Körbelitz l „Es war fünf Uhr in der Früh, als ich nach meinen Schafen auf dem Gelände der Fotovoltaikanlage bei Körbelitz schauen wollte. Ich hatte gleich so ein mulmiges Gefühl, das sich beim Eintreffen vor Ort bestätigte“, erzählt Schäfer Andreas Karwatt.

In den letzten Wochen hat er hier, trotz Maschendraht- und Elektrozäunen sowie Herdenschutzhunden, neun Mutterschafe durch den Wolf verloren. (Volksstimme berichtete).

Nun kommen fünf weitere Tiere hinzu. Vier von ihnen sind, als die beiden Expertinnen des Wolfskompetenzzentrums Iden (WZI) eintreffen, bereits tot. Eines ist so schwer verletzt, dass es vom Schäfer von seinen Qualen befreit werden muss.

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Der Wolf mag keinen Pansen

Die Merino Landschafe mit immerhin bis zu 60 Kilogramm scheinen, im wahrsten Sinne des Wortes, gefundenes Fressen zu sein.

Immerhin sei der Wolf lernfähig und wisse, wo es gutes Fressen auf leichte Art gibt. „Das ist wie bei uns Menschen, wenn wir wissen, wo es schmeckt, schnell und leicht zu bekommen ist, da gehen wir wieder hin“, sagt Herdenschutzberaterin Simone Dahlmann.

Sie ist extra aus Iden nach Körbelitz gekommen, um Schäfer Andreas Karwatt Hinweise für einen besseren Schutz der Tiere zu geben.

Der Wolf ist im Norden und Osten Sachsen-Anhalts flächendeckend mit resistenten Rudeln vertreten. Eines dieser Rudel ist auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Körbelitz zu Hause. Für den Wolf ist es ein kleiner Spaziergang bis zu den Schafen von Schäfer Andreas Karwatt.

„Bis zu 50 Kilometer legt ein Wolf pro Nacht zurück“, erklärt Wolfsexpertin Julia Kamp, bevor sie mit der Vermessung des ersten toten Tieres beginnt.

Spuren gesichert

Dass alle vier toten Schafe deutliche Kehlbissspuren aufweisen, deutet nicht unbedingt auf einen Wolf hin, versichern die beiden Frauen. Deshalb markieren sie die Einbissspuren am Hals mit Zahnstochern, messen danach die Abstände aus, um zu ermitteln, wie weit die Reißzähne auseinander stehen.

„Anhand des Abstandes lässt sich ein erster Anhaltspunkt auf einen Wolf finden“, erklärt Dahlmann.

Das allein reicht aber nicht aus. Auch die typischen Schleifspuren suchen die beiden jungen Frauen. „Der Wolf reißt nach dem Kehlbiss die Bäuche der Tiere auf und versucht so den Pansen zu öffnen. Den mag er nicht“, beschreibt Dahlmann die Vorgehensweise des Großräubers. Auch diese Schleifspuren lassen sich bei allen Tieren finden.

Als letzte Absicherung wird eine DNA-Probe genommen und ausgewertet. Sie wird auch Aufschluss darüber geben, ob es sich um einen bekannten Wolf handelt.

Jungwölfe suchen Reviere

Momentan, so Dahlmann, würden gerade die Jungtiere in neue Reviere abwandern, deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass hier mehrere junge Wölfe aktiv waren. Für sie ist es deshalb wichtig, dass Besitzer von Nutztieren, die einen Wolfsriss vermuten, sich beim WZI melden. Wegen der Statistik und dem Monitoring der Wölfe. Spuren des Wolfes hingegen interessieren die Expertinnen nur nebensächlich. Für eine genaue Bestimmung, ob Hund oder Wolf, braucht es eine lange Spur. Der Wolf läuft im geschnürten Trab und sehr gerade. Das können nur wenige Hunderassen“, sagt Julia Kamp.

Für Schäfer Andreas Karwatt ist das nebensächlich. Er rechnet ohnehin nicht damit eine Entschädigung für seine 14 bisher vom Wolf getöteten Tiere zu bekommen. „Der Wolf hat mich schon 3500 Euro gekostet. Das kann so nicht stehen bleiben“, sagt Karwatt und fügt an: „Es sollten sich langsam mal die Politiker im Umwelt- und Landwirtschaftsministerium (MULE) bei mir melden und etwas ändern. Der Wolf nimmt einem ja die Existenzgrundlage.“

Referatsleiterin Dr. Franziska Kersten vom Ministerium sagt dazu: „Das Ministerium selbst nimmt keine Vor-Ort-Termine war. Das WIZ ist immer vor Ort und ansprechbar. Herr Karwatt hat die Möglichkeit über das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt (ALFF) einen Antrag auf Entschädigung zu stellen. Diese wird er auch bekommen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Einzig bei der Prävention kann es Einschränkungen geben. Wir sind alle daran interessiert, Herrn Karwatt zu helfen.“