Verein hofft auf Landesmittel

Rettung für Loburger Wahrzeichen in Sicht

Von Stephen Zechendorf

Loburg. Mit dem Dienstwagen reiste am vergangenen Mittwoch Kultur-Staatssekretär Gunnar Schellenberger (CDU) nach Loburg - die Bahnverbindung zwischen Landeshauptstadt und Loburg wurde schließlich schon vor Jahren gekappt. Auf dem Vereinsgelände der Loburger Dampfzugbetriebsgemeinschaft (DGB) ließ sich Schellenberger im Beisein des Landtagsabgeordneten Markus Kurze (CDU) berichten, was die Vereinsleute alles vorhaben. Und das ist eine Menge: Der marode Wasserturm soll saniert werden, um künftig alte Dampfloks mit Wasser versorgen zu können.

Der Wasserturm ist Bestandteil der Königlich Preußischen Bahnstation Loburg, welche in ihrer Gesamtheit ein Kulturdenkmal darstellt. Die Bahnhofsanlagen sind im Denkmalverzeichnis der Bau- und Kunstdenkmale des Landes Sachsen-Anhalt eingetragen. Das Objekt gehörte bis vor zwei Jahren der Deutschen Bahn. Doch lange Zeit interessierte sich die Deutsche Bahn nicht für den Zustand. Das Dach ist längst eingestürzt. Erst nachdem der Landkreis Jerichower Land die Deutsche Bahn auf ihre Eigentümerpflichten in Bezug auf den baulichen Zustand des Gebäudes hinwies, kam Bewegung in die Sache. Der Turm wurde zum Verkauf ausgeschrieben.

Dach komplett erneuern, Klinkermauer restaurieren

Nachdem die DBG den historischen Wasserturm auf dem Loburger Bahngelände im Jahr 2019 von der Deutschen Bahn übernommen hatte, ist nun eine Restaurierung des Bauwerks geplant. Gut 78.000 Euro veranschlagt der Verein für den ersten Bauabschnitt, in welchem zunächst das Dach komplett erneuert werden soll. Auch das äußere Klinkermauerwerk und die gusseisernen Fenster müssen restauriert werden. Die Restaurierung des Turmunterbaus und des innenliegenden Wasserbehälters mit den Armaturen und Leitungen zum Brunnen und Wasserkran sollen in einem zweiten Bauabschnitt erfolgen. Laut Kurt Meyer, dem Vorstand der Dampfzugbetriebsgemeinschaft, liegen die Kosten für den zweiten Bauabschnitt bei etwa 50.000 Euro.

Die Finanzierung des ersten Bauabschnittes beinhaltet eine bereits zugesagte Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt in Höhe von 35.000 Euro. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat bereits 20.000 Euro zugesagt. Noch offen ist ein Antrag bei Lotto Sachsen-Anhalt. Hiervon versprechen sich die Loburger Bahnfreunde eine zusätzliche Förderung in Höhe von 20.000 Euro. Markus Kurze und Gunnar Schellenberger sehen die Chancen auf einen positiven Förderbescheid durchaus gegeben, hieß es am Mittwoch vor Ort. Schellenberger lobte die Arbeit der Vereinsleute in Loburg: „Hier wird viel Arbeit geleistet.“ Es sei nur „folgerichtig“, dass auf den ersten Bauabschnitt auch der zweite in Angriff genommen werden müsste.

Drehscheibe für Lokomotiven

Die Restaurierung des Wasserturmes ist nicht das einzige Vorhaben der Dampfzugbetriebsgemeinschaft. Im Lokschuppen wartet eine Dampflokomotive auf ihre Wiederinbetriebnahme. Bei der Lok mit der Nummer 24 083 handelt es sich um eine von nur noch vier erhaltenen Exemplaren. Nach ihrer Restaurierung wäre die Loburger Lok die einzige betriebsfähig erhaltene Dampflok der Baureihe 24. Der Aufwand, die Lok durch die Hauptuntersuchung zu bekommen, schlägt mit knapp 422.000 Euro zu Buche. Im vergangenen Jahr wurden bei der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) Fördergelder aus dem „HU-Förderprogramm zur Erhaltung historischer Eisenbahnfahrzeuge“ beantragt. Kulturstaatssekretär Schellenberger zeigte sich auch von dem Konzept der Lok-Restaurierung überzeugt.

Gleich vor dem Lokschuppen wartet ein weiteres Projekt: Eine in den 1970er Jahren ausgebaute Lok-Drehscheibe soll wieder eingebaut werden. Doch bis sich hier wieder Lokomotiven drehen können, dreht sich auch die Erde noch einige Male um die Sonne.