Heyrothsberge l Der Parkplatz auf dem Hof des Instituts für Brand- und Katastrophenschutz ist wie leergefegt. Hier parken sonst unzählige Fahrzeuge von Kameraden der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehren aus Sachsen-Anhalt und ganz Deutschland. Sie kommen zu mehrtägigen Lehrgängen wie „ABC-Einsatz“, „Technische Hilfe und Brandbekämpfung nach Bahnunfällen“, „Grundausbildung für Angehörige von Berufsfeuerwehren“ oder auch „Leiter einer Feuerwehr“. Doch seit Mitte März ruht der Lehrgangsbetrieb. Wie in anderen Bereichen auch, wurde der Lehrgangsbetrieb komplett runtergefahren. Seitdem hängt kein Kamerad mehr in den Seilen beim Höhenrettungs-Lehrgang, Saal und Seminarräume sind leer, Übungs-Zug und -Auto auf dem Gelände an der Biederitzer Straße geraten derzeit nicht in Brand.

200 Teilnehmer pro Woche auf Gelände

Zu Zeiten außerhalb der Pandemie sind pro Woche bis zu 200 Lehrgangsteilnehmer aus ganz Deutschland auf dem Gelände des Instituts unterwegs. Jetzt erinnert ein Rundgang schon ein bisschen an eine Geisterstadt.

„Die bisher getroffenen Maßnahmen sind absolut richtig“, sagt Institutsleiter Frank Mehr. Die Feuerwehren seien systemrelevant. Es müsse auch weiterhin unbedingt vermieden werden, dass durch Infektionen und Quarantänemaßnahmen gleich mehrere Feuerwehren lahmgelegt werden – mit schwerwiegenden Folgen für Hilfeleistungen und Brandbekämpfung. „Das wäre das absolute Desaster“, betont Frank Mehr.

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Betrieb wird langsam hochgefahren

„Deshalb fahren wir den Betrieb der Schule vorsichtig und langsam wieder hoch“, erklärt der Institutsleiter. Auf dem Weg in Richtung Normalbetrieb würde mit kleinen Lehrgangszahlen begonnen. So wie an den Schulen anderer Bundesländer auch. Diese Strategie sei mit den Kreisbrandmeistern abgestimmt und fände auch bei den Gemeindewehrleitungen einen hohen Zuspruch, so Mehr.

Auf der Grundlage der 6. Eindämmungsverordnung der Landesregierung hatte das Innenministerium Sachsen-Anhalts angekündigt, die Aus- und Fortbildung für Feuerwehren und Einheiten des Katastrophenschutzes werde am IBK wieder aufgenommen. Wie für die Ausbildung bei den Ortswehren oder auf der Kreisebene auch, gelten aber bestimmte Standards. So muss ein Hygienebeauftragter bestimmt und in Anwesenheitslisten die Kontaktdaten der Teilnehmer erfasst werden. Personen mit erkennbaren Symptomen, die auf eine Erkrankung hinweisen könnten, sind von den Lehrgängen auszuschließen. Es gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Teilnehmern. Der ist auch für die praktische Ausbildung zu gewährleisten und darf nur unterschritten werden, „wenn es zwingend zur Erreichung des Ausbildungszieles erforderlich ist“, hat das Innenministerium festgelegt. Zur Reduzierung der Ansteckungsgefahr sollen zudem Mund-Nasenschutze getragen werden und die Ausbildung in festen Gruppen stattfinden.

Webinare laufen seit Juni

Bereits seit Anfang Juni bietet das IBK theoretische Inhalte in Form von so genannten Webinaren, also online, wieder an. Beispielsweise die Grundausbildung der Berufsfeuerwehren.

Nun laufen die Vorbereitungen auf die ersten Lehrgänge „mit Präsenz“, wie Institutsleiter Frank Mehr erklärt. Dazu haben die Mitarbeiter des Instituts ein Hygienekonzept erarbeitet, dass zur Zeit mit dem Innenministerium abgestimmt wird. Auch institutsintern finden zur Zeit viele Abstimmungsrunden statt. Etwa mit Wachdiensten, Reinigungspersonal, Hausdiensten und Caterer werden die notwendigen Maßnahmen und einzelnen Aufgaben besprochen. Wie erfolgt der Wechsel von Unterrichtsräumen? Welchen Ablauf wird es bei der Essenausgabe geben, die bisher in Buffetform angeboten wurde? Wer desinfiziert wann und wie oft welche Räumlichkeiten? Wer kontrolliert wo die Abstandsregel? Solche Fragen würden derzeit geklärt, sagt Frank Mehr. Viele Dinge seien zu bedenken und durch die einzelnen Fachbereiche vorzubereiten. Auch finanzieller Mehraufwand, der durch die Maßnahmen entsteht, müsse abgeklärt werden.

Übernachtungen vorerst in Einzelzimmern

Für Übernachtungen würden vorerst nur Einzelzimmer belegt, die auch ein Bad haben, erklärt Mehr. Desinfektionsmittel an den Eingängen und anderen Stellen stünden schon bereit, für die mehrfach tägliche Reinigung der Sanitäranlagen sei gesorgt.

„Die Lehrgangsinhalte bleiben dieselben“, kündigt der Institutsleiter an, „aber die Methoden müssen bezüglich der Hygiene- und Abstandsregeln auf den Prüfstand.“ Auch daran würde derzeit durch die Ausbilder gearbeitet. „Beim Gruppenführer-Lehrgang fahren im Rahmen einer praktischen Übung eigentlich mehrere Teilnehmer in einem Fahrzeug“, erläutert Mehr. Nun werde geprüft, wie ein solcher Übungsteil unter Einhaltung der Hygienestandards erfolgen kann.

Mehr hofft auf das Verständnis der Lehrgangsteilnehmer für die notwendigen Maßnahmen. Dadurch würde das eine oder andere gegebenenfalls etwas länger dauern.

Lehrgangsfreie Zeit wurde genutzt

Die lehrgangsfreie Zeit am Institut für Brand- und Katastrophenschutz verstrich nicht ungenutzt. Lehrgangskonzepte seien überarbeitet und neue Lehrgangsarten aufgestellt worden. An den Ausbildungsunterlagen wurde gearbeitet und die Ausbilder hätten auch begonnen, Unterlagen für die Kreisausbildung zu aktualisieren, sagt Frank Mehr.

Außerdem fungierte die Schule in Heyrothsberge zwischenzeitlich als Verteilzentrum für die Feuerwehren im Land. Schutzausrüstung gegen das Coronavirus, wie Handschuhe und Mund-Nasenschutze, wurden in der großen Übungshalle zwischengelagert und sortiert. Das Institut managte die Aufteilung und Auslieferung an die Feuerwehren. Ab Juli nun wird die Halle wieder ihren eigentlichen Zweck erfüllen können. Sie wird Ort der praktischen Ausbildung von Brand- und Katastrophenschützern sein.