Parchau/Burg l Einwohner und der Ortschaftsrat von Parchau sehen sich einer großen Geduldsprobe ausgesetzt. Auf der jüngsten Sitzung des Ortsrates machte Dorfchef Lutz Wernecke seinem Ärger Luft. Die Kreisstraße, die durch die Gemeinde führt, ist mittlerweile an vielen Stellen sanierungsbedürftig. Risse in regelmäßigen Abständen, Absenkungen oder ausgefahrene Spurrinnen, die auch zu Aquaplaning führen, sind augenscheinlich „und sorgen vor allem bei Fahrten mit leeren Lkw-Aufliegern dafür, dass in vielen Häusern die Kaffeetassen klirren und es gewaltig rumpelt“. Der Grund für die Schäden liege auf der Hand: Nachdem der Straßenbau im Dorf im Mai 1990 beendet worden war, begann nach den folgenschweren Hochwasserkatastrophen 2003 und 2013 die Sanierung der Deichabschnitte an der Elbe – mit einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen. „Nahezu alle Erdmassen wurden für den Deichabschnitt zwischen Blumenthal und Zerben über die Kreisstraße zwischen Burg und Parchau transportiert. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn die Hochwasserschutzmaßnahmen sind für uns und viele Orte der Region Genthin, die tiefer als Parchau liegen, enorm wichtig. Aber“, schränkt Wernecke ein“, „uns wurde in den Gesprächen immer zugesagt, dass nach den Arbeiten an den Deichen die Straße wieder vernünftig hergestellt wird.“ Doch davon wolle heute niemand mehr etwas wissen. Der Parchauer Ortsrat ist sich deshalb einig: Das Dorf könne nicht dauerhaft die Last zum Wohle anderer tragen. „Es ist aus unserer Sicht unverzüglich notwendig, die Kreisstraße zwischen Burg und Güsen in einen normgerechten Zustand zu versetzen.“ Auch deshalb, weil die Strecke immer häufiger als Umleitung bei Unfällen auf der Autobahn 2 oder Bundesstraße 1 genutzt werde. Auch viele Lkw aus dem Ausland würden aus Unkenntnis andere Routen und damit auch durch Parchau fahren. „Das geht auf Dauer nicht so weiter“, sagt Wernecke.

Einen dringenden Handlungsbedarf sieht der Landkreis als Träger der Kreisstraße zumindest in der Ortslage derzeit nicht, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Stefan Dreßler gegenüber der Volksstimme. Vielmehr sei der Abschnitt von Burg kommend in Richtung Parchau bis zur Brücke über den Elbe-Havel-Kanal sanierungsbedürftig. „In diesem Bereich zeigen sich durch Verdrückungen des Asphaltoberbaus Spurrinnen und feine Risse in der Fahrbahn“, so Dreßler. Mit Hilfe von so genannten Bohrkernuntersuchungen sei bereits eine Grundlagenermittlung vorgenommen worden, „die einen mittelfristigen Sanierungsbedarf bestätigt hat“. „Danach planen wir als Kreisverwaltung, den Streckenabschnitt von Burg bis zur Brücke in den nächsten Jahren zu sanieren“, kündigt Kreis-Pressesprecherin Claudia Hopf-Koßmann an. Dagegen befänden sich nach Einschätzung der Behörde der Abschnitt von der Kanalbrücke bis Parchau und auch die Ortsdurchfahrt in einem deutlich besseren Zustand. Hier müsse aktuell nicht Hand angelegt werden. Und auch die Strecke von Parchau nach Ihleburg sei genau wie der Bereich zwischen Ihleburg und Güsen, der in der vergangenen Jahren mit einer Oberflächenbehandlung aufgewertet worden sei, in einem guten Zustand.

Kreis will Hinweise ernst nehmen

Die Hinweise aus Parchau wolle der Kreis trotzdem ernst nehmen. So würden die Kreisstraßen „fortwährend auf ihren Zustand hin kontrolliert und auftretende Schäden im Rahmen der laufenden Unterhaltung ausgebessert“. Letztlich müsse der Kreis beim Straßenbau auch aus finanziellen Gründen klare und nachvollziehbare Prioritäten setzen, so Dreßler.

Dafür hat Ortsbürgermeister Wernecke auch Verständnis. „Wir wissen, dass Geld und Kapazitäten begrenzt sind. Aber hier kann jeder die Schäden sehen. Und eine schadhafte freie Strecke sorgt naturgemäß für weniger Belästigungen als eine Ortsdurchfahrt.“