Burg l Im 19. Jahrhundert Schützenhaus, ab 1973 Kreiskulturhaus „Hermann Matern“, nach der millionenschweren Grundsanierung 2002 dann Stadthalle und in Kürze Stadtkulturhaus? Viele Möglichkeiten darüber zu diskutieren bleiben den Stadträten diesmal nicht, da die Sitzungen der Ausschüsse allesamt der Corona-Pandemie geopfert wurden. Dabei ist das Thema mehr als nur von öffentlichem Interesse, es ist auch ein Stück geschichtstragend: Der neue Kultur-Fachbereich der Stadt, der seit April auch für die Bewirtschaftung der Stadthalle verantwortlich ist, will dem Gebäude am Platz des Friedens diesen neuen Namen geben. „Wir wollen mit dem Betreiberwechsel auch gleichzeitig den inhaltlichen Neubeginn für das Multifunktionshaus anschieben und klarmachen, dass hier die Kultur im breitesten Sinne eine große Rolle spielen wird. Deshalb haben wir uns für den Einschub des Wortstammes Kultur entschieden. Das Wort Stadthalle selbst kann vieles erklären“, begründet Fachbereichsleiter Maximilian Steib. Das künftige Stadtkulturhaus soll ein Aushängeschild für die Stadt und die Region werden. „Wir arbeiten jetzt schon an einem vielversprechenden Programm von Eigenveranstaltungen und Einmietungen“, so der Fachbereichsleiter. Schließlich sei speziell dafür eine neue Veranstaltungsmanagerin eingestellt worden.

Aber muss der seit 18 Jahren bestehende Name dafür geändert werden? „Ja“, sagt Steib. Auch deshalb, weil die Stadthalle zurzeit „nicht gerade den besten Ruf in der Öffentlichkeit hat“. Wer beispielsweise nach Stadthalle Burg googele, lande im Internet letztlich bei den Aufzeichnungen mit Fernsehkoch Frank Rosin, der versuchte, die Gastronomie aufzupäppeln und bekomme eher „ein negatives Bild. Wir haben unseren eigenen Anspruch und wollen im Veranstaltungsbereich vieles auf die Beine stellen, das auch die Gäste aus anderen Städten anlockt und neugierig auf Burg macht“, sagt der städtische Kulturchef. Auch Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth verweist auf ein „neues Markenversprechen für viele Nutzergruppen über Burg hinaus“. Da seien die bisherigen Interneteinträge alles andere als einladend.

Stadträte halten sich bedeckt

Die Entscheider in den Fraktionen des Stadtrates halten sich indessen noch bedeckt. SPD/Linke/Grüne/BFW/Dr. Wolffgang-Fraktionschef Heiko Jerkowski hat Verständnis für das Ansinnen der Verwaltung. „Aber wir haben als Fraktion noch nicht darüber beraten.“ Ähnlich sieht das CDU/FDP-Fraktionsvorsitzender Frank-Michael Ruth: „Wir müssen uns noch eine Meinung bilden, entscheidend wird aber immer der Inhalt sein, nicht die Verpackung.“ Auch die AfD/Endert-Fraktion hat das Thema auf der Agenda der nächsten Beratung. „Es gibt sicher Wichtigeres, aber wir setzen uns damit natürlich auseinander“, so Fraktionschef Gerald Lauenroth.

Im diskussionsfreudigen Kultur- und Tourismusausschuss wäre das Thema gewöhnlich ausgiebig erörtert worden. Das fällt nun aus. Ausschusschefin Kerstin Auerbach (Linke) kann mit einer Namensänderung leben, wenn denn vielfältige Kulturangebote unterbreitet werden. „Aber alles in allem halte ich die inhaltliche Ausrichtung für wichtiger.“