Burg/Genthin/Gerwisch l Die Polizei hat mit zahlreichen Personen, Hubschraubern und Hunden nach der 57-jährigen Viola Modde aus Gerwisch gesucht. Bislang erfolglos. Was bleibt, ist die Hoffnung. Hoffnung, die sich in einem anderen Fall bedauerlicherweise nicht erfüllte. Im Januar 2014 wurde Veronika Nitzsche aus Dannigkow als vermisst gemeldet. Als die Kinder knapp zwei Wochen später beim Spielen persönliche Gegenstände fanden, verstärkte die Polizei nochmals die Suchbereitschaft entlang der Ehle zwischen Dannigkow und Gommern. Dabei wurde eine tote Frau geborgen, die als Veronika Nitzsche identifiziert wurde. Dieser und der Fall von Veronika Modde sind „echte Vermisstenfälle“. „Die Personen sind plötzlich verschwunden und waren einfach weg. Solche Fälle konnten wir in den vergangenen Jahren an einer Hand abzählen“, sagt Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch.

Zugenommen haben allerdings die Suchen nach Ausreißern und unbegleitet minderjährigen Flüchtlingen. „Bei den Ausreißern handelt es sich um Jugendliche unter 18 Jahren, die nicht bei ihren Eltern leben und in entsprechenden Einrichtungen untergebracht sind. Die Mitarbeiter dieser Einrichtungen sind verpflichtet ein Verschwinden anzuzeigen“, erklärt Kriebitzsch. Dabei handele es sich oft um Wiederholungstäter, bei denen das Suchverhalten entsprechend angepasst wird. „Sie bekommen sofort den Vermisstenstatus und wir suchen nach ihnen, aber passiert das vier-, fünfmal hintereinander mit der gleichen Person ist die Situation weniger angespannt“, macht Kriebitzsch deutlich. Ähnlich geht es der Polizei bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die in diversen Einrichtungen untergebracht sind. Jene zieht es oft zu Bekannten oder Verwandten in andere Städte. „Sie dürfen natürlich nicht einfach abhauen und gelten bei uns dann als vermisst. Und das ist kein Einzelfall“, betont der Polizeisprecher.

Im Graben gefunden

Auch das Verschwinden von älteren, dementen Menschen nehme aufgrund der Demografie immer weiter zu. Im März 2014 meldete das Burger Krankenhaus eine vermisste 88-jährige Frau, die dringend einer medizinischen Betreuung bedurfte. Eine erste Suche der Polizei blieb erfolglos. In der Nacht zum 1. April wurde sie dann von einem Flächensuchhund in einem Graben an einem Feld aufgespürt und wurde umgehend in das Krankenhaus gebracht. „Das ist damals noch gut ausgegangen. Aber im Winter bei Minusgraden eine Nacht draußen, kann eine Nacht zuviel sein“, macht Kriebitzsch deutlich.

Neben den eigenen Kräften bedient sich das Polizeirevier Jerichower Land bei der Suche bei den Kräften der Bereitschaftspolizei. Dazu gehören auch Hubschrauber oder Tauchgruppe. Je nach Einsatzort werden die regionalen Beamten von der Wasserschutzpolizei, den freiwilligen Feuerwehren oder auch vom Technischen Hilfswerk unterstützt. „Manpower ist bei der Suche nach einer vermissten Person oft das A und O“, sagt Kriebitzsch. Zudem werden zu den eigenen Fährtenhunden oft auch, wie bei der Suche nach Viola Modde, die Flächenspürhunde der DRK-Rettungshundestaffel hinzugezogen. „Diese suchen dann unabhängig von der vermissten Person die Fläche ab“, erklärt der Polizeisprecher.

Dabei gibt es bei einem vermissten Erwachsenen höhere Anforderungen an den Vermisstenstatus als beispielsweise bei einem Kind. „Denn jeder Erwachsene kann seinen Aufenthaltsort frei wählen“, macht Kriebitzsch deutlich. Diese bittere Erkenntnis musste eine Familie aus der Region im Jahr 2009 machen, als ein Mann von einem Tag auf den anderen spurlos verschwand. Der gesamte Polizeiapparat wurde mobilisiert. Entdeckt wurde der Mann später an der polnisch-ukrainischen Grenze. „Er wollte einfach sein familiäres Umfeld verlassen. Weitere Gründe sind uns nicht bekannt“, erinnert sich Kriebitzsch. Seit dem gilt der Mann im Polizeisystem nicht mehr als vermisst.

Niemand wird sich selbst überlassen

Die Suche beginnt immer nach dem gleichen Muster. Kontaktadressen bei der Arbeit, bei Freunden oder Sportverein werden abgeklopft, dann wird die Person in einem polizeiinternen Fahndungssystem aufgenommen und die Öffentlichkeit wird mit eingeschaltet. „Das passiert dann aber nur in Absprache mit der Familie“, betont Kriebitzsch.

In solchen Situationen ist die Zusammenarbeit mit der Familie ohnehin sehr eng. Zudem werden die Angehörigen von Notfallseelsorgern betreut, eine ärztliche Betreuung wird auf Wunsch veranlasst. „Da haben wir ein gewisse Bandbreite, die wir nutzen können. Niemand wird sich in so einer Situation selbst überlassen“, so der Polizeisprecher.

Solange es Hinweise zum Verschwinden der Person gibt, wird weiterhin aktiv gesucht. Hören die auf, beendet die Polizei irgendwann auch die aktive Suche. Die Person verbleibt in der Vermisstenkartei und sobald neue Hinweise auftauchen, wird der Fall wieder angefasst.

Dieser Status ist wohl derzeit auch bei Viola Modde aus Gerwisch erreicht. „Wir haben keinen neuen Hinweis bekommen. Alle anderen wurden von uns abgeprüft“, erzählt Kriebitzsch. Die Polizei steht aber weiterhin in Kontakt mit den beiden Söhnen der 57-Jährigen. „Eine neue Spur fehlt allerdings“, so der Polizeisprecher.