Möckern l Wenn am 16. Februar der Möckeraner Karnevalsklub MKK in seine Session startet, ist auch Manuel Achatz mit von der Partie. Der bekennende Karnevalist mit bayerischem Migrationshintergrund hat sich innerhalb kürzester Zeit einen Platz in den Herzen der Narren und im Elferrat erobert.

„Überall wo ich gewesen bin, war ich in Vereinen, weil man Anschluss findet“, erzählt Manuel Achatz. Und wo war er so bisher? Aufgewachsen in der Nähe von München, Studium der Chemie in Heidelberg, Promovierung in Regensburg. Dann – der Arbeit wegen – nach Sachsen-Anhalt gekommen. Erste Station hier: Gerwisch und der dortige Shanty-Chor.

Karneval schon immer Familiensache

„Aber ich wollte immer schon beim Karneval sein“, so der 35-Jährige. „Fasching hat mir immer Spaß gemacht. Die Liebe zum Karneval ist genetisch bedingt. Meine Eltern haben sich beim Rosenmontagsball kennengelernt und meine beiden Brüder stellten mit ihren Partnerinnen das Prinzenpaar, vor ein paar Jahren auch meine Eltern.“

„Schon während des Chemie-Studiums habe ich scherzeshalber gesagt, wenn das mit der Chemie nichts wird, werde ich Büttenredner.“

Impro-Theater während des Studiums

„Schon während des Chemie-Studiums in Heidelberg habe ich scherzeshalber gesagt, wenn das mit der Chemie nichts wird, werde ich Büttenredner. Ich habe schon immer auf Wortspiele gestanden, im Studium Impro-Theater und im Schützenverein die Showeinlagen gemacht. Ich bin einfach eine Rampensau“, sagt Achatz lachend.

Als er dann in Regensburg promovierte, trat er tatsächlich in den dortigen Karnevalsverein ein, musste aber schnell feststellen, dass der Verein nur noch aus Präsidium und Kindergarde bestand, und sich kurz vor der Auflösung befand.

Nachdem der frischgebackene Doktor der Chemie in Barleben Arbeit in der Zulassungsstelle für Medikamente bei einem großen Pharma-Unternehmen bekam, zog er zunächst nach Gerwisch. „Mir war klar, dass ich irgendwann mal irgendwo ankommen und ein Haus bauen möchte.“

2015 sah er sich um

Wie immer schaute sich Achatz in der Vereinswelt um. Irgendwer berichtete ihm vom MKK in Möckern. „Da bin ich einfach auf deren Webseite gegangen, und da stand rechts oben ‚Büttenredner gesucht‘“, erinnert sich Achatz zurück. Das war im Jahr 2015.

Es folgte ein Gespräch mit dem MKK-Präsidenten Lutz Hilse. Von dem gab es eine Einladung zur Elferrats-Sitzung. Da hatte Manuel Achatz schon den Eindruck, dass beim MKK alles völlig unkompliziert ist.

„Es war mir sehr wichtig, dass der Verein nicht nur zwischen dem 11. 11. und Aschermittwoch besteht.“ Als klar war, dass sich die MKKler das ganze Jahr über freitags im Vereinsdomizil „Bütt“ treffen und gemeinsam Tagesfahrten unternehmen, ahnte Achatz, dass er hier richtig sein könnte.

Chemie stimmte von Angang an

Bei der darauffolgenden Vollversammlung konnte sich der „Neue“ dann allen Vereinsmitgliedern vorstellen. „Ich habe mich auf Anhieb super mit allen verstanden“, so der Berufs-Chemiker voller Begeisterung. Die Chemie mit dem MKK stimmte also auch.

Es dauerte nicht lang, bis vom Vereinspräsident der Ruf Achatz‘ in den Elferrat folgte. Beim MKK besteht der Elferrat aus mehr als elf Mitgliedern, damit das Präsidium immer voll besetzt ist, auch wenn Ratsleute in Programmpunkte eingebunden sind.

