Gommern l Dass der vierwöchige Teil-Lockdown nicht noch verlängert wird, ist derzeit die größte Hoffnung, die Alexander Kasch hat. Als Inhaber des Sport- und Gesundheitszentrums in Gommern sieht er sich mit extrem schwierigen Zeiten konfrontiert. Am Montag musste er sein Studio das zweite Mal in diesem Jahr schließen. Im Frühjahr konnte insgesamt zehn Wochen lang kein Training angeboten werden. Der Zeitpunkt war damals extrem ungünstig. Gerade als die neuen Geräte aufgestellt worden, musste das Sportzentrum schließen. „Die Kosten laufen aber weiter“, sagte Alexander Kasch und zählte unter anderem das Leasing der Geräte, die Versicherung, die Nebenkosten oder die Miete auf. Zugleich fehlten die Einnahmen über die Kurse oder die Theke.

Deshalb hilft es dem Sportzentrum sehr weiter, wenn die Mitglieder ihre Beiträge weiter bezahlen und für den Monat November, in dem sie nicht trainieren dürfen, das Geld nicht zurückbuchen lassen. Den Monat können sie im Anschluss an ihre Vertragslaufzeit dranhängen. Das sei gesetzlich so geregelt. Wer einen Vertrag über zwölf Monate abschließe, könne auch zwölf Monate trainieren, erklärte Alexander Kasch.

Denkbar ungünstiger Zeitpunkt

Die Schließung im November ist für Kunden und Fitnessstudios ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Gerade in der kälteren Jahreszeit brauche man ein starkes Immunsystem. Da mache sich das fehlende Training schnell bemerkbar, setzte Alexander Kasch hinzu. Und obendrein fehle das Soziale, das Miteinander. Wichtig sei die Kontinuität, nicht zuletzt im Reha-Sport.

Hier hat sich Alexander Kasch jedoch gegen eine Teilöffnung entschieden. Viel zu groß seien die Unwägbarkeiten, die damit verbunden wären. Wie viele Teilnehmer kämen zum Reha-Sport trotz des Lockdowns?

Normalerweise ist der Winter die Jahreszeit, in der Studios am stärksten Kunden dazugewinnen. Fahrradfahren oder Laufen gehen, wie es beim ersten Lockdown im Frühling populär wurde, ist in der kalten Jahreszeit nur noch halb so attraktiv. Viele Leute trainieren dann doch lieber in einem Studio.

Keine Fälle bekannt

„Mir ist kein Fall bekannt, dass sich jemand in einem Studio mit Covid-19 angesteckt hat“, sagte Alexander Kasch. Wer sich nicht gut fühle, der gehe auch nicht zum Sport. Er könne das Schließen der Gaststätten und Studios nicht wirklich nachvollziehen, haben sie doch nach Hygienekonzepten gearbeitet.

Im Sport- und Gesundheitszentrum sei auf die Einhaltung aller Vorschriften genau geachtet worden. Vom regelmäßigen Lüften der Räume über ständiges Desinfizieren der Geräte bis zur Umsetzung der Abstandsregeln. Die Mitglieder seien auch zufrieden gewesen, als die Umkleideräume gesperrt gewesen waren. Dass überhaupt Training wieder möglich war, hatte für die Sportler im Vordergrund gestanden. Vergleichbare Einschränkungen gegenüber der völligen Schließung hätte Alexander Kasch deutlich vorgezogen. Auch ein Training an den Geräten mit Mund-Nasen-Schutz wäre eine Möglichkeit gewesen. „Kurse wären mit einer Maske natürlich nicht möglich.“

Alexander Kasch weiß, dass die Situation, selbst wenn der Lockdown am 1. Dezember vorbei ist, schwierig bleibt. Es werde einige Leute geben, die sich eigentlich im Fitnessstudio anmelden wollten, aber es hinauszögern, weil es ihnen zu ungewiss sein werde, ob sie den nächsten oder übernächsten Monat trainieren können oder ob wieder geschlossen werden muss.

Hilfsmittel nicht leicht zu bekommen

Ob das Sportzentrum die angekündigte finanzielle Hilfe des Staates in Anspruch nehmen kann, steht noch nicht fest. So einfach wie die „Übernahme der 75 Prozent des Monats Novembers“, wie sie in den Medien propagiert worden sei, sei die Sache nämlich nicht.

Alexander Kasch macht keinen Hehl daraus, dass er sein Geld lieber mit seiner tatsächlichen Arbeit verdienen würde. „Man fühlt sich wie ein Verbrecher.“ Er sieht seine Verantwortung gegenüber seinen Angestellten, die auch in Zukunft noch in der Lage sein sollen, ihre Familien zu ernähren. Und er möchte weiterhin stolz darauf sein, was er sich in den zurückliegenden acht Jahren aufgebaut hat.

Sobald es wieder möglich sei, werde das Sport- und Gesundheitszentrum wieder öffnen, sagte Alexander Kasch. Das Hygienekonzept, das dann nötig sei, werde er rechtzeitig erstellen.