Lostau l Es war ein Dauerthema in Lostau. Beinahe täglich roch es süßlich, ölig. Die Einwohner waren genervt, vermuteten gar giftige Stoffe in der Luft, wollten bereits eine Bürgerinitiative gründen. Dann plötzlich waren die Geruchsemissionen weg. Die Suche nach dem Verursacher damit noch schwieriger als vorher.

Jetzt kam durch einen Mitarbeiter des Bioölwerkes heraus: „Die Produktion steht still.“ Und der Mitarbeiter, der nicht genannt werden will, erklärt auch warum: „Die Rapsernte muss erst abgeschlossen sein, zudem wurde an den Filtern gebaut.“Aussagen, denen nachgegangen werden muss, wenn es nach der Meinung der betroffenen Bürger geht. Der Betreiber des Bioölwerkes, die Firma Glencore, reagierte nicht auf eine Anfrage der Volksstimme

Reduzierte Leistung

Das Landesverwaltungsamt in Halle jedoch bestätigte über Gabriele Städter zumindest: „Die Produktionsanlagen waren nicht vollständig außer Betrieb. Ab Mitte März wurden Anlagenteile teilweise mit reduzierter Leistung betrieben oder kurzzeitig heruntergefahren.“ In dieser Zeit seien vorhandene Abgasreinigungsanlagen optimiert und die Erhöhung der Abgaskamine auf der Basis einer im Jahr 2016 erteilten immissionsschutzrechtlichen Genehmigung vorbereitet worden. Das Werk III (Rapsölgewinnung) wird seit dem 17. Mai 2018 wieder mit Volllast betrieben. Die Arbeiten zur Erhöhung der Abgaskamine würden derzeit abgeschlossen, hieß es weiter.

Dies dürfte mittlerweile geschehen sein. Ob es etwas nützt, werden die Lostauer Einwohner bald feststellen, nämlich dann, wenn sie die Nasen wieder rümpfe müssen. Ein Verursacher wird dann wohl noch immer nicht ermittelt sein. Das Bioölwerk jedenfalls ist für das Landesverwaltungsamt noch nicht vom Tisch. Dies bestätigt auch Städter: „Bei der gemeinsamen Beratung mit Vertretern der Landeshauptstadt Magdeburg wurden die Unternehmen ermittelt, deren Anlagen als potenzielle Verursacher von Gerüchen infrage kommen und deshalb verstärkt zu überwachen sind. Das beinhaltet auch die Überprüfung der jeweiligen Anlagentechnik, insbesondere die zur Abgasreinigung.“ Dazu werde das Landesamt für Umweltschutz (LAU) als technische Fachbehörde einbezogen.

„Beim Bioölwerk der Firma Glencore wird auch die dort zur Abgasreinigung eingesetzte Niedertemperatur-Plasma-Technik durch das LAU begutachtet“, ergänzt Städter.

Keine Geruchsbeschwerden mehr

Der Landkreis Jerichower Land gab über Sprecherin Claudia Hopf-Kossmann bekannt: „Es gibt zu den Geruchsimmissionen im Bereich Lostau bei der Immissionsschutzbehörde des Landkreises Jerichower Land keinen neuen Sachstand – Geruchsbeschwerden sind nicht mehr eingegangen.“

Die Lostauer Einwohner, allen voran Evelyne Beims und Nancy Wienke, sehen die derzeitige Situation noch nicht entspannt. „Wenn die Optimierung der Abgasanlagen zu etwas führt, dann wäre das super. Dann haben wir erreicht, was wir erreichen wollen. Ich bleibe aber erst einmal verhalten optimistisch, denn der Gestank kam meist Ende Juli mit und nach der Rapsernte und dann bis in die Wintermonate hinein. Zudem haben wir zurzeit häufigen Ostwind. Das Werk steht aber im Westen. Wir warten ab“, erklärt Evelyne Beims.

Nancy Wienke pflichtete ihr bei und fügt an: „Unser öffentlicher Protest scheint hoffentlich Wirkung gehabt zu haben.“