Hohenseeden/Genthin l Die beiden namhaftesten Spargelerzeuger des Jerichower Landes, die Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen und der Spargelhof Hoffheinz in Genthin, halten es in diesem Jahr nicht ganz so genau, am heutigen Johanni einen Schlussstrich unter die diesjährige Spargelsaison zu ziehen. Während die Ernte des Edelgemüses auf den Spargelfeldern der Agragenossenschaft am Freitag abgeschlossen wurde, legt der Genthiner Spargelbauer noch einen Schlussspurt hin und läutet erst am Sonntag, 30. Juni, das betriebliche Ende der Spargelzeit ein.

Ende der Spargelzeit

Patrick Wolter, Chef der Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen, und Henning Hoffheinz vom gleichnamigen Spargelhof blicken mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die vergangenen Wochen. Es sei besser als im vergangenen Jahr gelaufen, aber immer noch nicht richtig gut, meint Henning Hoffheinz, der im vierten Jahr Flächen in einer Größenordnung von 50 Hektar bewirtschaftet. Die Nachwehen des Dürresommers 2018 seien, sind sich beide Landwirte einig, in der Saison deutlich zu spüren gewesen, wobei die diesjähren Niederschläge das Wasserdefizit des Vorjahres bei weitem nicht ausgleichen konnten. Mit Konsequenzen, wie Henning Hoffheinz anmerkt. Er geht von Ertragseinbußen von 20 bis 25 Prozent in diesem Jahr aus und sieht bisher einen Ertrag von 150 Tonnen. Damit liegt das Unternehmen in etwa im bundesdeutschen Mittel.

Mit gemischten Gefühlen hatte im Frühjahr Patrick Wolter dabei in die bevorstehende Saison geblickt. Im Falle eines ähnlichen Hitzesommers wie 2018 wären erneute Verluste für die Agragenossenschaft nicht mehr zu kompensieren, befürchtete er.

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Gute Qualität

Ein lautes Klagen kommt bei ihm mit dem Ende der Ernte aus betriebswirtschaftlicher Sicht allerdings nicht über die Lippen. Auch wenn in Hohenseeden 20 Hektar von insgesamt 120 Hektar aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden mussten, weil die Fläche nicht beregnet werden konnte. Die Qualitäten des geernteten Spargels seien gut bis zufriedenstellend gewesen, resümieren die Spargelbauern aus Hohenseeden und Genthin. Anders als im vergangenen Jahr, als eine Spargelschwemme für einen Preisverfall sorgte, gab es in dieser Saison stabile Preise. Der Spargel hätte in diesem Jahr zu vernünftigen Preisen verkauft werden können, meinen die hiesigen Spargelbauern übereinstimmend.

Entgegen dem bundesdeutschen Trend brauchen die Spargelbauern des Jerichower Landes allerdings nicht einen bedrohlichen Mangel an Erntehelfern aus Osteuropa beklagen. Während auf den Feldern der Agrargenossenschaft bis zu 120 Spargelstecher aus Polen zum Einsatz kamen, arbeiteten bis zu 50 Rumänen als Saisonkräfte auf dem Genthiner Spargelhof. Bezahlt nach gesetzlichem Mindestlohn, bei guten Leistungen mit einem Zuschlag. Alles korrekt - wie Kontrollen des Zolls sowohl auf den Feldern der Agrargenossenschaft als auch des Spargelhofes bestätigten.

Arbeitskräfte werden teurer

Gute Arbeitskräfte sind für die Spargelbauern stetig teurer geworden. In den vergangenen fünf Jahren stieg der Mindestlohn für Erntehelfer von fünf Euro auf nunmehr 9,19 Euro in der Stunde.

Für beide Spargelbauern wird die zurückliegende Saison höchstwahrscheinlich als das Jahr der Direktvermarktung eingehen. Henning Hoffheinz sprach 2018 trotz des Dürrejahres davon, dass die Nachfrage nach regionalen Produkten steige. Er reagierte in diesem Jahr mit der Einrichtung eines Hofladens darauf, der den erwarteten Kundenzuspruch brachte. Sein Berufskollege pflichtet Hoffheinz aus den Erfahrungen der aktuellen Spargelsaison bei und bestätigt, dass es ein zunehmendes Bewusstsein für regionale Erzeugnisse gebe. „Es war verblüffend, die Kunden haben zielstrebig die Direktvermarktung ansteuert“, sagt er. „Wir werden diesen Bereich der Vermarktung künftig stärken“, stellt er in Aussicht.