Leitzkau l Ina klopfte mit ihrer kleinen Hand gegen den Altar und schüttelte den Kopf. Aus Stein war der nicht, auch wenn er wirklich so aussah. „Pappmaché“, half ihre Mama aus. Der nachgebildete Altar ist ein Überbleibsel der Dreharbeiten zum Film „Die Päpstin“ 2008 in der Basilika des Schlosses Leitzkau. „Vier Wochen lang ist hier alles für die Dreharbeiten vorbereitet worden. Etwa fünf Minuten dauert die Szene im Film“, erklärte Viola Handke vom Förderkreis Kultur und Denkmalpflege Leitzkau, die am Sonntagnachmittag eine zwölfköpfige Besuchergruppe durch die Schlossanlage führte. Das Besondere an der Gruppe: Es befanden sich viele Einheimische darunter.

Spuren der Romanik

Die heutige Basilika, die zur Hofseite offen ist, war von Hilmar von Münchhausen zur Schlosskirche umgebaut worden. Die Spuren der Romanik wurden vermauert, die störenden Kapitelle der Säulen einfach abgeschlagen. Zu DDR-Zeiten, als die Basilika zur Sportstätte für die 1962 im Schloss eingerichtete Schule (in der wegen des Parketts Hausschuhe zu tragen waren) umgenutzt werden sollte, wurden die Säulen wiederentdeckt. Die Denkmalschützer setzten sich durch: Hier entsteht keine Turnhalle.

Heute kann die Basilika für Feste wie Hochzeiten gemietet werden und sie wird vom Förderkreis als Veranstaltungsstätte genutzt. Ende August sollen dort die Hengstmann-Brüder gemeinsam mit Vater Frank auftreten. Aber wegen des Nachhalls werde überlegt, das Kabarett in den Hof zu verlegen, erklärte Viola Handke.

Erinnerungen

In der Dauerausstellung, die im Erdgeschoss des Schlosses Neuhaus untergebracht ist, war die gesamte Anlage als Modell zu sehen. Viola Handke erzählte von der Mauer über den Schlosshof, weil die nach Erbstreitigkeiten verfeindeten Neuhaus- und Althaus-Linien der Münchhausens sich nicht über den Weg laufen mochten. Lediglich der Brunnen im Schlosshof wurde gemeinschaftlich genutzt.

„Hier in diesem Raum hatten wir Deutsch- und Russischunterricht“, erinnerten sich die ehemaligen Schüler im ersten Zimmer der Dauerstellung. „Genau“, bestätigte Viola Handke. „Dort, wo heute das Porträt von Martin Luther hängt, war früher die Tafel.“ Und im Nebenraum? Darauf kam keiner der früheren Schüler. Es handelte sich um das Lehrerzimmer mit dem beeindruckenden Kamin, dessen Sims die Geschichte des heiligen Samariters erzählt.

Verborgene Schätze

In einer sehr guten Kopie zeigt die Ausstellung die Urkunde Otto III. vom 18. August 995, in der Leitzkau erstmals urkundlich erwähnt wird. 110 Meter über den Meeresspiegel gelegen wurde der strategisch günstig gelegene Platz genutzt, um Heere im Kampf gegen die Slawen zu sammeln. 1138/39 wurde durch Bischof Wigger von Brandenburg das Prämonstratenserkonvent eingerichtet.

Und Reformator Martin Luther hat einen Platz in der Dauerausstellung, weil er 1517 drei Briefe den Verfall der Klosterzucht betreffend an den Propst des Leizkauer Stifts Georg Mascow geschrieben hatte. Die Wohnung des Propstes konnte mit dem heutigen Kemenatensaal ebenfalls besichtigt werden. Erst einmal stockte die Besuchergruppe jedoch im Eingang, den ein Kasten Bier versperrte. Der stand dort aber genau richtig, erklärte Viola Handke. Handwerker hatten eine Stelle des Fußbodens leimen müssen und den Kasten als das passende Gewicht auserkoren. Die Getränke werden im Kemenatensaal kistenweise benötigt, weil der Förderkreis hier ebenfalls Veranstaltungen anbietet.

Nächtliche Führung

„Wurden alle vergrabenen Schätze der Familie von Münchhausen schon gefunden?“, lautete eine Frage der Besucher. Etwas sei schon gefunden worden, berichtete Viola Handke. „Aber vermutlich noch nicht alles.“

Der Förderkreis Kultur und Denkmalpflege bietet jeden Sonntag um 14 Uhr Führungen durch die Schlossanlage an. Darüber hinaus nach Anfrage. Beim Abend bei Amalie (22. Juni/28. September) erleben die Besucher eine nächtliche Schlossführung mit einigen Leitzkauer Persönlichkeiten.