Auch der Wunsch, Büttenredner zu werden, sollte sich beim MKK erfüllen. „Ich hatte gefragt, wie politisch und mit wie viel Aussage das sein muss, denn das mag ich eigentlich gar nicht“. Achatz nahm mit Erleichterung zur Kenntnis, dass es dafür schon den MKK-Ausrufer Ralf Otto gibt. „Am besten, du stellst dich auf die Bühne und erzählst irgendeinen Blödsinn, wurde mir gesagt. Und da habe ich geantwortet, genau so habe ich mir das vorgestellt.“

„Am besten, du stellst dich auf die Bühne und erzählst irgendeinen Blödsinn, wurde mir gesagt. Und da habe ich geantwortet, genau so habe ich mir das vorgestellt.“

Sketch brachte ihm seinen Namen ein

Ganz so einfach ist es freilich nicht. „Büttenreden sind schwer, weil nicht alle Leute zu hören, was ja auch okay ist“, so Achatz. Dann muss als erste Bütt eben ein ‚Hallo-da-bin-ich-Knaller‘ kommen, dachte er sich. Der neue Büttenredner wählte einen Sketch, in dem er als Arzt über eine Frau referiert, die krankheitsbedingt bei Geräuschen, die im entferntesten an Geschlechtsverkehr erinnern, laut „Kukuk“ rufen muss.

Vom MKK-Zeremonienmeister damals noch als „Dr. med. Wurst“ vorgestellt, hatte Achatz nach seiner Bütt den Namen „Dr. Kukuk“ weg, und will ihn auch nicht mehr ablegen. Ebensowenig den Arztkittel, der als Wiedererkennungsmerkmal gute Dienste leistet, auch wenn die Büttenreden der folgenden Jahre wenig medizinisch daherkamen. Achatz nahm in der 43. Session Österreicher aufs Korn. In der 44. Session verknüpfte Achatz etliche Bauernregeln zu einem unterhaltsamen Wortbeitrag.

Aus Ideen wird eine Geschichte

Wie kommt „Dr. Kukuk“ zu seinen Büttenreden? „Wenn das Thema der Session rauskommt, fängt es bei mir zu rattern an. Irgendwann steht die Grundidee. Meist zwischen Weihnachten und Silvester setze ich mich hin und mache daraus eine Geschichte. Ich habe in meinem Handy eine Notizen-App, das ist die wichtigste App von allen, da notiere ich meine ganzen Ideen für die Bütt. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu lang werde, sonst schalten die Leute ab. So eine Bütt dauert etwa fünf bis acht Minuten.“

Es ist in Möckern kein Geheimnis, dass Manuel Achatz wegen des MKKs seinen Lebensmittelpunkt nach Möckern verlegt hat: „Irgendwann saß ich in Gerwisch in meiner Wohnung und habe gesagt, „Ich fühl mich so wohl, es passt rundum alles. In den Verein setze ich mich jetzt richtig rein und die werden mich nicht mehr los.“ Der Junggeselle baute sich ein hübsches Haus im Möckeraner Wohngebiet Pfingstwiesen und konnte auch während der Bauzeit auf die tatkräftige Hilfe der MKK-Mitglieder setzen.

Auch für ihn gehört zur Mitgliedschaft in einem Karnevalsverein „nicht nur vier Wochen Halligalli, sondern auch etwas tun für den Verein. Inzwischen hat er im MKK-Vorstand den Posten des Schriftführers übernommen und pflegt den Internetauftritt des Vereines.

Vierte Session für "Dr. Kukuk"

Nun steht für Manuel Achatz die vierte Session an. „Dr. Kukuk“ verrät nichts über seine Bütt, die irgendwie mit dem Session-Thema „45 Jahre Schlager“ zusammenhängen dürfte. Auch seine Vereinsfreunde werden die Bütt erst bei der Generalprobe in Gänze zu hören bekommen. „Aber vorher spricht man sich mit dem Zeremonienmeister und den Arbeitsgruppen ab, um thematische Überschneidungen zu verhindern.“ Nur soviel verrät er in seinem nie abgelegten bayerischen Dialekt: „Ich freu‘ mich riesig drauf.“

Wer sich die Bütt anhören möchte: Restkarten für die MKK-Veranstaltungen am 16. und 23. Februar in der Stadthalle Möckern gibt es noch im „Reprima“ An- und Verkauf in der Lindenstraße 24 im Vorverkauf.