Burg l „Ich würde die Website nicht unbedingt als eine sinnvolle Methode ansehen, um ein Haus zu finden“, resümiert Helmut Lange von der IVG Immobilienverwaltungsgesellschaft aus Burg. Doch was ist Scoperty eigentlich genau?

Das Start-up Unternehmen Scoperty stammt aus München und wirbt damit, dass rund 35 Millionen Immobilien in Deutschland auf der Website aufgelistet wird. Ziel ist, demnächst sogar 40 Millionen Immobilien anzuzeigen. Dieser Umfang wirkt zunächst enorm und vermittelt den Eindruck, dass dort jeder fündig werden würde, der nach einem Haus sucht. Beim Besuch der Seite müssen die Benutzer zunächst eingeben, in welcher Stadt und in welcher Straße sie eine Immobilie suchen. Weitere Suchkriterien wie Wohnfläche, Budget, Anzahl der Zimmer und ähnliches können ebenfalls eingegeben werden. Dann zeigt die Website die Immobilien im gewünschten Gebiet und gibt an, wie viel diese kosten würden.

Wohnfläche, Größe und Lage als Kriterien

Klingt nach einer interessanten Hilfe, wenn jemand eine Immobilie sucht, doch es gibt einige Tücken, die beachtet werden müssen. Denn es ist wichtig zu wissen, dass die Preise, die auf der Website angegeben werden automatisch durch einen Algorithmus bestimmt werden. Dies geschieht auf der Basis von Daten wie unter anderem Grundstücksgröße, Wohnfläche, Lage und öffentlicher Mietspiegel.

Bilder

Angaben wie das Baujahr des Hauses oder inwiefern Renovierungen vorgenommen wurden, fehlen. Dies müssten die Eigentümer des jeweiligen Hauses selbst auf der Seite hinzufügen. Die Angaben zu den Häusern beziehen sich zudem nicht auf die Einschätzung von externen Immobilienexperten, auch Scoperty-Mitarbeiter haben die Gebäude nicht begutachtet. Darüber hinaus wissen Personen, die sich aufgrund der Einschätzungen auf der Website für eine Immobilie interessieren nicht, ob dieses Haus überhaupt bewohnt oder vermietet ist, noch ob es überhaupt zum Verkauf steht.

Leerstand in Gommern

Gommern (dt) l Gommern kämpft schon seit Jahren mit einem zunehmendem Leerstand von Gewerbeflächen in der Innenstadt: Impressionen aus der Kleinstadt.

  • „Furz & Feuerstein“ bekommt man hier schon lange nicht mehr. Foto: Thomas Schäfer

    „Furz & Feuerstein“ bekommt man hier schon lange nicht mehr. Foto: Thomas Schäfer

  • Zu DDR-Zeiten ein typischer Konsum, später dann ein Zoo-Geschäft. Tier und Mensch zogen aus - Leerstand. Foto: Thomas Schäfer

    Zu DDR-Zeiten ein typischer Konsum, später dann ein Zoo-Geschäft. Tier und Mensch zogen...

  • Martin-Schwantes-Straße 21: Links befand sich ein Reisebüro, rechts ein Lottoladen. Beide Betreiber haben aufgegeben. Foto: Thomas Schäfer

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  • Vom Versicherungsbüro zum Nähservice in den Leerstand. Foto: Thomas Schäfer

    Vom Versicherungsbüro zum Nähservice in den Leerstand. Foto: Thomas Schäfer

  • Früher Herrenausstatter, dann Spielhalle, später Reisebüro - jetzt leer. Foto: Thomas Schäfer

    Früher Herrenausstatter, dann Spielhalle, später Reisebüro - jetzt leer. Foto: Tho...

  • Nach der Wende beherbergte eins der ersten sanierten Häuser der Innenstadt das Bilderbistro, danach ein Fotoatelier. Foto: Thomas Schäfer

    Nach der Wende beherbergte eins der ersten sanierten Häuser der Innenstadt das Bilderbistro,...

