Burg l Zwei Anläufe hat er gebraucht, jetzt tut er es doch: Bernd Girke (66), Leiter des Bereichs Ordnung, Bau und Umwelt des Landkreises Jerichower Land, geht in den Ruhestand. Am Mittwoch gab er seinen Ausstand, nachdem er seinen Abschied zweimal wegen Unabkömmlichkeit verschoben hatte. Die Feier fand im feuerwehrtechnischen Zentrum in Burg statt. Passend, denn Girke engagiert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich in der Feuerwehr, bekam im vergangenen Jahr das Silberne Ehrenzeichen.

Rustikal

Der Gastgeber hatte sich diesen rustikalen Rahmen für seine Verabschiedung aus dem Berufsleben gewünscht. An Glanz fehlte es dennoch nicht, unzählige helfende Hände hatten die Räumlichkeiten geputzt und dekoriert, die Kreismusikschule Joachim a Burck setzte mit einem Saxophonquartett den musikalischen Rahmen.

Zwischen Girkes ersten Schritten im Burger Kindergarten an der Bahnhofstraße und dem Landratsamt, wo seine berufliche Laufbahn nun endet, liegen nur 100 Meter. Und sechs ereignisreiche Jahrzehnte. Girke wurde im Burger Krankenhaus geboren, besuchte in der Kreisstadt Kindergarten und Schule, legte hier 1971 das Abitur ab.

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Zum Studium zog es ihn nach Leipzig, seine berufliche Laufbahn ging im Genthiner Waschmittelwerk weiter, ein Studium an der Technischen Universität Magdeburg schloss sich an. Nach der Wende begann nicht nur politisch eine „neue Zeit“, wie Girke es nannte, sondern auch seine Zeit beim Landkreis.

Dankbar

Vier Landräte hat er kommen, und drei davon gehen, sehen: Wolfgang März, Detlev Lehmann, Lothar Finzelberg und Amtsinhaber Steffen Burchhardt. „Noch einen kriege ich nicht“, sagte Girke und bedankte sich bei allen Mitarbeitern des Landkreises. Ganz besonders bei Carola Zeitz, seiner ersten Sekretärin, bei Annerose Wedding, ebenfalls als Sekretärin tätig, und bei Büroleiterin Dana Hahn.

Auf die Frage, wie er den Mitarbeitern in Erinnerung bleiben wolle, zitierte Girke Altkanzler Helmut Schmidt: „Als jemand, der seine eigenen Aufgaben erkannt und pflichtgemäß erfüllt hat.“ Der lange Applaus nach Girkes Rede legt nahe, dass er diesem Ziel sehr nahe gekommen sein muss.

Wie viel Wertschätzung ihm zuteil wird, zeigte auch die große Gästeschar. Neben zahlreichen Landkreismitarbeitern war auch politische Prominenz gekommen.

Überdauernd

Für sein berufliches Wirken stehen besonders die Bauwerke, die während seiner Zeit als Leiter dieses Bereichs entstanden sind. „Sie überdauern“, sagte Landrat Steffen Burchhardt mit Blick auf das sanierte Gymnasium in Burg, den Funktionstrakt des Burger Krankenhauses, damals noch in Trägerschaft des Kreises, oder die Sporthalle der Berufsschule. „Noch heute ein Schmuckstück, das wir für 52 Millionen D-Mark saniert haben“, so Girke.

Knochig

Auch das „Haus Mubi“ ist unter seiner Leitung entstanden. „Ein großes Dankeschön für die tollen Räumlichkeiten“, sagte Sabine Voß von der Kreismusikschule, bevor sie mit ihrer Truppe das Stück „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ anstimmte. Ein Motto, mit dem es auch Girke in Zukunft versuchen will. Zum Abschied durfte der Ruheständler einen Ginkgobaum am Landratsamt pflanzen. „Der steht für Freundschaft und Glück“, so Steffen Burchhardt. „Und ist hart und knochig, sodass er uns einige Jahrzehnte beschäftigen wird“.

Von den Mitarbeitern der Behörde bekam Girke ein großes Abschiedsgeschenk für den eigenen Garten. Eine massive Holzbank mit der Aufschrift „Chef unter Beobachtung“. Fachbereichsleiterin Cornelia Weise zog nach vielen Jahren der Zusammenarbeit das Fazit: „Herr Girke ist immer der Gute.“