Burg/Genthin l Die GEW macht Ernst: Nach zwei Runden Tarifverhandlungen ohne gewünschtes Ergebnis ruft die Lehrergewerkschaft zum Streik auf. Die Streikwelle erreicht am Mittwoch auch den Landkreis mit seinen 16 Schulen, so Ingo Doßmann. „Aufgerufen sind alle angestellten Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter“, betont der Vorsitzende der GEW Jerichower Land.

Der Leiter der Grundschule „Stadtmitte“ in Genthin rechnet mit 150 bis 200 streikenden Pädagogen und Pädagoginnen. Diese treffen sich dann am Mittwoch zu einer gemeinsamen Kundgebung vor dem Finanzministerium in Magdeburg.

Ganz so schmerzhaft trifft der Warnstreik die Schulen jedoch nicht. „Die verbeamteten Kolleginnen und Kollegen dürfen per Gesetz nicht streiken. Die Aufsichtspflicht in den Schulen ist also gesichert“, erklärt Ingo Doßmann.

Aufsicht in den Schulen ist gewährleistet

Repressionen müssen diejenigen, die streiken, nicht befürchten. „Das Recht auf Streik ist ja im Grundgesetz verankert“, so Doßmann. Nötig sei dafür nur der Aufruf von seiten der Gewerkschaften, dieser durch die GEW gegeben.

Welche Schulen nun im Landkreis an dem Warnstreik teilnehmen werden? „Ich reche mit einer regen Beteiligung der Sekundarschulen Möser und Baumschulenweg Genthin, der Grundschulen Möser, Tucheim, Wörmlitz, Biederitz, und Stadtmitte Genthin“, so der Vorsitzende der GEW Jerichower Land.

Der geplante Streik wird das ganze nördliche Sachsen-Anhalt betreffen. Neben dem Landkreis Jerichower Land wird es auch in Regionen wie der Börde und der Altmark zu Unterrichtsausfällen kommen. Grund dafür sei auch der „respektlose Umgang“ in den beiden ersten Verhandlungsrunden am 6. und 7. Februar. „Null Wertschätzung“, resümiert der Pädagoge.

Lohnungleichheit beseitigen

Auch der nach wie vor eklatante Fachkräftemangel im Land sei darauf zurückzuführen, dass es in anderen Branchen weitaus attraktivere Arbeitsbedingungen gebe. Dazu kommt auch noch die aus Sicht der GEW bestehende Ungerechtigkeit bei den Tariflöhnen für Grundschullehrer und -lehrerinnen in Sachsen-Anhalt.

So klaffe eine Lücke von etwa 400 Euro bei den Gehältern der Grundschullehrer, je nachdem, in welchem Bundesland sie nun angestellt sind. Grundsätzlich liege der Fokus aber nicht nur auf Lohnanpassung. „Der viel gepriesene öffentliche Dienst hat keine Altersteilzeitmodelle für die Beschäftigten zu bieten, flexible Arbeitszeiten werden oftmals nicht angeboten und Teilzeit wird häufig gewählt, weil die Belastung so hoch, nicht weil das Gehalt so fett ist.“ Das Klischee des Lehrers, der vormittags „Recht“ und nachmittags frei habe, gehe an der Realität vorbei.