Burg/Genthin l Licht, Luft und Anregung – da sind sich Baum und Mensch gleich. „Genauso wie der Mensch durch maßvolle Belastung seine Gesundheit erhält, braucht der Baum regelmäßige Rückschnitte, um gesund und ertragreich zu sein“, schildert Rolf Möhrke seine jahrzehntelangen Erfahrungen mit der Obstbaumpflege. In der Schrebergarten-Anlage„Blütenpracht“ an der Grabower Landstraße in Burg hatte der Vorstand des Burger Kreisverbandes der Gartenfreunde zu einer ganz speziellen Unterweisung eingeladen und dazu Fachmann Möhrke gewonnen. Der sprach aus „der Praxis für die Praxis“ über Apfel, Kirsche, Weintraube und Brombeere.

So können problemlos mehrere Sorten Äpfel einen Apfelbaumstamm oder Birnen auf eine so genannte Birnenunterlage „aufgepfropft“ werden. Wichtig sei aber, „dass der Gärtner weiß, ob die Unterlage schwach- oder starkwüchsig ist.“ Denn: Setzt der ungeschulte Hobby-Veredler einen schwachwüchsigen „Reiser“ auf eine schnell wachsende Unterlage, dann kann es in den meisten Fällen passieren, dass sich eine Wulst bildet. Die könne dann eine Angriffsfläche für Baumschädlinge und Pilze bilden, und außerdem sehe sie auch nicht schön aus. Und Ästhetik spielt auch im Garten eine große Rolle.

Baumschnitt als Hauptthema

Möhrkes Hauptthema war aber der Baumschnitt. Was braucht es, um einen Baum lebendig und ertragreich zu halten, ihn zu erziehen?“, wie Möhrke sagt. Eine Säge mit ausziehbarem Griff, ein sehr scharfes Messer und bei größeren Bäumen eine standsichere Leiter. Das Schneiden von Obstbäumen und Wein ist auch für ungeübte Gartenfreunde erlernbar, weiß Lutz Blankenburg, Umwelt- und Ökologiebeauftragter des Kreisverbandes.

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Dazu dienen solch Unterweisungen, damit auch der Laie die richtigen Schnitte setzt. Wie man den Wein richtig schneidet, weiß jetzt Kerstin Schwieger: „Zwei Augen stehen lassen und der Ertrag vergrößert sich im nächsten Jahr.“

Fachgerechtes Schneiden für Bäume

Der Weinstock sehe zwar aus wie gerupft, doch sie vertraut auf die Aussagen des Fachmannes, so die Hobby-Kleingärtnerin. Fachberater Möhrke dazu: Bäume und Sträucher kann man durch fachgerechtes Schneiden in Aussehen, Wuchs und Gesundheit positiv beeinflussen. Werden beispielsweise kranke und abgestorbene Zweige regelmäßig entfernt, haben Schädlinge kaum noch eine Chance.

Doch Schnitte, die nicht fachgerecht ausgeführt werden, bewirken das Gegenteil und ruinieren neben dem Aussehen des Baumes auch sein Abwehrpotential gegen Krankheiten und schädliche Umwelteinflüsse. „Bis heute gilt die Grundregel: Man muss einen Hut durch die Äste werfen können, ohne dass er daran hängen bleibt“, so der Baumschnittexperte Möhrke. Dann bekomme der Baum genug Licht und Luft. Den Baum auch in der Höhe niedrig zu halten, das sei wichtig, „um keine akrobatischen Verrenkungen machen zu müssen“, meint Bernhard Hechel, Präsident des Burger Kreisverbandes schmunzelnd. Wenn stark in die Krone eingegriffen wird, versucht die Wurzel, im Folgejahr verstärkt Zweige zu bilden, so genannte Wassertriebe. „Die dürft ihr nicht alle abschneiden, sonst bilden sich keine Zweige, an denen mal Obst wachsen kann.“

Nur fünf Äpfel pro Zweig

Möhrke nennt auch einen Maßstab für einen ordentlichen Apfelertrag: Fünf Äpfel pro Meter Zweig – mehr nicht! Dann werde der Apfel auch groß. Jeder Apfel brauche mindestens 35 Blätter, um sich optimal zu ernähren. „Also überzählige Äpfel entfernen, wenn sie noch ganz klein sind.“ Laub- und Nadelbäume werden grundsätzlich im Winter geschnitten. Für die meisten Obstbäume gilt der gleiche Zeitraum.

Apfel- und Birnbäume kann man auch im August schneiden. Pfirsichbäume dagegen schneidet man am besten im November oder Dezember sowie im April und Mai.

Apfelbäume mit langer Genusszeit

Möhrke rät auch, Apfelbäume mit einer „langen Genusszeit zu pflanzen“. Das heißt, man kann dann Äpfel vom Baum essen und diese Äpfel auch bis in das nächste Frühjahr hinein lagern.