Wolf

Kreistag nimmt Raubtier ins Visier

Der Wolfsbestand soll reguliert werden. Zum zweiten Mal hat der Kreistag eine entsprechende Resolution verabschiedet.

Burg l Der Wolf war einmal mehr Diskussionsthema im Kreis-Umweltausschuss. „Wir knüpfen fast nahtlos an die Sitzung vom 8. September 2020 an“, sagte Vorsitzender Wolfgang Bernicke (Die Linke). Im Herbst vergangenen Jahres waren die Emotionen in einer knapp zweistündigen Debatte hochgeschlagen. Zwei konkrete Anträge hatte es zu dem Thema gegeben: Die AfD wollte, dass der Wolfsnotstand ausgerufen wird, die Linke plädierte für einen eigenen Wolfsbeauftragten im Landkreis. Beide hatten das Problem, dass ihr Inhalt Zuständigkeiten des Landkreises überschritt. So einigte man sich darauf, die 2017 verabschiedete Resolution zu überarbeiten und erneut auf das Thema in Magdeburg, bei Landtag und Landesregierung, aufmerksam zu machen. Nun lag den Ausschussmitgliedern der von der Verwaltung erarbeitete Entwurf vor.

„Wir haben schon lange und oft über das Thema gesprochen, der Wolfsmonitor zeigt auch eine zunehmende Entwicklung der Wolfsrisse“, sagte Stefan Dreßler, Vorstand Bau und Umwelt beim Landkreis. Landesweit habe es einen Zuwachs von 86 Prozent gegeben. Das spiegele sich auch so im Landkreis wider. 2019 waren es 56 getötete Tiere im Jerichower Land, im vergangenen Jahr mit 100 fast doppelt so viele. „Es leben vier Rudel im Landkreis, außerdem grenzen wir an Brandenburg, und es hat schon verschiedene Hotspots mit Übergriffen gegeben“, schilderte Dreßler die Verbreitung des Wolfes. Andere Bundesländer seien beim Jagdrecht weiter. So ist auch eine der sechs Forderungen aus der Resolution (siehe Kasten), den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen, damit die Art reguliert werden kann.

Angesichts steigender Wolfszahlen und der damit einhergehenden Probleme sei es wichtig, einen angemessenen Umgang mit dem Wolf zu finden, heißt es in der Resolution. Insbesondere um im ländlichen Raum die Akzeptanz bei den Bürgern, bei den Landwirten und Jägern zu erhalten.

Dies könne nur erreicht werden, wenn der Wolf wieder lernt sich von Menschen und Nutztieren fernzuhalten, wenn die Herdenschutzmaßnahmen für die Landwirte praktikabel sind, für die zusätzlichen Arbeiten finanzielle Entschädigungen geleistet werden und geschädigte Tierhalter einen Vollkostenausgleich erhalten. Zudem müsse anerkannt werden, dass der Wolf aufgrund seines häufigen Vorkommens keines besonderen Schutzes mehr bedürfe und eine Regulierung des Bestandes notwendig sei.

Christoph Kaatz (Bündnis 90/Die Grünen) mochte sich dem Tenor nicht anschließen. „Ich habe dazu meine Gedanken schon einmal unter dem Titel, der Wolf zwischen Mythologie und Herdenschutz aufgeschrieben“, sagte er. Der Wolf sei auch nicht nur negativ zu betrachten, sorge er doch in den ohnehin gebeutelten Wäldern für eine Reduzierung von Verbissschäden. Außerdem plädierte er dafür, immer genau zu untersuchen, ob tatsächlich ein Wolf im Spiel sei. So sei bei dem toten Pferd in Möckern im vergangenen Jahr anfangs auch behauptet worden, es sei von einem Wolf getötet worden. Das sei dann aber nicht mehr haltbar gewesen.

Gegen die Resolution stimmte aber auch der Bündnisgrüne nicht, er enthielt sich. Die übrigen Ausschussmitglieder votierten dafür. Die endgültige Entscheidung trifft der Kreistag am 24. März. Danach soll die Resolution von Landrat Steffen Burchhardt (SPD) und Kreistagsvorsitzendem Volker Bauer (CDU) an Landesregierung und Landtag übergeben werden.