Erntezeit

Landwirt Daniel Ladwig aus Zerben gibt einen Einblick in die Herausforderungen der Weizenernte

Zahlreiche Mähdrescher sind momentan auf den Feldern unterwegs, um die Ernte dieses Jahres einzuholen. Das ist allerdings manchmal nicht ganz einfach, wie Landwirt Daniel Ladwig aus Zerben berichtet, denn das Wetter kann den Landwirten einen Strich durch die Ernte-Rechnung machen.

Von Nicole Grandt
9,30 Meter misst die Breite des Schneidewerks des Mähdreschers.
9,30 Meter misst die Breite des Schneidewerks des Mähdreschers. Foto: Nicole Grandt
Nicht nur das Schneiden des Getreides ist die Aufgabe eines Mähdreschers. In der Maschine steckt ein kompliziertes Innenleben.
Nicht nur das Schneiden des Getreides ist die Aufgabe eines Mähdreschers. In der Maschine steckt ein kompliziertes Innenleben.
Foto: Nicole Grandt
Mähdrescher-Fahrer Günther Schwarz gibt Daniel Ladwig eine Probe des Getreides.
Mähdrescher-Fahrer Günther Schwarz gibt Daniel Ladwig eine Probe des Getreides.
Foto: Nicole Grandt
Am Messgerät wird getestet, ob das Getreide trocken genug ist oder zu viel Feuchtigkeit enthält.
Am Messgerät wird getestet, ob das Getreide trocken genug ist oder zu viel Feuchtigkeit enthält.
Foto: Nicole Grandt
In dem Messgerät kann genau bemessen werden, wie viel Feuchtigkeit das geerntete Getreibe beinhaltet.
In dem Messgerät kann genau bemessen werden, wie viel Feuchtigkeit das geerntete Getreibe beinhaltet.
Foto: Nicole Grandt
Am Rand des Feldes steht schon ein Traktor bereit, um den geernteten Weizen abzutransportieren.
Am Rand des Feldes steht schon ein Traktor bereit, um den geernteten Weizen abzutransportieren.
Foto: Nicole Grandt

Zerben - Landwirt Daniel Ladwig blickt über das Weizenfeld. Am anderen Ende des Feldes wendet gerade der Mähdrescher. Der Claas Lexion 760 fährt wendig um die Kurve. Rund 17 Tonnen wiegt die Maschine, die für die Weizenernte unerlässlich ist. Ob Ladwig und Mähdrescher-Fahrer Günther Schwarz heute überhaupt die Ernte angehen können, war unklar, denn das Wetter spielte in den vergangenen Tagen nicht so recht mit. „Die letzten Jahre war es während der Erntezeit ziemlich trocken, und dieses Jahr gab es in den vergangenen Tagen immer wieder Niederschläge“, berichtet der Geschäftsführer der Agrar GmbH Zerben. Das ist ein Problem für die Landwirte, denn das Getreide trocknet dann schlecht, und es darf maximal eine Feuchtigkeit von 14,5 Prozent aufweisen. „Falls der Wert darüber liegt, müssen wir das Getreide trocknen, und das verursacht Kosten“, erklärt er. Die immer wieder niedergehenden Regenschauer haben deswegen ziemlich an den Nerven des Landwirtes gezerrt. „Diese Zeit ist wirklich nervenaufreibend. Jeden Morgen stellt sich die Frage, ob wir nun aufs Feld fahren können oder nicht, ob wir warten müssen, wie es am Nachmittag aussieht.“

Wetter ist ein schwieriges Thema

Der Weizen, der an diesem Tag geerntet wird, ist Brot- und Backweizen. Dafür muss das Getreide aber Qualitätsparameter erfüllen. „Zu viele Niederschläge in der Erntezeit können die Qualität des Weizens mindern, und dann kann er möglicherweise nur noch als Futterweizen verwendet werden“, erklärt Daniel Ladwig. Das Wetter hat er deswegen derzeit immer genau im Blick. „Meine Verlobte sagt, dass ich immer nur am Jammern sei und nie zufrieden, was das Wetter angeht“, schmunzelt der Landwirt.

Auch wenn er jetzt während der Erntezeit Niederschläge nicht gut gebrauchen kann, hatte er sie einige Wochen zuvor während der Wachstumszeit des Weizens eher herbeigesehnt. „Der Regen kam dieses Jahr wirklich sehr spät. Die Erträge sind deswegen nicht zufriedenstellend“, meint er sorgenvoll.

Mähdrescher so teuer wie ein Haus

Bis ein Feld wie das nahe bei Zerben abgeerntet ist, dauert es nach Schätzung von Daniel Ladwig rund fünf Stunden. „Der Mähdrescher schafft etwa drei bis vier Hektar pro Stunde“, erklärt er. Dabei fährt der Mähdrescher auf einem Kettenfahrwerk, das etwas an einen Panzer erinnert. Diese Ausstattung ist laut Ladwig schonender für den Boden. Doch die beeindruckend große landwirtschaftliche Maschine, die rund 400.000 Euro kostet, schneidet nicht einfach nur das Korn mit dem 9,30 Meter breiten Schneidewerk. „Das Korn wird in den Mähdrescher hineinbefördert, durchläuft dort Trommel, Rotoren und Siebe, ehe es dann im Korntank landet“, beschreibt Ladwig. Dieser Tank befindet sich hinter dem Fahrer, der während der Ernte einiges mehr zu tun hat, als einfach nur zu steuern. „Als Fahrer eines Mähdreschers braucht man viel Erfahrung und muss sich auf die Begebenheiten jedes Feldes neu einstellen, das ist nicht ganz einfach. Aber Günther Schwarz sitzt seit vielen Jahren auf dem Fahrersitz, er kann jede Aufgabe bewältigen.“

Eine Menge Staub aufgewirbelt

Kaum ist das Lob ausgesprochen, meldet sich Günther Schwarz per Handy. Er will einen kurzen Zwischenstopp einlegen, damit Daniel Ladwig die Feuchtigkeit des Korns messen kann. Wenige Augenblicke später fährt der Mähdrescher vor. „Wir haben Glück, dass der Wind gerade günstig steht, sonst würden wir eine Menge Staub abbekommen“, ruft Ladwig durch die Motorengeräusche. Weder von diesen noch von dem Staub lassen sich einige Störche stören, die auf dem frisch gemähten Feld landen und sich nach aufgescheuchten Kleintieren umschauen.

Der Fahrer reicht dem Landwirt einen Messbecher voll mit Korn, den Ladwig am Kofferraum seines Autos mit einem speziellen Messgerät analysiert. Dort können verschiedene Getreidesorten wie Roggen oder Hafer untersucht werden. Nun ist der Weizen dran. Daniel Ladwig führt zwei Messungen durch. Eine ist knapp an der Grenze zum Feuchtigkeitsgrenzwert von 14,5, die andere mit 14,2 genau im gewünschten Rahmen. Daniel Ladwig nickt zufrieden seinem Fahrer zu. Wenige Augenblicke später sitzt der schon wieder auf dem Fahrersitz und stellt sich in den kommenden Stunden den restlichen Hektar des Feldes.