  • Die Boutique in der Schwantes-Straße 59 gibt es nicht mehr. Foto: Thomas Schäfer

    Die Boutique in der Schwantes-Straße 59 gibt es nicht mehr. Foto: Thomas Schäfer

  • Die Martin-Schwantes-Straße 57 beherbergte einst einen Spielzeugladen, später ein Blumengeschäft. Foto: Thomas Schäfer

    Die Martin-Schwantes-Straße 57 beherbergte einst einen Spielzeugladen, später ein Blume...

  • Aus Obstladen wurde Nachhilfe – Wer Lernförderung benötigt, klingelt hier jedoch seit Längerem vergebens. Foto: Thomas Schäfer

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  • Im Geschäft an der Ecke Salzstraße/Martin-Schwantes-Straße war jahrelang ein Küchenstudio angesiedelt, ehe es ein Fahrradladen wurde. Die Räumlichkeiten warten seit geraumer Zeit auf Wiederbelebung. Foto: Thomas Schäfer

    Im Geschäft an der Ecke Salzstraße/Martin-Schwantes-Straße war jahrelang ein K...

Widerspruch gegen Bewertung

Und ob jeder Hausbesitzer aber damit einverstanden ist, dass sein Eigenheim für jeden zugänglich im Internet bewertet wird, steht auf einem anderen Blatt. Allerdings lässt sich gegenüber den Anbietern auch Widerspruch einlegen, sodass die jeweilige Immobilie dann nicht mehr angezeigt wird.

Michael Kasch, Gründer und Geschäftsführer von Scoperty, ist trotzdem überzeugt von dem Konzept und ist sich sicher, dass es Personen, die eine Immobilie verkaufen oder kaufen wollen, dienlich ist: „Viele Eigentümer von Wohnungen oder Häusern wollen insgeheim verkaufen, haben aber Angst, sich zu schnell festzulegen und sich etwa in vertragliche Abhängigkeit von einem Makler zu begeben. Über Scoperty können sie unverbindlich eine erste Orientierung zum Wert und zur Attraktivität ihrer Immobilie erhalten“, sagte er auf eine frühere Anfrage der Volkstimme.

Daten nicht alle vollständig

Dass die Einschätzungen zum Wert eines Hauses lediglich auf einigen Daten beruhen, die ohne die Angaben der Besitzer unvollständig sind und auch nicht berücksichtigen, in welchem Zustand sich die Häuser befinden, sieht er nicht als Problem. Auch nicht, dass nie ein Mitarbeiter von Scoperty diese begutachtet hat und vor Ort auch keine Ansprechpartner zu finden sind, die Hintergrundinformationen wie Angebot und Nachfrage in den Gebieten kennen und beispielsweise auch Fragen zur Infrastruktur beantworten könnten. Hier müssten potenzielle Käufer und Verkäufer selbst aktiv werden, erklärte Michael Kasch damals: „Wir ermutigen Kaufinteressenten und Eigentümer zudem, den Scoperty-Schätzwert durch weitere Maßnahmen zu erhärten, wie zum Beispiel, die Immobilie selbst zu besichtigen, einen Immobiliengutachter heranzuziehen oder eine Marktwerteinschätzung, zum Beispiel durch einen Immobilienmakler, einzuholen.“

Doch wenn Scoperty selbst keine Häuser zum Verkauf anbietet, wie verdient die Firma dann eigentlich Geld? Die Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Parteien sei hier der Schlüssel: „Wer sich bei Scoperty für den Verkauf einer Immobilie Unterstützung durch einen Makler wünscht, wird an einen von uns vorqualifizierten Immobilienmakler weitergeleitet. Und wer eine Finanzierung für einen Kauf benötigt, den übermitteln wir an unseren Partner, den Baufinanzierer Interhyp. Für diese Leads erhalten wir eine Vergütung“, erläuterte Kasch.

Wenig Begeisterung in Burg

Auch wenn sich der Scoperty-Gründer selbst überzeugt zeigt von dem Konzept seiner Firma, stößt dieses in Burg bisher auf wenig Begeisterung. Wie auch Helmut Lange würde Bärbel Michael, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Burg, auf die Website bei der Beratung von Kunden nicht zurückgreifen: „Wir arbeiten mit dieser Internetseite nicht und führen eigene Marktanalysen durch.“