Verkehrschaos

Raserei und Staus belasten Anwohner

Staus und Raserei auf der Grabower Landstraße in Burg. Einwohner fordern mehr Tempokontrollen und den Bau der Ortsumgehung vor 2030.

Von Mario Kraus

Burg l Bei vielen Anwohnern der Grabower Landstraße liegen die Nerven blank. Zunehmender Berufs- und Lkw-Verkehr, Staus wegen Baustellen oder Unfälle auf der Autobahn 2 sorgen für Lärm, Abgase, klirrende Kaffeetassen „und deutlich weniger Lebensqualität“, sagt Claudia Theele. Die Burgerin hat noch Zeiten erlebt, in denen auf der Straße gespielt werden konnte. „Heute zwängt sich der ganze Verkehr Richtung Osten hier durch.“ Mit mahnenden Worten hat sie bereits im Kreistag und Stadtrat auf die „prekäre Situation“ aufmerksam gemacht.

„Es muss endlich etwas passieren, weil es immer schlimmer wird.“ Die Tatsache, dass sich wöchentlich Tausende von Fahrzeugen über Stunden durch den Abschnitt zwängen, wenn die Autobahn wieder mal dicht ist, sei das eine Problem; genauso unzumutbar sei die Raserei auf dem geraden Teil der Grabower Landstraße. „Zumindest hier kann die Stadt doch handeln“, fordert Theele. Und auch die Bundeswehrangehörigen der Clausewitz-Kaserne müssten nicht zwingend die Ein- und Ausfahrt von der Landstraße aus nutzen, sondern die Thomas-Müntzer-Straße.

Fest steht indessen: Die Einwohner müssen sich, was die Ortsumgehung betrifft, in Geduld üben. Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD): „Ich kann den Ärger verstehen, wenn sich die Autos über Kilometer aneinander reihen, aber unsere Handlungsspielräume sind begrenzt.“ Die geplante Ortsumgehung von Burg (B1n) ist Teil des Bundesverkehrswegeplans 2030, der in Berlin konzipiert wurde. „Einen frühzeitigeren Bau können wir nicht beeinflussen, weil es konkrete und rechtlich-verbindliche Planungsschritte dafür gibt.“

Die sind in der Tat langwierig, bestätigt Stefan Hörold, Funktionalbereichsleiter in der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt. Er geht gegenüber der Volksstimme von einem rund zehnjährigen Zeitfenster aus. So soll mit der Planung für die Trasse in diesem Jahr begonnen werden. Dafür erfolgt eine europaweite Ausschreibung. Beauftragt werden diese Leistungen laut Hörold dann etwa Mitte kommenden Jahres. Dem schließt sich eine rund zwei- bis dreijährige Vorplanung an, bei der die Linie der geplanten Umgehung bestimmt wird. Nach Abstimmungen mit den sogenannten Trägern öffentlicher Belange wird „die konfliktärmste Trasse dann als Vorzugsvariante weiter geplant“. Die daraus resultierende Entwurfsplanung, die der Bundesverkehrsministerium bestätigen muss, wird noch einmal drei bis vier Jahre dauern, ebenso die dann folgende Genehmigungsplanung. Dies sei ein Grobzeitplan, unterstreicht der Experte.

Auch die Stadt sieht keinen Spielraum, an diesem Verfahren etwas zu ändern.

Zumindest aber könne der Raserei entgegengewirkt werden. Auf dem Abschnitt soll nun der mobile Blitzer verstärkt eingesetzt werden, so Vize-Bürgermeister Jens Vogler. Und das auch zu Stoßzeiten morgens und zur Feierabendzeit. Das hätte dann wenigstens eine erzieherische Wirkung.

Wie dringend eine Orts- umgehung notwendig ist, machte auch Eckhard Burmester (CDU/FDP-Fraktion) auf dem jüngsten Stadtrat deutlich. Er wohnt und arbeitet direkt an der Bundesstraße 1 in Burg-Süd – einem Verkehrsnadelöhr. „Auch wir müssen mit der Situation schon seit Jahrzehnten leben. Es ist teilweise unerträglich.“

Die geplante Ortsumgehung – von der B 1 über die B 246a bis hinter Reesen wieder zur B 1 – ist nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr 9,7 Kilometer lang und soll 31 Millionen Euro kosten. Der Stadtrat hatte allerdings vor Jahren nach kontroverser Diskussion gegen den Bau votiert. Unter anderem deshalb, um die Existenz von Gewerbetreibenden und anderen Firmen an der jetzigen Umleitung (Ring) nicht zu gefährden. Der Bund hatte den Beschluss jedoch ignoriert und die Umleitung trotzdem in den Verkehrswegeplan aufgenommen.

Inzwischen befürwortet auch der Stadtrat mehrheitlich diese Route.