Möckern l 42 Klienten nutzen derzeit das „Ambulant Betreute Wohnen“ auf dem Gelände an der Magdeburger Straße in Möckern. Es sind trockene Suchtkranke, die vor Jahren hier angekommen sind, denen hier geholfen wurde und die lieber geblieben sind, als möglicherweise in einem neuen Lebensumfeld rückfällig zu werden.

Nun soll Raum für jene geschaffen werden, die auch ihren Lebensabend in einem vertrauten Umfeld – ohne Versuchung und mit den drei großen Regeln der Suchtkurve – verbringen wollen: keine Gewalt, kein Diebstahl, kein Alkohol.

Neuer Lebensmittelpunkt

„In einem normalen Seniorenheim würden die Klienten ganz schnell wieder rückfällig“, ist Wolfgang Auerbach überzeugt. Der Leiter der Suchtkrankenhilfe in Burg führte vor wenigen Tagen gemeinsam mit dem DRK-Vorstandsmitglied Frank Ruth den Landrat des Jerichower Landes über das „Suchtkurve“-Areal in Möckern. Der DRK-Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land ist Träger der Einrichtung, die vor 25 Jahren aus einer Selbsthilfegruppe in Burg hervorgegangen ist.

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Viel hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Möckern getan. Aus einer brachliegenden Fabriklandschaft wurde Zug um Zug ein Zuhause und Lebensmittelpunkt für Suchtkranke, die abstinent und mit einer straff organisierten Tagesstruktur leben.

Auf dem Gelände befinden sich eine große Holzwerkstatt, Räumlichkeiten für die beiden „Tafeln“ in Gommern und Möckern, sowie einige Beete, die von den Klienten selbst bewirtschaftet werden. Eine geregelte Tagesstruktur mit Beschäftigung ist elementar in der Suchtkrankenhilfe. „Hände, die was zu tun haben, können keine Flasche halten“, sagt Wolfgang Auerbach.

Viel Eigenleistung

Und die Hände packten an: Mit sehr viel Eigenleistung wurden aus ruinösen Garagen kleine Wohnungen, davor entstanden schmucke Gärten.

Geändert hat sich mit den Jahren aber auch die Klientel, sagen Frank Ruth und Marina Waterstradt, Sachgebietsleiterin im Sozialamt des Jerichower Landes: „Zu Beginn hatten wir hier eine kurze Verweildauer und eine geringe Rückfallquote.“ Inzwischen bleiben viele Klienten länger, wollen auch gar nicht mehr weg. Möckern ist längst Lebensmittelpunkt geworden, die Menschen wollen hier auch alt werden. Es gibt ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft: „Unser Projekt genießt hier im Wohnumfeld eine große Wertschätzung“, sagt Frank Ruth.

Dort, wo an den Zeddenicker Weg angrenzend derzeit noch Garagen stehen, soll das neue Seniorenheim gebaut werden.

Dreigeschossige Gebäude

20 Appartements sollen in dem dreigeschossigen Gebäude entstehen. Ein eigenes Pflegeteam soll ambulant betreute Tagespflege sicherstellen – für Senioren, aber auch für jüngere Bewohner mit entsprechender Pflegestufe.

„Wir haben in diesem Jahr sehr viele Anfragen, auch von Außerhalb. Aber wir mussten viele ablehnen.“

Wolfgang Auerbach, DRK-Suchtkurve

Mit gut 4 Millionen Euro Kosten rechnet der DRK-Regionalverband. Bei der „Aktion Mensch“ wurde ein Antrag auf Förderung gestellt. Für realistisch hält DRK-Vorstand Frank Ruth einen Baustart im Jahr 2020. „Das hier wird kein Renditeobjekt“, ist Frank Ruth sicher.

Aktuell ist das Ambulant Betreute Wohnen in Möckern voll belegt. „Wir haben in diesem Jahr sehr viele Anfragen, auch von Außerhalb. Aber wir mussten viele ablehnen“, berichtet Wolfgang Auerbach.