Möser l Mösers Ortsbürgermeister Peter Hammer hatte an die Seniorenvertretung der Gemeinde herangetragen, sich des Themas „Wohnkonzepte im Alter“ anzunehmen. Die Seniorenvertreter hatten daraufhin eine Umfrage unter Senioren gestartet. Die Umfragebögen sind nun zurück. Sie sollen ausgewertet und analysiert werden, sagte der Vorsitzende der Seniorenvertretung, Wolfgang Rust. Er betonte auch, aus seiner Sicht müsse zunächst die Frage geklärt werden, ob in Möser eine weitere Wohnanlage wie das Seniorenwohnen der Volkssolidarität im Rudolf-Breitscheid-Weg gewünscht sei oder, ob auch ein Genossenschaftsmodell oder eine Wohnform mehrerer Generationen, in der junge und ältere Menschen zusammen leben, in Frage käme.

Breites Meinungsspektrum zum Thema

Seniorenvertreter Holger Stein erklärte, aus seiner persönlichen Sicht sei es „die allerletzte Möglichkeit“ in eine altersgerechte Wohnform zu ziehen. Das käme für ihn nur in Frage, wenn er sein Grundstück nicht mehr alleine bewältigen könnte.

Klaus Lebe berichtete aus eigener Erfahrung, dass der Bedarf an altersgerechten Wohnungen in Möser vorhanden sei, insbesondere für alleinstehende Senioren. Er fände die Idee eines Mehrgenerationenwohnens sympathisch, sagte Lebe.

Sehr individuelle Bedürfnisse

Ob man sich von seinem Eigentum trennen und verkleinern könne, das sei eine Mentalitätsfrage, war sich Seniorenvertreterin Ursula Ziegenspeck sicher. „Es gibt ein breites Meinungsspektrum zu diesem Thema“, sagte sie.

Auch Brunhilde Krause meinte, die Bedürfnisse seien individuell. Überwiegend sei es aber so, dass Senioren ihr Eigentum und insbesondere große Grundstücke im Alter nicht mehr händeln könnten. Zudem würden soziale Kontakte und kurze Wege immer wichtiger. Krause schlug vor, Kontakt mit den Pfeifferschen Stiftungen aufzunehmen. Die Seniorenvertretung solle sich von einem Referenten vom sogenannten Quartiersmanagement berichten lassen. Die Pfeifferschen Stiftungen beraten und unterstützen nach eigenen Angaben dabei Kommunen und Wohnungsunternehmen beim Aufbau „altersgerechter Wohn- und Lebensorte“. Welcher Lebensraum ein solches Quartier bildet und welche Bedürfnisse darin erfüllt werden, das bestimmen die hierin Lebenden selbst. Sogenannte Quartiersmanager unterstützen dabei.

Einig waren sich die Seniorenvertreter darin, dass die allermeisten älteren Menschen auch im Alter in ihrem Ort bleiben möchten.

Sinnvolle Lage für altersgerechtes Wohnen

Lutz Baumgarten und Wolfgang Rust berichteten, sie hätten das Gespräch mit dem Eigentümer des Grundstückes „Petzolds Wäldchen“, das an Kiesweg, Kastanienallee und Akazienallee liegt, gesucht. Aus ihrer Sicht ist hier eine „sinnvolle Lage für altersgerechtes Wohnen“. Der Eigentümer, so Wolfgang Rust, sei bereit, das Grundstück „einzubringen“.

Holger Stein warnte vor einer erneuten Debatte um Petzolds Wäldchen. „Das gibt nur Krach“, sagte er. Er sei nicht sicher, ob die Seniorenvertretung sich in diese Diskussion einbringen solle, bevor nicht die Gemeinde ein deutliches Zeichen pro altersgerechtes Wohnen an diesem Standort gesetzt habe.

Von Umweltschütztern bewacht

Petzolds Wäldchen – das etwa 15.000 Quadratmeter große Grundstück war 2018/19 zum regelrechten Politikum geworden. Seit fast 100 Jahren unberührt, hatte sich hier aus Sicht von Umweltschützern ein schützenswertes Biotop entwickelt.

Gegen den Wunsch des Eigentümers und die Pläne der Gemeinde, den Flächennutzungsplan der Gemeinde so zu ändern, dass hier Bauland entsteht, gab es Widerstand und heftige Debatten, unter anderem im Ortschaftsrat und im Bauausschuss der Gemeinde. Eine Bürgerinitiative gegen die Baupläne gründete sich. Geplant hatten der Eigentümer und ein Architekt die Errichtung eines Wohnparks, in einer Kombination aus Eigenheimen und betreutem Wohnen. Etwas weniger als 15 Prozent der gesamten Fläche sollten demnach bebaut werden.

Aus der kompletten Umwandlung in Bauland wurde aufgrund des Vetos vom Ortschaftsrat Möser nichts. Bebaut werden dürften laut wirksamem Flächennutzungsplan der Gemeinde Möser straßenbegleitend etwa 20 Meter in das Grundstück hinein. Der Rest ist im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen.