Jerichow l „Norddeutschlands ältester Backsteinbau“, so ist es auf einer Tafel vor dem Kloster Jerichow zu lesen. Und das nehmen wohl auch die meisten Autofahrer auf der Bundesstraße 107 zwischen Genthin und Havelberg wahr. Rund 30.000 zahlende Besucher fuhren 2019 aber nicht vorbei, sondern ließen sich von einer der zahlreichen Veranstaltungen im Kloster begeistern. Im kommenden Jahr will die Stiftung eine Steigerung um 5000 erreichen, wie Vorstandsvorsitzender Roland Maiwald im Gespräch mit der Volksstimme sagte.

Der Optimismus der Stiftung im Blick auf das kommende Jahr wird dadurch gestärkt, dass es gelungen ist, Marco Reiß als künstlerischen Leiter für zwei weitere Jahre zu verpflichten. Der mehrfach ausgezeichnete Orchestermusiker leitet unter anderem das Rossini-Quartett, dessen Mitbegründer er ist. Das Orchester ist als „Ehrenbotschafter der Landeshauptstadt Magdeburg“ in den vergangenen Jahren unter anderem auch in China und Jordanien aufgetreten.

Jazz im Kloster Jerichow

Im Kloster ist eine seiner Hauptaufgaben die Organisation der Jerichower Sommermusiken, die unter anderem mit Konzerten des Kammerchors Wernigerode (9. Mai), der Hallenser Madrigalisten (4. Juli) und des Trio Italiana (26. Juli) aufwarten. Auch das Festival unter dem Titel „Jazz im Kloster Jerichow“ steht unter seiner Regie. Namen von Künstlern, die vom 14. bis 16. August auftreten, wollte er beim Gespräch im Kloster noch nicht nennen. Allerdings ist ein ganz großer Name im Spiel. „Wir haben Till Brönner angefragt, aber können noch keine Zusage vermelden“, sagte er. Brönner begeisterte bei der Erstauflage des Jazzfestivals in diesem Jahr sein Publikum in der Klosteranlage.

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Natürlich kann es nicht gelingen, nur Weltstars mit der Strahlkraft eines Till Brönner fürs Veranstaltungsjahr zu engagieren. „Aber wir haben eine ganze Reihe qualitativ hoher Angebote“, sagte Maiwald und wünschte sich, dass noch mehr Zuspruch aus weiter entfernten Regionen kommen möge. Obwohl es manchmal nicht nur die Entfernung, manchmal auch nur die trennende Elbe zu den relativ nahegelegenen Städten Tangermünde und Stendal ist. Reiß ist aber auch ein großer Freund davon, in den Nachbarbundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen für das Kloster Werbung zu machen. Überall solle bekannt sein, dass es diese einmalige Klosteranlage mit ihren großartigen Veranstaltungen gibt.

Kulturangebot statt Autohersteller

Von der Politik forderte Maiwald mehr Engagement. Mercedes und BMW würden sich nicht mehr in der Region ansiedeln, aber es gebe eine Menge Kultur, die es sich zu fördern lohne. „Und dabei achten wir auch darauf, unterschiedliche Besuchergruppen anzusprechen“, sagte Verwaltungsleiter Bernd Witt. So gebe es eben nicht nur klassische Konzerte und Jazzklänge. „Gladiator am Rollator – Oma Frieda unterwegs“ ist das Kabarett im Malzkeller am 1. Februar überschrieben, das Theater der Altmark gibt am 28. Juni ein Gastspiel mit „Shakespeares sämtlichen Werken“ und die Maxim-Kowalew-Don Kosaken treten am 2. Oktober auf. Und auch ganz andere kulturelle Erlebnisse gibt es, so den Pfingstbieranstich mit „Tick2Loud“, das mittelalterliche Klosterfest vom 10. bis 12. Juli mit den Village Boys oder auch das Treffen der Oldtimerfreunde Jerichow am 8. August.

So ist die Stiftung nicht unzufrieden mit der Situation, zumal die gut 30.000 zahlenden Besucher auch schon eine Rekordmarke bedeuten und mehr Zuspruch als ähnliche Einrichtungen in der Umgebung, etwa das Winckelmann-Museum in Stendal oder das Kreismuseum in Genthin.

Kloster als neues Zuhause für Kreismuseum?

Dem Gedanken, dass das Kreismuseum im Kloster eine neue Heimstatt finden könnte, steht die Stiftung ganz offen gegenüber. „Diese Diskussion gibt es ja schon seit mehreren Jahren“, meinte Maiwald. Der Westflügel böte eine fantastische Möglichkeit für das Museum. Er solle ohnehin ausgebaut werden, um ihn vernünftig nutzen zu können. Und Maiwald hat eine logische Begründung, warum das Museum eigentlich nach Jerichow muss. „Der Landkreis heißt Jerichower Land, wo sollte denn ein Kreismuseum sonst seinen Ort haben“, meinte er.

„Manchmal werden Bedenken geäußert, dass Rambazamba und Veranstaltungen wichtiger wären als die Kirche“, warf Schatzmeister Wolfhard Grefrath ein. Doch das werde fein säuberlich auseinandergehalten und gleichermaßen gepflegt. Vorstandskollegin Ursula Bauer nickte dazu.

Storchenscheune

Ein in doppelter Hinsicht großer Tag steht dem Kloster am 18. Oktober bevor. Dann wird die Storchenscheune eröffnet, die die Möglichkeiten, private Feiern wie Hochzeiten oder runde Geburtstage dort auszurichten, erweitern wird. Den kulturellen Rahmen wird eine Zusammenarbeit mit den havelländischen Musikfestspielen bieten.

Während dieses Ereignis noch fast ein Jahr hin ist, steht die nächste Veranstaltung schon am morgigen Sonnabend bevor. Dann wird zum Advent im Kreuzgang eingeladen – mit Führungen, Kultur und Märchenstunden.