Gütter l Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil der Mühle von Gerald Hüttner und seiner Frau Liane. Damit waren sie eigentlich sogar schon immer ein wenig ihrer Zeit voraus. „Wir waren mal auf einer Messe in Hannover, das ist so zehn, 15 Jahre her. Dort haben wir uns nach einem Elektro-Transporter erkundigt, und die Aussteller und Anbieter haben uns nur völlig irritiert angesehen, als würde sie sich fragen, von welchem Stern wir denn kommen“, erinnern sie sich amüsiert. „Wir waren mit unseren Ideen wohl einfach dem Zeitgeist voraus.“

1992 übernahm Gerald Hüttner den Mühlenbetrieb von seinem Schwiegervater Dieter Zänker. Schon kurz nach der Übernahme begannen er und seine Frau dann auch, die Mühle zu modernisieren. Dazu gehört nicht nur die Innenausstattung der Mühle, sondern auch die Beschaffung der Energie. „Ich habe eine Energierechnung bekommen über etliche Tausend Mark, und da war mir schnell klar, so kann es nicht weitergehen“, blickt Hüttner zurück. Die Idee, wie kostengünstig und nachhaltig Energie für die Mühle erzeugt werden kann, kam bei einem Besuch der Oma seiner Frau Liane in Niebüll im Norden Deutschlands an der dänischen Grenze. „Und dort waren Windräder schon überall zu sehen. Dort war diese Form der Energiegewinnung schon etabliert. Und da haben wir uns gesagt: Eigentlich müssten wir auch so ein Ding bauen.“

Unterstützung vom Storchenhof

1994 kümmerte sich das Ehepaar um die Planung, Michael Kaatz vom Storchenhof Loburg unterstützte sie dabei. Dieser machte zu der Zeit ein Praktikum in einem Planungsbüro, das Windräder baute, und konnte deswegen tatkräftig bei der Umsetzung helfen. Nach dem Besuch einer Wind-Messe in Husum fiel die Entscheidung: „Wir bauen das Windrad.“

Nach rund einem Jahr war der Plan in die Tat umgesetzt und das erste Windrad im Jerichower Land nahm im Mai 1995 seinen Betrieb auf. „Das Windrad versorgt uns selbst mit Strom, und den übrigen Teil speisen wir ins Netz ein“, erklärt Gerald Hüttner.

Aber die Windkraftanlage ist nicht der einzige nachhaltige Teil des Betriebes. Auch bei den Fahrzeugen achten die Hüttners sehr auf dieses Thema. Einen Lkw nutzen sie schon seit 22 Jahren. „Ich sehe zu, dass ich die Fahrzeuge nicht alle fünf oder sechs Jahre ersetzen muss. Sie werden bei uns gefahren, bis sie wirklich nicht mehr funktionieren, erst dann werden sie ausgetauscht.“ Ein neueres Fahrzeug ist ein Elektro-Auto, das für Auslieferungen im Landkreis genutzt wird und mit nachhaltigem Strom von der Windkraftanlage geladen wird. „Wir finden einfach, dass ein E-Auto vom Konzept her zu uns passt. Wir wollten einfach kein weiteres Auto mit Verbrennungsmotor“, betont Liane Hüttner.

Regionale Produkte im Hofladen

In dem Hofladen, in dem diverse regionale Produkte vertrieben werden, achtet Liane Hüttner auch darauf, dass möglichst viele Waren in Papiertüten verkauft werden. „Bei der Verpackung versuchen wir, möglichst nachhaltig zu agieren und so wenig Plastik wie möglich zu verwenden“, betont sie.

Wenn die Kunden bei der Mühle Futtermittel kaufen, regen die Hüttners sie dazu an, die Papiertüten aufzuheben und zur Wiederverwendung zurückzubringen. „Wir können ja ohne Probleme in diesen Tüten wieder Futtermittel verkaufen. Ich finde es wichtig, dass man Dinge so lange verwendet, bis sie irgendwann kaputt gehen, man muss sie nicht nach einmaliger Benutzung schon entsorgen“, erläutert Liane Hüttner das Vorgehen im Betrieb. „Wir haben Papiertüten, die ziemlich stabil sind, die kann man bis zu zehn Mal benutzen.“ Dies gilt allerdings für den Futtermittelbereich, für Lebensmittel müssen nach Vorschrift stets neue Verpackungen verwendet werden.

Aber auch im Bereich der Lebensmittel hat Liane Hüttner schon eine Idee: Gern möchte sie die Idee der Unverpackt-Läden in ihrem Hofladen umsetzen. „Ich muss mal sehen, ob die Kunden und ich das hin bekommen. Die Idee steckt derzeit noch in den Kinderschuhen. Aber ich fände es gut, wenn die Kunden ihre Behältnisse für Lebensmittel mitbringen. Das ist schon ein Ziel von mir, dass die Kunden einfach ihre Tupperware mitbringen und die Waren dort direkt hinein gefüllt werden. Dann kann man sogar ganz die Verpackung weglassen.“

Papiersäcke für das Mehl

Auch das Mehl wird in Papiersäcke verpackt. „Zu einigen Bäckereien fahre ich das Mehl auch lose im Silo“, ergänzt Gerald Hüttner. Die Mühle versorgt elf Bäckereien im Umkreis von bis zu 50 Kilometern. „Ich fahre keine weiten Strecken“, erklärt Hüttner. Zum einen, weil dies zu zeitaufwendig wäre und zum anderen, weil möglichst kurze Wege aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit zurückgelegt werden sollen.

Das Korn, das in der Mühle verarbeitet wird, beziehen die Hüttners hauptsächlich aus der Umgebung. Gelegentlich kauft Gerald Hüttner etwas Roggen von der Magdeburger Getreide Gesellschaft hinzu. „Ich finde es wichtig, dass wir unsere Rohstoffe aus der Umgebung beziehen“, erklärt er. „Und damit haben wir kurze Wege vom Landwirt zur Mühle, schonen Ressourcen und können auch die Transportkosten gering halten“, fügt seine Frau hinzu.