Burg l Ob die Besucherzahlen noch zu toppen sind, ist ungewiss, aber die 12. Museumsnacht wird bei vielen Akteuren mit einem Gästerekord in die Chroniken eingehen. „Ein Kommen und Gehen. Wir sind mehr als zufrieden“, resümierten der Vorsitzende des Burger Heimatvereins, Christian Köchy, und Kassenwartin Karin Zimmer am späten Freitagabend. Und da hatten es sich immer noch viele Gäste auf dem Hof der historischen Gerberei gemütlich gemacht oder besuchten noch die Ausstellungsräume. Nicht nur die alte Kunst des Gerbens, die Burg einst prägte und wovon viele Familien lebten, auch die Historie der Garnisonsstadt ist mit Überlieferungen und Erinnerungen verbunden. Und: Die Mitglieder des Heimatvereins hatten alle Mühe, die Gäste mit Essen und Trinken zu versorgen.

Bereits Stunden zuvor, als die Dämmerung einsetzte, nutzten viele Interessierte die Gelegenheit, einen abendlichen Blick vom Bismarckturm über die Region zu wagen. Knapp 400 Besucher zählte die Interessengruppe. „Damit hatten wir auch nicht gerechnet. Einfach toll mitzuerleben, wie groß die Resonanz auch bei den Burgern selbst ist“, freute sich Clemens Engel.

Historisches Kellergewölbe

Einen wahren Besucheransturm verzeichnete auch die Clausewitz-Erinnerungsstätte. „Wir haben die knapp 200 Interessierten von 2017 dieses Mal weit übertroffen“, sagte Romeo Stellmacher vom Freundeskreis. Das ehemalige Clausewitz-Wohnhaus in der Burger Schulstraße wartete mit zwei nicht alltäglichen Besichtigungsmöglichkeiten auf – ein original historisches Kellergewölbe und eine nach geschichtlichen Vorgaben gebaute Sechs-Pfünder-Kanone, wie sie zur Zeit der Napoleonischen Befreiungskriege zu Hauf genutzt wurde. Im Gewölbe unter den Ausstellungsräumen der Erinnerungsstätte hatten Rolf Gädke und Roland Leistikow mit Petroleumlampen, Feldbett und Reisekisten ein Offiziersquartier aus der damaligen Zeit eingerichtet. „Maßstab waren die Aufzeichnungen aus Tagebüchern und Kriegsberichten“, erläuterte Leistikow.

Sauber und akkurat

Erstaunlich das Fehlen jedweden Komforts. Die Männer kämpften und marschierten den ganzen Tag, so Leistikow, um dann, bevor sie auf einem schmalen Feldbett zur Ruhe kamen, noch Pläne schmiedeten, Landkarten studierten und ihre Chroniken füllten. „Diszipliniert, jeden Tag und bei jedem Wetter“, sagte der Wahl-Burger Leistikow. Die Besucher beeindruckte es zu sehen, „wie sauber und akkurat im Funzellicht der Öllampen Tagebuch geführt wurde“. Es ist davon auszugehen, dass auch der junge Carl von Clausewitz sich in diesen Kellergewölben auskannte. Auf dem Hof der Gedenkstätte erklärte Andreas Pospieszny in der Gewandung eines Kanoniers der damaligen Zeit, das Sechs-Pfünder-Bataillonsgeschütz. „Es ist kein Originalgeschütz – aber nach Originalplänen gebaut.“

Nicht minder aufschlussreich war wieder ein Abstecher im Burg Theater. Dort erklärte Andreas Pichotka die Technik im Bildwerferraum. Hier wurde dem Besucher sowohl die digitale als auch analoge Filmvorführtechnik präsentiert und erklärt. Später liefen im Kinosaal, wie schon im vergangenen Jahr, alte DEFA-Kinderfilme im 16-mm-Format. Viele ältere Gäste erinnerten sich dabei an ihre ersten Kinder-Kino-Erlebnisse. Fast 80 Jahre alt und doch brandaktuell warfen die Mitglieder des Weitblick-Vereins, der das Kino betreibt, zum Abschluss der Museumsnacht Charlie Chaplins ersten Tonfilm „Der große Diktator“ aus dem Jahre 1940 an die Leinwand.

Feuerschalen in Oberstadt

Romantisch leuchteten derweil die Feuerschalen am Wasserturm und in der Oberkirche, und wer nach den Fußmärschen durch die Straßen Hunger verspürte, fand an beiden Orten Schmalzstullen oder Stockbrot. Um die 500 Besucher tummelten sich im Laufe des Abends am und im Burger Wahrzeichen in der Altstadt. Sie ließen sich die Ausstellungen zur Burger Industriegeschichte erklären und warfen aus der dritten Etage einen Blick auf die Stadt. Pfarrer Peter Gümbel zeigte und erläuterte den Besuchern der Oberkirche die Geschichte und Besonderheiten des Gotteshauses. Am Eingang der Kirche leuchteten in mehreren Feuerschalen Flammen und tauchten mit ihrem unsteten Schein auf das Gelände um Trommler, Kirche und Rathaus in eine geheimnisvolle Atmosphäre.

So manch Besucher steuerte beispielsweise auch das Hugenottenkabinett in der Bruchstraße an und musste wieder umkehren. Auf Grund einer plötzlichen Erkrankung blieb die Ausstellung geschlossen. Dafür lohnte sich ein Besuch der Zinnfigrenfreunde allemal. Hier konnten Gäste staunen, mit wieviel Liebe zum Detail die Figuren hergestellt werden.