Burg l Manchmal fängt die Arbeit bereits vor der eigenen Haustür an. Für Wieland Günther ist es das Verwaltungsgebäude 2 der Alten Kaserne in Burg. Zum Auftakt der Baumschau muss er nur einen Katzensprung zurücklegen, um an eine etwa 60-jährige Pappel ein grünes Kreuz zu sprühen. Für die Mitarbeiter des Bauhofes ist das später ein klares Zeichen, dass an dem Stamm im Spätherbst die Kettensäge angesetzt werden muss.

Vertrocknet

Günther fällt ein klares Urteil: „Der Baum ist vertrocknet und nicht mehr zu retten.“ Die Ursachen für die restlichen kahlen Äste können vielfältig sein. Möglicherweise ist die Hitzeperiode ab Anfang Mai daran schuld. Wie auch immer: Das Todesurteil der Pappel wird genauso dokumentiert wie die Tatsache, dass die zehn Meter daneben stehende Pappel völlig gesund ist und bei guter Pflege und regelmäßigem Beschnitt noch etliche Jahre stehen dürfte ...

Verkehrssicherheit

Wieland Günther hat die ersten Bäume unter die Lupe genommen. Für ihn hat damit die spannendste Zeit im Jahr begonnen: In den kommenden Wochen muss der Blick auf rund 8000 Bäume in Burg und den Ortschaften gerichtet werden – an öffentlichen Wegen, Einrichtungen, Plätzen, Straßen und auf den Friedhöfen. Wieland und Mitarbeiter des Bauhofes müssen den Gesamtzustand beurteilen und klar festlegen, in welcher Form ein möglicher Astschnitt vonstatten gehen muss, „um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten“. Simpel ausgedrückt: „Wir wollen, dass niemandem ein Ast auf den Kopf fällt.“ Denn das könnte eine ganze Kette von Folgen nach sich ziehen – auch rechtlicher Art.

Vor allem bei älteren Bäumen mit ihren starken Ästen müsse besonders genau hingeschaut werden. Sie haben zwar einen hohen ökologischen Wert, mitunter aber auch mal trockene oder halbtrockene Äste, die gefährlich werden können, wie etwa in der Kolonie.

Besondere Aufmerksamkeit

Von dort aus ist es nicht weit bis in den Stadtwald. Der rund 950 Hektar Komplex zählt zwar nicht direkt zur Baumschau, „genießt aber für die Stadt in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit“, sagt Günther. „Nach dem ungewöhnlich trockenen Sommer wollen wir schon schnellstmöglich wissen, wie die Bäume die Hitzeperiode überstanden haben, ob und wo sich Käfer einnisten und wo durchgeforstet werden muss.“

Im Naturschutzgebiet im Osten des Bürgerholzes zeigt sich ein seltenes Bild. Wo sonst die urigen Erlen im meterhohen Wasser stehen, gibt es nur noch trockenen Boden. Und wo sonst Schwärme von Mücken umher summen würden, herrscht eine eigenartige Stille. Daneben ist das Ausmaß der zurückliegenden Wärmeperiode sichtbar: Zwischen gesunden Eichen stehen etliche trockene. „Deren Anzahl hat sich erhöht“, schätzt Günther ein. Auch zahlreiche Douglasien, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, zeichnen ein trauriges Bild.

Keine Chance

Dass außerdem eine große Anzahl von Birken den Sommer nicht überstanden hat, fällt sofort ins Auge. „Die Flachwurzler hatten schlichtweg keine Chance.“ Deshalb müssen auch einige Birken auf dem Friedhof weichen. Viel schlimmer aber: In den Fichten hat sich der Borkenkäfer vermehrt. Und das in größerem Ausmaß. Dort ist deshalb schnellstmöglich eine zweite Baumschau erforderlich.

Mix zahlt sich aus

Typische Neuanpflanzungen in der Altstadt wie die Säulenhainbuche in der Franzosenstraße, Blumenesche im Kreuzgang oder der Spitzahorn sind in einem guten Zustand. „Der Mix, auf den wir in den vergangenen Jahren großen Wert gelegt haben, zahlt sich heute aus“, sagt Günther. Und die Tatsache, dass auch Nadelgehölze das Bild einer Stadt prägen, sei eine Bereicherung. „Diese Baumarten sind widerstandsfähiger gegen Trockenheit, weil sie mit den Nadeln weniger Angriffsflächen bieten als Bäume, die Blätter tragen.“ Ein erstes Urteil: Den Stadtbäumen geht es gut, ein Problem sind die Friedhofsfichten.