sitzt sie aber in ihrem Keller, den Hammer und Meißel in der Hand, um die Fossilien, von denen die Ammoniten, eine Kopffüßerart, ihr die Liebsten sind, aus dem Stein zu hauen.

500 Millionen Jahre Erdgeschichte

Auf diese kleinen Tiere hat sie sich spezialisiert. Wobei klein nicht immer dem entspricht, was andere unter klein verstehen. 290 Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte haben auch bei den Kopffüßern so einige Arten hervorgebracht, die größer sind als eine Handfläche.

„Die Aufarbeitung ist nicht ohne. Da sitze ich manchmal Minuten aber auch Stunden und dann kann es passieren, dass etwas schief geht und das Fossil zerspringt“, berichtet die Sammlerin.

Wetter spielt keine Rolle

„Es ist faszinierend die Tiere so wiederzufinden, wie sie vor 250 Millionen Jahren aussahen“, erklärt Borchert und fügt an: „Es macht Spaß und ich bin immer wieder begeistert, da ist es egal ob 40 Grad Celsius im Schatten, Wind oder Regen, dann muss das sein.“

Ihre Leidenschaft für die Urzeitinsekten und Urzeittiere endet aber nicht in Mansfeld, Hannover oder dem bayerischen Gräfenberg, alles samt Hotspots der Fossilienjäger, für Susanne Borchert und ihren Mann geht die Jagd nach den Urzeittieren auch dann weiter, wenn sie im Urlaub sind.

Selbst im Ausland auf der Suche

„Wir haben selbst in Ägypten gesucht. Wir schauen dann immer vorher, ob es dort etwas zu finden gibt“, verrät sie mit einem Lächeln. „Da heißt es aber Vorsicht und Obacht. Im Ausland gilt: Nichts kaufen, nur selber sammeln und auch dabei ist zu schauen, ob bestimmte Fossilien auch ausgeführt werden dürfen“, fügt sie an.

Ihre Stücke zu verkaufen, darüber hat Borchert bisher noch nie nachgedacht, auch, wenn sie beim letzten Hobby- und Kreativmarkt in Pietzpuhl mit einem eigenen Stand dabei war. Hier verschenkte sie kleinere Exemplare der Ammoniten an Interessierte. Wohl auch deshalb, weil nach ihrer Meinung nicht jeder Zentimeter im Haus mit Fossilien zugestellt werden muss.

Bei den Fossilien hat eben alles seine fachliche Richtung. Nicht nur das Sammeln mit Helm und Warnweste, der geschulte Blick und die Freude über einen Fund gehören dazu, sondern auch handwerkliches Geschick, Geduld und Fachwissen. Für dieses hat sich bei Susanne Borchert mittlerweile eine kleine Bibliothek angesammelt. „Ich mache da bisher aber keine Wissenschaft draus und sortiere auch nicht nach Fundort, Fundtag, Art, Erdperiode und Alter“, meint sie trocken.

Und wenn ihr die Fossilien mal über sind, dann macht sie einfach mit der Gesteinbestimmung weiter. Ein kleines Nebenthema, dem sie sich seit Neuestem widmet. Das geht natürlich nur mit fachlichem Hintergrund, den holt sie sich, wie schon bei den Fossilien, bei Fachtagungen.