Gommern/Burg l Die erste, die neugierig den Kopf durch die Tür steckt, ist eine schwarze Dogge in der Größe eines Schafes. Auf ihren Fersen folgt eine junge Frau, deren Aussehen ihre Wurzeln nur bedingt verraten: ein brauner Schopf, braune Augen, ein Tattoo ragt aus der Bluse. Doch spätestens die Körpergröße und ihr Name, Francesca Donato, verraten die Wurzeln doch: Italien. Und genau dieses Land mitsamt seinem Lebensgefühl will die Deutsch-Italienerin bald ins Jerichower Land bringen.

Im November soll es soweit sein, dann beginnt ein Anfängerkurs in Burg und Gommern. Nicht zum ersten Mal wird die Sprache dort unterrichtet – über zehn Jahre Pause liegen dazwischen. „Ich versuche, meinen Leidenschaften nachzugehen. Italienisch ist eine davon“, sagt Francesca Donato. Während des Sprechens bewegt sie ununterbrochen ihre Hände – ganz nach italienischem Vorbild.

Ein Lebensgefühl

Diese Wurzeln soll auch das Grundkonzept des Kurses sein: Sprache, Lebensgefühl, Sonne. All das will die 33-Jährige den Teilnehmern vermitteln. Bisher unterrichtete sie privat, nun zum ersten Mal professionell. „Für Anfänger ist die Sprache perfekt, weil man den Dreh recht schnell raus hat“, sagt sie. Ihr Lernkonzept: Theorie ist wichtig, Praxis ist wichtiger. Nur durch Sprechen kann man eine Sprache lernen.

Meeresbrise als Erinnerung

Gesprochen hat Francesca Donato von Kindheit an beide Sprachen. „Meine Mutter sprach deutsch mit mir, mein Vater italienisch“, erinnert sie sich und lacht. Die Eltern, gebürtige Italiener, kamen als Gastarbeiter ohne Kenntnis voneinander nach Süddeutschland. Dort lernten sie sich kennen, gründeten eine Familie und bauten ein Haus. „Meine Eltern wollten nicht mehr zurück, sie sind in Deutschland heimisch geworden“, sagt Francesca Donato.

Nahe an der italienischen Grenze gelegen, hat sich die Sonne in Francesca Donatos Gemüt eingebrannt. „Ich erinnere mich an lange Sommermonate in Italien. Zu fünft im Opel Corsa, vollgepackt bis unters Dach“, denkt sie zurück und ihre braunen, großen Augen strahlen dabei. Auch wenn sie heute gen Meer fährt und die Brise ihr ins Gesicht weht, denkt sie an diese hellen Kindertage. Bis heute brauche sie Sonne, um sich wohlzufühlen.

Eine dritte Heimat

Hierzulande zeigte sich der Sommer in diesem Jahr eher von einer kälteren Seite, doch die Deutsch-Italienerin hat sich eingelebt. „Vorurteile hin oder her – ich fühle mich hier echt wohl. Das Jerichower Land könnte sogar meine dritte Heimat werden“, sagt sie. Der Liebe wegen zog sie von Bremen nach Gommern, von West nach Ost, von der Stadt aufs Land.

„Ich hatte am Anfang ein mulmiges Gefühl. Aber hier sind die Leute an mir als Person interessiert“, sagt sie. „Deswegen würde ich auch gern ein Vorurteil streichen: Die Deutschen sind, entgegen dem was man behauptet, sehr offen.“ Den Schritt in die Fremde hat sie nie bereut – denn im Jerichower Land kann sie nicht nur der italienischen, sondern auch der gesanglichen Leidenschaft nachgehen.

Einige Menschen aus dem Kreis könnten ihr bereits begegnet sein – beim Volkfest in Ottersleben, in Leitzkau, Ladeburg und in Magdeburg. Doch auch Hochzeiten und private Events hat sie gesanglich begleitet. Im Repertoire: Italienische, spanische, englische und deutsche Songs, Popmusik, Partyklassiker und vor allem viel Gefühl.

Geduld und Temperament

Mit einigen Bands versuchte sie schon ihr Glück. Zuerst in kleineren Ensembles hinter verschlossenen Türen, folgte mit „7Sins“ der erste öffentliche Auftritt. In der Dance und Lounge-Band „The Voice-X“ sang sie später vor bis zu 5000 Leuten – und ist bis heute begeistert. „Ich liebe Musik und habe mich mit dem Umzug nach Sachsen-Anhalt auch entschieden, sie zum Hauptberuf zu machen“, sagt Francesca Donato. Davor war die Musik ein Hobby, hauptberuflich war sie nach einer Ausbildung im Bankwesen tätig.

Ein mutiger Schritt, der Früchte trägt. Der Kalender für 2018 hat schon einige rote Stellen. Für die empathische Sängerin mit italienischem Temperament ein weiteres Zeichen, das richtige getan zu haben: „Ich bin überrascht, dass es hier so gut funktioniert.“ Für die Wintermonate, in denen weniger Auftritte zu bewältigen sind, wälzt sie nun die Italienisch-Bücher mit Schülern.

Um Klischees kommt man doch nicht herum: Ist denn italienisches Temperament vereinbar mit der Geduld eines Lehrers? Die Antwort: schallendes Gelächter. „Ich habe mir das Geduldige antrainert. Hin und wieder verliere ich sie mal, aber man muss Geduld auch mit Humor nehmen“, sagt Francesca Donato und lächelt verschmitzt. Um verspätete Kurse müssen sich die Teilnehmer nicht fürchten – die italienische Unpünktlichkeit wurde der quirligen 33-Jährigen nicht mit in die Wiege gelegt.

Anfängerkurse Italienisch

Burg: Kursbeginn am 7. November 2017, immer dienstags von 18.30 bis 20 Uhr, Kursende am 15. August 2018

Gommern: Kursbeginn am 8. November 2017 um 18.30 Uhr, immer mittwochs von 18.30 bis 20 Uhr, Kursende am 21. August 2018

Weitere Informationen zu den Kursen gibt es im Internet unter
www.kreisvolkshochschule-jl.de oder unter Tel. 03921/949 43 00.