Genthin/Burg l Freitag ist Fischtag. Die Kombination mag manchem etwas ungewöhnlich vorkommen: gedünsteter Fisch mit Reis und Champignons. Doch was sonst noch in dem Menü, das Anfang September von dem Genthiner Caterer QSG, der Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft, unter anderem an die Diesterweg-Grundschule ausgeliefert wurde, enthalten war, gehörte dort nun überhaupt nicht hinein: Plastikteilchen. „Ich wurde von Eltern am darauffolgenden Wochenende darauf aufmerksam gemacht“, sagte Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) gegenüber der Volksstimme. Gleich am Montag habe er seine zuständige Fachbereichsleiterin Alexandra Adel darüber informiert und gebeten zu überprüfen, bei welchen Einrichtungen in der Zuständigkeit der Stadt Genthin möglicherweise ebenfalls Essen mit Verunreinigungen angeliefert worden seien. Die Abfrage habe ergeben, dass zehn von gut 500 Essensportionen nicht in Ordnung gewesen seien. Außerdem sei der Landkreis informiert worden, zunächst das Gesundheitsamt, das den Fall an das zuständige Amt für Verbraucherschutz weiterleitete.

Landkreis kontrollierte vor Ort

Zudem sei die QSG um eine Stellungnahme gebeten worden. Zunächst sei von dem Caterer keine Antwort bei der Stadtverwaltung eingegangen, keine Erklärung, wie es zu den Teilchen im Essen habe kommen können und wie dies künftig verhindert werden solle. Erschwert worden sei die Untersuchung dadurch, dass es keine Beweismaterialien mehr gegeben habe. „Die waren entsorgt worden“, sagte Günther. Es soll sich aber um blaue Teilchen in der Größe von zwei mal zwei bis vier mal vier Millimetern gehandelt haben. Am vergangenen Mittwoch konnte dann bei einer Vor-Ort-Kontrolle der Verbraucherschützer bei der QSG eines der Plasteteilchen in Augenschein genommen werden. „Die Eintragungsquelle in das Essen ist nicht sicher identifizierbar“, so Kreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann gegenüber der Volksstimme.

Kontrolle wird verstärkt

Die Lieferanten der verwendeten Zutaten seien darüber informiert worden, dass in ihrer Ware möglicherweise Plasteteilchen enthalten waren. Als Konsequenz dieses Vorfalls werde die optische Kontrolle der Zutaten sowie des Essens durch das Küchenpersonal nochmals verstärkt, hieß es. Der Essensanbieter, die QSG, werde durch das Amt für Verbraucherschutz der gesetzlich vorgeschriebenen Risikobeurteilung unterzogen und wird dementsprechend häufig kontrolliert. Die Küche sei durch das Landesverwaltungsamt zugelassen und müsse deshalb hohe hygienische Anforderungen erfüllen.

Und die Kreissprecherin hatte auch eine beruhigende Mitteilung. „Aufgrund der Größe der Teilchen und der Art des Materials ist nicht davon auszugehen, dass ein Gesundheitsrisiko für die Kinder bestand“, erklärte Hopf-Koßmann. Einen vergleichbaren Fall habe es außerdem im Jerichower Land in den vergangenen Jahren nicht gegeben.

Möglicher Wechsel des Essenanbieters

Auf ein Schreiben der QSG habe er bis zum vergangenen Montag warten müssen, sagte Genthins Bürgermeister im Gespräch mit der Volksstimme. Vor allem sei dies eine Entschuldigung bei den Eltern und Kindern gewesen. Auf die Frage, ob der Vorfall das Vertrauen zum Essenslieferanten belaste, blieb Günther betont zurückhaltend.

Günther versucht derzeit als Vorsitzender des Tourismusvereins Genthin, Jerichow & Elbe-Parey, der alleiniger Gesellschafter der QSG und somit für alle unternehmerischen Entscheidungen verantwortlich ist, auf gerichtlichem Weg Informationen, die ihm QSG-Geschäftsführer Lars Bonitz vorenthalten habe, doch noch zu bekommen. Das Verhältnis kann wohl als belastet bezeichnet werden. „Herr Bonitz ist ein schwieriger Partner“, drückte es Günther aus. Wenn ein anderer Caterer für das Essen sorgen solle, müssten das die Eltern entscheiden. Das sei möglich.

Handlungsanweisung in Arbeit

In der Verwaltung soll nun eine Handlungsanweisung für ähnliche Vorfälle erstellt werden, die Informationskette und notwendige Schritte festlegt. „Das werden wir den Stadträten mitteilen, wenn wir sie über den Vorfall informieren“, sagte Günther vor der Stadtratssitzung.

Der Volksstimme-Bitte um einen Rückruf kam QSG-Geschäftsführer Lars Bonitz nicht nach.