Burg l Schulleiterin Heike Engelke wollte ein Zeichen und allen Spekulationen ein Ende setzen. „Die Schule wird im nächsten Sommer eröffnet, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, sagte sie bei einer Baustellenbegehung im vergangenen September. Doch natürlich konnte sie nicht damit rechnen, dass wenige Monate später ein tödliches Virus die Welt bedrohen und nicht nur den Zeitplan des Neubaus der Evangelischen Grundschule durcheinanderbringen würde.

„Wir können erst nach den Herbstferien öffnen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Johannes-Schulstiftung, Michael Bartsch, nun am Donnerstag im Gespräch mit der Volksstimme. Die Firma, die Türen herstellt, habe während des Corona-Lockdowns die Produktion auf Null gefahren, könne nun erst im September liefern. Doch der übrige Baufortschritt macht Bartsch sehr zufrieden. Und auch, wie die Burger der neuen Schule gegenüberstehen. „Ich bekomme bei meinen Besuchen immer eine sehr positive Atmosphäre mit, viele erinnern sich an ihre eigene Schulzeit in dem Gebäude, andere freuen sich auf ein weiteres belebendes Element in der Innenstadt“, schilderte er. Einst sind dort Mädchen ins Lyzeum gegangen, später wurde in der Clara-Schwab-Schule unterrichtet seit 2002 hatte der Backsteinbau leer gestanden.

Kein Durcheinander

Dass der alte Standort nun noch ein paar Wochen länger als geplant genutzt werden muss, bringe den Schulalltag nicht durcheinander. Die größeren Raumkapazitäten seien noch nicht eingeplant gewesen, es werde mit derselben Schülerzahl begonnen. Mit den Jahren solle dann die Schule auf die doppelte Größe, etwa 120 bis 130 Jungen und Mädchen, anwachsen. Die dafür notwendigen Lehrkräfte einzustellen sei eine weitere große Aufgabe. „Dieser Herausforderung müssen sich aber alle Schulen stellen, ob staatlich oder privat“, stellte er fest.

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Der Vorstandsvorsitzende ist dankbar für die gute Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis und freut sich darauf, dass die Schule nun vom Rand mitten in die Stadt zieht. „Durch die Sporthalle, die auch von Vereinen genutzt wird, kommt es auch zu Begegnungen, die es vorher nicht gab“, nannte er ein Beispiel.

Bei einer Baustellenbesichtigung am Freitag strahlte auch die Geschäftsführerin der Schulstiftung, Ulrike Gardlo, viel Optimismus aus. Zusammen mit dem Fördervereinsvorsitzenden Eckart Grundmann ließ sie sich von Architekt Prof. Wolfgang Kühn den aktuellen Baustand erläutern. Der war glücklich darüber, dass die Pläne, das alte Schulhaus und das angrenzende Fachwerkgebäude abzureißen und dort einen Supermarkt ansiedeln zu lassen, nicht umgesetzt worden waren. So sei dort nun in enger Zusammenarbeit mit den Behörden eine denkmalpflegerische Sanierung umgesetzt worden. Die zeitliche Verzögerung sei wohl bei der Größenordnung des Projektes zu verschmerzen. Die Türen seien in der Tat die Hauptursache gewesen. Ursprünglich sei gar nicht geplant gewesen, neue Türen anzuschaffen. Die alten sollten aufgearbeitet werden. Schnell habe man aber festgestellt, dass mit diesem Material keine Brand- und Schallschutzverordnungen eingehalten werden können. Lieferschwierigkeiten habe es zwischenzeitlich allerdings auch bei LEDs aus China und Fliesen aus Italien gegeben. So seien manche Bauabläufe umgestellt worden, um keinen Stillstand zuzulassen. „Normalerweise fangen wir bei den Räumen mit den Türen an, jetzt werden sie den Abschluss bilden“, erklärte er.

Stadt Burg finanziert den Löwenteil

An vielen Stellen des Bauprojektes werden Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden. So wurde an den Klinkerbau eine Glasfassade angebaut. Eine Etage wurde aufgestockt, in ihr ist der Raum der Stille untergebracht. „Die Idee dahinter ist, hier Ruhe zu finden, mit Blick zum Himmel“, sagte Kühn, der den Raum scherzhaft als 60-Quadratmeter-Penthousewohnung bezeichnete. Besonders beeindruckend sind die beiden großen Fensterfronten. „So etwas gibt es bislang in Burg noch überhaupt nicht“, sagte Grundmann.

Die Baukosten betragen rund 6,5 Millionen Euro. Eine nochmalige Steigerung um etwa 500 000 Euro hatte sich durch gestiegene Baukosten ergeben. Die Evangelische Johannes-Schulstiftung ist mit gut zwei Millionen Euro Eigenmitteln dabei, den Löwenanteil finanziert die Stadt Burg, schöpft dafür auch aus Fördertöpfen. Und der Förderverein hat sich ebenfalls rege um Spender bemüht. Für einen Betrag von 999 Euro gibt es sogar einen Stifterstein im Eingangsbereich der Schule. „27 Bildungsstifter sind schon zusammengekommen“, so Ulrike Gardlo .

Die offizielle Eröffnungsfeier findet am 30. Oktober statt. Zur ersten Schulstunde im neuen Standort wird bereits am 26. Oktober geläutet. Dann werden auch die Türen eingebaut sein – alle 49.