Burg l Nach 15 gemeinsamen Jahren muss der Mischling von Hildegard W. aus Burg den Weg über die Regenbogenbrücke gehen. Für die Rentnerin ein schmerzlicher Verlust, gehörte der Rüde doch zur Familie und spielte gern mit den Enkeln. Frau W. wohnt in einer Neubauwohnung ohne anliegendes Grundstück. Nach dem Abschiednehmen beim Tierarzt bleiben ihr nur zwei Möglichkeiten: Entweder der geliebte Hund wird in einer Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgt oder sie wendet sich an einen ausgewiesenen Tierbestatter (beispielsweise in Magdeburg), der den Hund einäschern lässt und die Urne beisetzt - allerdings außerhalb von Burg. Denn hier gibt es noch keinen Tierfriedhof.

Erneuter Anlauf

Das allerdings soll sich nach dem Willen der Stadtverwaltung ändern. Sie startet nach sechs Jahren einen erneuten Anlauf, um eine kleine Fläche des 14 Hektar großen Ostfriedhofes als Tierfriedhof auszuweisen. Um die Bestattungen und die Pflege der Fläche soll sich dann ein Pächter kümmern. „Wir gehen nach wie vor davon aus, dass Bedarf und Akzeptanz für Tierbestattungen vorhanden sind“, begründet die zuständige Fachbereichsleiterin Sonnhild Noack den Vorstoß.

Auf jeden Fall befindet sich die dafür vorgesehene Fläche von etwa 300 Quadratmetern in ausreichender Entfernung zu allen anderen Bestattungsarten. Vorgesehen ist die Bestattung von Haustieren bis zu einer Größe eines Hundes – kremiert oder als Kadaver. Also auch ein liebgewordenes Kaninchen oder ein Papagei können so ihre letzte Ruhestätte finden – gegen eine Gebühr. Zudem wird zugesichert, dass die Fläche ordentlich hergerichtet und ein Wasseranschluss installiert wird.

Zusätzliche Einnahmen

Ob sich ein Interessent als Pächter findet, ist noch offen. das so genannte Interessenbekundungsverfahren läuft noch bis 20. Dezember. Auf jeden Fall aber will die Stadt mit dieser neuen Form der Beisetzungen auch zusätzliche Einnahmen für den Haushalt erzielen, sagt Liane Ziemert von der Friedhofsverwaltung. „Und die städtische Fläche ist dafür groß genug.“

Ganz neu ist die Idee eines Tierfriedhofes in der Kreisstadt indessen nicht. Schon 2011 startete die Verwaltung eine Umfrage, ob die Einwohner der Stadt diese Idee unterstützen würden und legte Fragezettel in der Burg-Information, in Zoohandlungen, Hundesalons und bei Tierärzten aus. Das Ergebnis war eindeutig: Es gab 214 Befürworter und sieben Ablehnungen. Die Verwaltung reagierte daraufhin und stellte einen Bauantrag, der auch genehmigt wurde.

Intensiv diskutiert

Im Stadtrat und seinen Ausschüssen stieß das Vorhaben allerdings auf Skepsis und wurde intensiv diskutiert. Etliche Räte hatten große Probleme, ob die Pietät gewahrt bleibt und wegen der Tatsache, dass Tiere und Menschen gleichermaßen auf einer Friedhofsanlage beigesetzt würden. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass in der ländlich geprägten Region die Tiere meistens auf eigenen Grundstücken oder in Gärten bestattet würden.

Weil sich seinerzeit auch kein Interessent für einen Tierfriedhof gefunden hat, wurde das Projekt daraufhin nicht weiter verfolgt.