Burg l Vorsichtig bringt der Jäger seine Waffe auf dem Hochsitz in Position. Langsam visiert er das Reh im Wald an. Wartet. Und „lässt die Kugel fliegen“, wie nach dem Film Marco König erklärt. Er kennt das Szenario nicht nur von der Leinwand – Marco König ist Burger Jäger, Veterinär und Tierschutzbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt.

Ein Widerspruch?

Ob Jagen und Tierschutz ein Widerspruch ist? Auch das will der Film „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur“ von Alice Agneskirchner beleuchten. Zum „Film mit Gespräch“ hatte das Burg-Theater am Mittwoch Abend geladen. Mit Erfolg: Das Kino war beinah ausverkauft.

Neben Moderator Marco König standen für Fragen nach der Vorführung Pieter Ziems von der Jägerschaft Burg sowie der Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt, Hans-Heinrich Jordan, bereit.

Umsichtiges Vorgehen

Für beide Gäste gehören Tierschutz und Jagd zusammen. „Ich bin Landwirt und pflege meine Tiere auch. Trotzdem haben sie irgendwann das Zeitliche gesegnet“, erklärt Pieter Ziems. Die Jägerschaft Burg achte den Tierschutz und gehe bei jeder Jagd umsichtig vor.

Dazu gehörten auch regelmäßige Schießübungen für die Jäger. „Jeder weiß, was passiert, wenn er die Kugel fliegen lässt und welchen Schaden man anrichten kann“, betonte Ziems.

Kontrolle der Bestände

Außerdem kontrollierten die Jäger auch die Bestände in der Natur. Doch – so wirft der Film auf – gibt es überhaupt noch echte, unberührte Natur? Steht nicht jeder Wald auf die eine oder andere Weise unter dem Einfluss der Zweibeiner? Zumindest dann, wenn es um so manchen Vierbeiner geht. Einen, der nach langen Jahren wieder in Sachsen-Anhalt lebt und so manche hitzige Debatte entfacht: Auch der Wolf wurde im Film thematisiert und schlich sich auch in das anschließende Gespräch.

Hans-Heinrich Jordan vom Landesjagdverband Sachsen-Anhalt bezieht bei dem Thema klar Stellung. „Wir wollen, dass der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen wird.“ Auf keinen Fall dürfe man einfach so auf Wölfe schießen lassen, es brauche hier eine klare Gesetzeslage.

Leichte Beute

Für Marco König ist der Wolf indes nicht „der Böse“. „Die Nutztierherden sind für ihn leichte Beute“, so der Veterinär. Die Präsenz des pelzigen Jägers wirkt nicht nur auf das Verhalten der Menschen ein. „Wir beobachten, dass das Wild sein Verhalten teilweise geändert hat“, erklärte Pieter Ziems von der Burger Jägerschaft, der auch Marco König angehört. Die Tiere seien deutlich nervöser und scheuer.

Neben Wolf und Wild behandelte der Film auch Aspekte wie die Holzwirtschaft und damit verbundene wirtschaftliche Interessen. Denn Tiere wie die Gams ernähren sich auch von Setzlingen. Das kann finanziellen Schaden für Waldbesitzer bedeuten.

Bedrohte Populationen

Umso politisch aufgeladener scheinen die Abschussquoten in den Regionen, in denen die Gams heimisch ist, so der Film. Bei Nichterfüllung drohten Geldbußen. Einige Jäger würden deshalb immer jüngere Tiere schießen. Die Konsequenz? Teilweise bedrohte Populationen von Wildtieren.