Burg/Genthin l Über 2200 Geflügelhalter im Landkreis stehen in der Pflicht, amtlichen Anordnungen zu folgen. Unter den Geflügelhaltern machte am Mittwoch die Nachricht, dass das Geflügel vorerst im Stall bleiben muss, in Windeseile die Runde. Denn die Einschläge der Geflügelpest kommen näher und stehen mittlerweile unmittelbar an der östlichen Kreisgrenze zum Jerichower Land. So war im Landkreis Havelland (Land Brandenburg), der unmittelbar an die Stremme-Region um Schlagenthin grenzt, das Virus vor einigen Tagen bei einer Graugans nachgewiesen worden. „Dass das Geflügelpestvirus auf dem Vormarsch ist, habe ich ohnehin schon mit Sorge beobachtet“, sagt Hartmut Schulz aus Fienerode, dem das Wohl des Federviehs sowohl als Inhaber eines Futtermittelhandels als auch als Halter und Züchter besonders am Herzen liegt.

Obwohl Schulz als Tierhalter über Routine im Umgang mit der nahenden Geflügelpest verfügt, lässt es ihn nicht kalt, den Hühnerstall jetzt dicht machen zu müssen. Es werde ihm wieder weh tun, sehen zu müssen, wie die Hühner immer wieder erfolglos versuchen, ins Freie zu kommen. Seine Tierbestände seien in den bisherigen Geflügelpest-Zeiten jedes Mal glücklicherweise von einem Ausbruch verschont geblieben.

Wasser könnte Wildvögel anlocken

Schulz weiß, dass er sich in den nächsten Wochen und vielleicht Monaten auf strenge Kontrollen seiner Ställe und Tierbestände durch das Veterinäramt einrichten muss. „Das gehe in Ordnung und müsse sein. „Richtig gefährlich“ werde es aus seiner Sicht, wenn im unmittelbar angrenzenden Fiener Bruch in den Wintermonaten das Wasser auf den Wiesen wieder steigt und damit die Wildvögel, die das Virus übertragen, anlockt. „Vielleicht sollte man sich irgendetwas einfallen lassen, um den Schwärmen an Wildvögeln Herr zu werden“, bleibt Schulz vage.

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Mit dem „Ausgangsverbot“ für das Federvieh, da stimmen auch andere Erzeuger mit Hartmut Schulz wie die Familie Hoffheinz in Genthin oder Friedrich und Nils Rosenthal vom Ökohof Fläming in Schopsdorf, werde die Haltung der Tiere wesentlich aufwendiger. Allein deshalb, weil zugefüttert werden muss, um den Auslauf in die freie Natur zu kompensieren. Vom zusätzlichen Ausmisten ganz zu schweigen.

Unstrittig ist unter den Erzeugern, dass mit der Stallhaltung die Legeleistung der Hennen zurückgehen wird. Etwa um 20 Prozent, schätzt Hartmut Schulz. „Wir müssen einfach sehen, was auf uns zukommt“, sagt Anja Hoffheinz. Das Ei von glücklichen Hühnern bleibt damit in den nächsten Wochen und Monaten keine Selbstverständlichkeit mehr.

Für Ökohof keine neue Erfahrung

Eine völlig neue Erfahrung ist die Stallpflicht für Geflügel auch für den Ökohof Fläming nicht. Für den sicheren Verbleib der 70 Gänse müssen Nils und Friedrich Rosenthal erst einmal keine großen Anstrengungen unternehmen. Bis zum Wochenende geht es für sie zunächst in den Stall, dann werden sie, wie ohnehin geplant, geschlachtet. Bei den zirka 100 Hühnern muss ein bewährter Notfallplan greifen. Ein Teil wechselt vom mobilen in einen festen Stall. Einige mobile Ställe werden samt Tieren auf dem Gehöft untergestellt und verschlossen. Dann wird ein Drahtzaun um die mobilen Ställe aufgebaut. So wollen Friedrich und Nils Rosenthal auf Nummer sicher gehen und jeglichen Kontakt der Hühner mit Wildtieren vermeiden. „Hoffentlich dauert das Ganze nicht so endlos lange“, hofft Nils Rosenthal.

Aus Sicht des Dörnitzers Christoph Rüst vom Rassegeflügelzuchtverein Reesdorf ist die verhängte Stallpflicht nachvollziehbar. „Das Einstallen ist richtig. Das sollten wir aus der letzten Geflügelpest gelernt haben“, sagt er. Rüst rät, überdachte Ausläufe anzulegen, die einen geschlossenen Raum bilden. Sie bilden auch einen Schutz vor Wildvögeln und Spatzen. Im abgeschlossenen Auslauf legt Rüst kurzes Strohhäcksel aus. Da könnten die Hühner scharren und es komme der Lege-Rhythmus in Gang. Bei der Fütterung sei darauf zu achten, dass nicht einseitig, sondern mit Mischfutter gefüttert werde.