Oberarzt Jens Reichel aus dem Krankenhaus Jerichower Land holt drei Medaillen bei Medi-Games

"Ich gucke mir die Medaillen jeden Tag an"

Von Tobias Dachenhausen

Zwischen OP-Saal, Sportplatz und Fitnessraum spielte sich das Leben von Oberarzt Jens Reichel in den letzten Monaten ab. Doch die Entbehrungen haben sich gelohnt. Bei der Weltmeisterschaft (Medi-Games) in Zagreb holte er drei Medaillen.

Burg l Zweimal Gold im Kugelstoßen und im Speerwurf, einmal Silber im Diskus sowie ein vierter Platz im Hochsprung in der Altersklasse 45 bis 55 Jahre - das war die eindrucksvolle Bilanz von Jens Reichel bei den Weltmeisterschaften der medizinischen Berufe vom 1. bis 6. Juli im kroatischen Zagreb. "Mein Ziel war ein Podestplatz. Noch heute liegen die Medaillen vor dem Fernseher und ich gucke sie mir jeden Tag an", sagt der Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Krankenhaus Jerichower Land in Burg stolz.

Es war seine erste Teilnahme an der Weltmeisterschaft und gleichzeitig "der Höhepunkt in meinem Sportlerleben", sagt der 50-Jährige. Die Teilnahme an den Spielen hat er sich selbst zum Geburtstag geschenkt. "Ich habe von diesen Weltmeisterschaften gehört, musste aber danach lange suchen, dann stand aber sofort fest, dass ich daran teilnehmen will", erzählt Reichel.

Die Begeisterung zur Leichtathletik rührt bereits aus Kindstagen. Seit der zweiten Klasse wurde er besonders in den Wurfdisziplinen ausgebildet. "Bis zum 17. Lebensjahr habe ich Leichtathletik im Verein betrieben", sagt der Doppel-Weltmeister. Danach hat er sich für Volleyball entschieden, bis vor drei Jahren die Liebe zur Leichtathletik zurückkehrte. "Ich habe meine Tochter zum Training gebracht und kurz die Kugel gestoßen. Mit der Weite wäre ich damals Landesmeister geworden, da dachte ich, ich könnte wieder anfangen", erzählt er mit einem Schmunzeln.

Doch der Weg zum Erfolg war ein harter. Zwei- bis dreimal die Woche trainiert der 50-Jährige beim PSV in Burg. Ein halbes Jahr vor den Spielen waren es fünfmal pro Woche. "Es war nicht immer Spaß gewesen. Einige Trainingseinheiten musste ich wegen Erschöpfung auch abbrechen", erinnert sich Reichel und fügt an: "Man wird eben doch älter." Dazu kam die Rufbereitschaft als Arzt. "Eigentlich war es schwer kombinierbar, aber beim Sport war das Handy immer dabei, so dass ich jederzeit erreichbar war."

Doch an ein Aufhören denkt der 50-Jährige noch nicht. "Solange die Knochen und Gelenke mitmachen, will ich auch Sport treiben", sagt der Oberarzt. Für die Teilnahme an den Weltmeisterschaften 2014 in Österreich will er noch einige Kollegen überreden. Er selbst will natürlich auch wieder dabei sein. "Unvernünftig, denn eigentlich soll man ja auf dem Karriere-Höhepunkt aufhören", spricht er die drei Medaillen an.